Basketball

Aurimas Adomaitis ist der Dauerbrenner des SC Rist Wedel

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Aurimas Adomaitis (l.) will mit dem SC Rist auch in der kommenden Serie wie schon 2019 (Foto) und nun in der Abbruchsaison die Play-offs erreichen.

Aurimas Adomaitis (l.) will mit dem SC Rist auch in der kommenden Serie wie schon 2019 (Foto) und nun in der Abbruchsaison die Play-offs erreichen.

Foto: Ulrich Stückler

Der Litauer wird mit dem Pro-B-Team seine sechste Saison in der Rolandstadt bestreiten. Auch Flügelspieler Alexander Angerer bleibt

Wedel.  Seit Anfang 2016 ist Aurimas Adomaitis eine feste Größe im Pro-B-Kader des SC Rist Wedel. Damit nicht genug: Es ist schon fast zum Ritual geworden, dass der Litauer im Frühling einer der ersten Spieler ist, die ihre Zusage für die kommende Saison geben. Warum also mit dieser Tradition brechen?

„Adomaitis’ Unterschrift liegt vor und ist trocken“, vermeldet Christoph Roquette, Sportlicher Leiter des SC Rist und anfangs auch Mannschaftskollege des Litauers. „Wir sind froh, dass sich Aurimas entschieden hat, weiter für uns zu spielen. Er ist in Wedel fest verankert und bringt konstant seine Leistung aufs Parkett. Das, was er uns alles gibt, findet man nur ganz selten“, sagt Roquette.

Der 2,05 Meter große Center ist beruflich bei Trioptics tätig ist und hat somit längst nicht nur Basketball auf seiner Aufgabenliste stehen. Das kann den Leistungen des 33-Jährigen indes nichts anhaben. Mit durchschnittlich 10,1 Punkten und 6 Rebounds pro Begegnung war der Litauer in der Saison 2019/20 wieder auch statistisch gut dabei. Seine Erfolgsquote aus dem Feld genügt mit 63,4 Prozent höchsten Ansprüchen (und war somit besser als seine Treffsicherheit an der Freiwurflinie). Hat sich Adomaitis einmal in Position gebracht und wird in Korbnähe angespielt, ist er vom Gegner nur schwer am Abschluss zu hindern.

Adomaitis steht immer länger als die halbe Spieldauer auf dem Feld

Nicht einmal stand er in der zurückliegenden Saison in einer Partie weniger als 20 Minuten auf dem Feld – das nennt man einen Stammspieler. „Und um die Doppelbelastung aus Leistungssport und Beruf zu meistern, wurde für Aurimas eine maßgeschneiderte Regelung getroffen“, erläutert Cheftrainer Benka Barloschky. „Nach jedem Wochenende haben wir besprochen: Wie sieht die kommende Woche aus? Was hat er auf dem Zettel? Wann will er trainieren? Wir haben die Absprache mit ihm, dass er nicht bei jedem Mannschaftstraining anwesend sein muss. Das hat er sich durch seine Karriere, die er schon gespielt hat, hart erarbeitet. Und er hat von mir und von der Sportlichen Leitung das große Vertrauen, dass er weiß, wie viel er trainieren muss, dass er seine Belastung selber gut steuern kann“, so der Trainer.

Adomaitis selbst denkt wenig darüber nach, dass der Terminkalender während der Saison prall gefüllt ist und es manchmal großen Aufwand benötige, weder Sport noch Beruf zu vernachlässigen. „Ich mache es einfach und schaue mir an, wie das geht. Momentan scheint das zu funktionieren und deshalb mache ich das gerne noch ein Jahr weiter“, sagt der Center.

In Augen seines Trainers eine vorbildliche Arbeitseinstellung mit Ausstrahlung. „Ich sehe einfach, was für eine Stabilität er uns auf beiden Seiten des Feldes und was für eine Ruhe er uns gibt. Immer wenn wir wichtige Punkte brauchen und in brenzligen Situationen sind, können wir ihm den Ball geben und uns darauf verlassen, dass etwas Gutes passiert“, so Barloschky.

Seine Ausgeglichenheit zeichnet Adomaitis aus

Einen Anpfiff des erfahrenen Litauers in Richtung seiner jungen Mannschaftskollegen sucht man vergebens. Adomaitis gibt seine Erfahrung vor allem dadurch weiter, in dem er vorlebt, wie es gemacht wird. „Ich versuche, immer professionell zu sein. Man muss sich auf jedes Training vorbereiten und jedes Training ernst nehmen. Das versuche ich, ihnen beizubringen“, sagt der 33-Jährige.

Und Barloschky meint: „Aurimas ist jemand, der viel über sein Spiel kommt und durch seine Leistung Stabilität bringt. Er ist kein Lautsprecher, der wird er auch nicht mehr werden, das hat ja viel mit seiner Persönlichkeit zu tun. Aber im Laufe des Jahres ist er manchmal auch lauter geworden. In den Spielen, in denen es um die Playoffs ging, hat er in entscheidenden Situationen seine Stimme genutzt und die Jungs aufgebaut und manchmal auch einen ernsteren Ton angeschlagen, um die Jungs wieder auf die Spur zu kriegen. Wenn er etwas sagt, hören alle zu“, so der Trainer.

Statt Fitnessstudio: Adomaitis hält sich mit Jogging und Treppenläufen in Form

Zurzeit ist aber vieles anders. Adomaitis merkt das unter anderem daran, dass er nicht wie sonst in der spielfreien Zeit regelmäßig ins Fitnessstudio gehen kann, um in Form zu bleiben. Was tun? „Ich versuche, mich so viel wie möglich zu bewegen und warte darauf, dass wir alle zur normalen Lage zurückkehren können“, sagt er. Der 33-Jährige greift bis dahin auf Joggen und Treppenläufe zurück. Auch sein Berufsleben ist betroffen, statt täglich ins Büro zu gehen, wurde verstärkt auf Fernarbeit umgestellt.

Blickt Adomaitis auf die vergangene Saison zurück, sieht er eine Entwicklung, die zunächst ein wenig Zeit brauchte, um in Schwung zu kommen. Aber dann, aber dann… Es habe eben viele Umstellungen gegeben, der Trainer sei neu gewesen, der Kader noch einmal verjüngt worden, sagt Adomaitis. „Aber in der zweiten Hälfte so nach Silvester haben wir gut gespielt. Ich glaube, wir haben unser Ziel erreicht und auch die jungen Spieler entwickeln können. Sie haben mehrere Schritte nach vorn gemacht“, sagt er und hat selber seinen Anteil daran. Durch Taten, weniger durch Worte.

Mit Angerer bleibt ein weiterer Routinier bei den Ristern

Platz eins im Verlängerungs-Wettrennen hat sich in diesem Jahr indes ein Teamkollege von Adomaitis gesichert, der erst seit Beginn der abgelaufenen Saison zum Kader gehört. Alexander Angerer will nach seiner Premierensaison in Wedel auch in der Pro-B-Serie 2020/2021 dazu beitragen, dass die Risters wie in den beiden vergangenen Spielzeiten die Play-offs erreichen.

Allerdings benötigen die Fans noch ein gerüttelt Maß an Geduld, ehe sie dem Flügelspieler in der Steinberghalle wieder zujubeln können. Nach der Kreuzbandverletzung mit Meniskuseinriss, die er sich Anfang Februar im Match gegen Bernau zugezogen hatte, steht der dritterfolgreichste Werfer und Top-Rebounder des SC Rist in der abgelaufenen Spielzeit nun im Aufbautraining. Ziel: Im November oder Dezember soll es mit dem Mannschaftstraining losgehen.

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