Sportpolitik

Vereinssport und Corona: Es ist ein finanzieller Seiltanz

Trafen sich zum Gespräch, v. l.: Katharina Oehlert (CDU Kreisverband Pinneberg), Mark Müller (KSV Pinneberg), Barbara Ostmeier (CDU), Karsten Tiedemann (KSV), Uwe Altemeier (EMTV und KSV), Olaf Seiler (KSV) und Sönke-Peter Hansen (KSV).

Trafen sich zum Gespräch, v. l.: Katharina Oehlert (CDU Kreisverband Pinneberg), Mark Müller (KSV Pinneberg), Barbara Ostmeier (CDU), Karsten Tiedemann (KSV), Uwe Altemeier (EMTV und KSV), Olaf Seiler (KSV) und Sönke-Peter Hansen (KSV).

Foto: KITTY HAUG / HA

Kreissportverband und sportpolitische Sprecherin der CDU Ostmeier diskutieren Lage der Vereine. Nahendes Winterhalbjahr bereitet Sorgen

Kreis Pinneberg.  Die Corona-Pandemie hat den Sport lahmgelegt. EM und Olympia wurden verschoben, Stadien und Hallen sind leer, die Kassen vieler Klubs und Vereine mittlerweile auch. Der Stillstand im Sport zwingt zum Handeln im kaufmännischen Überlebenskampf, sagt Barbara Ostmeier (CDU) und fordert als sportpolitische Sprecherin gemeinsam mit dem Kreissportverband (KSV) Pinneberg, von den nicht abgeforderten Summen aus der „Soforthilfe Sport“ bis zum 31. Dezember zwei Millionen Euro den Vereinen zukommen zulassen.

Nur 25 Vereine aus dem Kreis haben Unterstützung angefordert

Bis zum 31. Mai konnten mehr als 2500 Sportvereine und knapp 50 Fachverbände in Schleswig-Holstein einen Antrag auf Soforthilfe beim Innenministerium stellen. Laut Bericht des Ministeriums für Inneres hat es in Schleswig-Holstein lediglich 300 Anträge auf finanzielle Soforthilfe gegeben, um fehlende Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge oder Kursusgebühren zu kompensieren. Davon stammten 13 Anträge von Verbänden, der Rest von Vereinen. Aus dem Kreis Pinneberg haben mehr als 25 Vereine Unterstützung der Landesregierung angefordert.

Im Topf befanden sich 12,5 Millionen Euro. „Keine Selbstverständlichkeit“, wie Barbara Ostmeier findet und erklärt, dass Schleswig-Holstein im Vergleich zu anderen Bundesländern, wohl sehr früh erkannt habe, dass im Sport finanzielle Hilfen notwendig seien. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Sport“, meint auch KSV-Geschäftsführer Karsten Tiedemann.

Acht Millionen Euro sind im Fördertopf noch übrig

Von dieser Soforthilfe wurden jedoch nur 4,5 Millionen Euro abgefordert, denn viele Vereine konnten bis zur Abgabefrist Ende Mai nicht absehen, wie sich die sportliche und finanzielle Lage ändert oder waren unsicher bei der Ausfüllung des Antragsformulars. „Bummelige acht Millionen sind daher noch übrig“, erklärt die CDU-Politikerin.

Der große Mitgliederschwund ist – bislang – auch ausgeblieben, wie Uwe Altemeier vom Elmshorner Männer-Turnverein (MTV) bestätigt. Aber: Neuzugänge gibt es leider nicht; immerhin halte sich bis jetzt die Solidarität in den Vereinen. Lieber werde draußen und in mehreren kleinen Gruppen trainiert, als den Verein zu verlassen, so die Devise vieler Mitglieder.

Aber die kalte Jahreszeit naht. „Und dann werden sicherlich viele austreten. Immer mehr unserer Sportler verstehen die Lockerungsregeln nicht mehr“, sagt Altemeier. Während der Kontaktsport Fußball wieder aufgenommen werden kann, ist zum Beispiel das Training in der Zumba-Gruppe nicht mit mehr als zehn Menschen erlaubt. Und das, obwohl es in Schleswig-Holstein bislang keinen Corona-Ausbruch gegeben hat, der auf mutmaßliches Fehlverhalten im Sportverein zurückzuführen ist. „Die Solidarität wird schwinden“, prophezeit Altemeier.

Neben Mitgliedsbeiträgen fallen weitere Einnahmequellen weg

Doch neben möglichen Verlusten aus Mitgliedsbeiträgen durch Kündigungen, Beitragsfreistellungen oder Beitragsreduzierungen wird sich der Lockdown auch in anderen Bereichen für Vereine finanziell am Ende des Jahres negativ auswirken. So konnten keine Reha-Sportangebote ausgerichtet und abgerechnet werden; weder Kurse, Betriebssport, Kurzzeitangebote oder Bewegungsangebote in Seniorenwohnheimen fanden statt. Eintrittsgelder, Bewirtung, Veranstaltungen – auch auf diese üblichen Einnahmequellen mussten die Sportvereine bis jetzt verzichten. Welche Probleme für den Sport eine Umgestaltung der derzeit von Schülern ungenutzten Sporthallen zu Klassenräumen mit sich bringt, ist ebenfalls noch nicht abzusehen.

Problem: Vereine dürfen keine Rücklagen bilden

Rücklagen für Krisenzeiten dürfen Sportvereine nach ihrem Charakter nicht bilden, finanzielle Polster sind naturgemäß nicht vorhanden – und da genau will der Kreissportverband mit seiner Forderung einspringen.

„Die zwei Millionen sind ja da, denn die verbliebenen acht Millionen Euro aus der Corona-Soforthilfe bleiben dem Sport vollständig erhalten“, erklärt Tiedemann. Die Landesregierung plant, das Geld, aufgeteilt in drei Fördertöpfe, für die Sanierung der kommunalen Sportstätten und Vereinsstätten zu investieren. Nun obliegt es dem Landessportverein das Anliegen in Kiel vorzutragen.