Sportvereine

Die Corona-Pandemie hat den Sport im Verein verändert

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Die Vereinsvorstände des VfL Pinneberg Uwe Hönke (l.) und Carsten Lienau hoffen, dass der Wettkampf- und Spielbetrieb bald wieder aufgenommen wird.

Die Vereinsvorstände des VfL Pinneberg Uwe Hönke (l.) und Carsten Lienau hoffen, dass der Wettkampf- und Spielbetrieb bald wieder aufgenommen wird.

Foto: KITTY HAUG

Nicht nur Sportvereine in Pinneberg und Elmshorn brauchen finanzielle Unterstützung. Mitgliederschwund ist aber geringer als befürchtet

Pinneberg/Elmshorn. Alle Sportarten, die im Freien ausgeübt werden, sind seit Anfang Juli in Schleswig-Holstein wieder erlaubt - wenn Abstand gehalten werden kann - also auch Training in Mannschaftssportarten. Auch die Außensportanlagen dürfen öffnen. Sammelumkleiden und -duschen dürfen genutzt werden, Wettbewerbe sind wieder möglich. Doch trotz der erfolgten Lockerungen hat die Corona-Pandemie weiterhin starke Auswirkungen auf den organisierten Sport: Veranstaltungen und Versammlungen können nicht wie geplant stattfinden, digitale Sportangebote spielen eine wichtige Rolle, viele Vereine kämpfen mit finanziellen Sorgen.

Die Corona-Pandemie wird für viele Vereine und Verbände zur finanziellen Hängepartie. Das hat eine Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Anfang Juni ergeben. Danach soll jeder deutsche Sportverein im Durchschnitt 12.000 Euro durch die Corona-Krise verlieren. Bei 90.000 Sportvereinen ergibt das eine Summe von mehr als einer Milliarde Euro.

Der große Mitgliederschwund ist – bislang – ausgeblieben

„Der große Mitgliederschwund bei den Vereinen im Kreis Pinneberg ist aber ausgeblieben“, stellt Karsten Tiedemann, Geschäftsführer des Kreissportverbandes, fest. Und weiter: „Die Vereine haben sich achtbar geschlagen. Viele haben tolle kreative Sportvideos ins Netz gestellt, boten Trainingseinheiten via Video-Chat an oder motivierten ihre Mitglieder in Grußbotschaften.“

So auch der VfL Pinneberg, der mit einer vielseitigen und breiten Auswahl an Sportarten einer der größten Sportvereine in Schleswig-Holstein ist. Der Verein für Leibesübungen hat ebenfalls alle Kanäle genutzt, seine Mitglieder im Verein zu halten. Doch „wir haben 307 Mitglieder, somit sechs Prozent in den vergangenen vier Monaten verloren“ erklärt VfL-Geschäftsführer Uwe Hönke.

Auch ohne Pandemie habe der Verein einen Mitgliederschwund von etwa zehn Prozent pro Jahr zu verzeichnen, den er jedoch durch neue Mitglieder ausgleichen kann. Doch mit geschlossenen Sportstätten ist es schwer, neue Mitglieder zu gewinnen. „Wir hatten mit mehr Austritten gerechnet“, so Hönke. Nicht zuletzt aufgrund der vielen Solidaritätsaufrufe und mit einer offenen Kommunikation seitens der Vereinsführung fielen die Vereinsaustritte weit weniger dramatisch als zunächst befürchtet aus.

Neben den Verlusten aus Mitgliedsbeiträgen durch Kündigungen, Beitragsfreistellungen oder Beitragsreduzierungen wirkte sich der Lockdown auch in anderen Bereichen für den Verein finanziell negativ aus. So konnten keine Reha-Sportangebote durchgeführt und abgerechnet werden; weder Kurse, Betriebssport, Kurzzeitangebote oder Bewegungsangebote in Seniorenwohnheimen fanden statt. Eintrittsgelder, Bewirtung, Veranstaltungen – auch auf diese üblichen Einnahmequellen musste der Großsportverein verzichten. Stand heute geht der Vfl Pinneberg in Summe von einem finanziellen Schaden im sechsstelligen Bereich aus.

Der VfL Pinneberg bekommt 75.570 Euro an Soforthilfe bewilligt

Bis zum 31. Mai konnten mehr als 2500 Sportvereine und knapp 50 Fachverbände in Schleswig-Holstein einen Antrag auf Soforthilfe beim Innenministerium stellen. Getan hat das auch der VfL, denn „noch steht in den allermeisten Sportarten nicht fest, wann und in welcher Form der Wettkampf- und Spielbetrieb wiederaufgenommen werden wird und wir müssen auch damit rechnen, noch mehr Mitglieder zu verlieren“, erklärt Vereinsvorsitzender Carsten Lienau. Am 8 Juli erhielt der Verein den Bescheid des Landes über eine Soforthilfe in Höhe von 75.570 Euro. Lienau: „Wir sind dem Land unwahrscheinlich dankbar, dass uns diese Summe bereitgestellt wurde.“

Beim Elmshorner MTV ist dagegen ein Mitgliederschwund vorerst ausgeblieben. „Das kann sich im zweiten Halbjahr jedoch ändern, aber wir haben trotzdem ein ganz gutes Gefühl“, meint Uwe Altemeier. Der Großsportverein hat sehr früh angefangen seine „Mitglieder zu Hause abzuholen“, sagt der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende.

Der Elmshorner MTV ist aktiv auf seine Mitglieder zugegangen

„Wir wollten niemanden alleine lassen“, daher wurden Mitglieder angeschrieben, es wurde telefoniert und das Online-Portal stets mit neuen Meldungen bestückt. Bis Ende Juni haben Trainer mehr als 170 Filme gedreht, viele davon „hoch-professionell“, und auf YouTube hochgeladen. Es gibt Yoga-Anleitungen, Reha-Angebote, Familiensport und und und.

„Uns geht es momentan sehr gut“, sagt Altemeier. Hilfsgelder bei der Landesregierung hat aber auch dieser Verein beantragt, da nicht abzusehen ist, wann Vereinssport in seiner gewohnten Form wieder möglich sein wird.

Laut Bericht des Ministeriums für Inneres hat es in Schleswig-Holstein 300 Anträge auf finanzielle Soforthilfe gegeben, um fehlende Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge oder Kursusgebühren zu kompensieren. Davon waren 13 Anträge von Verbänden, der Rest von Vereinen. Aus dem Kreis Pinneberg haben mehr als 25 Vereine Unterstützung der Landesregierung angefordert.

Bislang wurden 185 Anträge abschließend bearbeitet. Das Bewilligungsvolumen lieg dabei bei 1,993 Millionen Euro.

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