Pinneberg
Reitsport

Mit drei Pferden zum Turnier, mit 306 PS geht es zurück

Die Drei von der Tankstelle: Nisse Lüneburg (M.), Patrick Stühlmeyer und Mario Stevens (l.) verpassen sich Champagnerduschen wie in der Formel 1. 

Die Drei von der Tankstelle: Nisse Lüneburg (M.), Patrick Stühlmeyer und Mario Stevens (l.) verpassen sich Champagnerduschen wie in der Formel 1. 

Foto: Melanie Mallon

Der Hetlinger Nisse Lüneburg gewinnt bei den VR Classics die Riders Tour und einen Landrover. Die Champagnerdusche ist wie in der Formel 1

Hetlingen/Neumünster.  Es ist einer dieser Tage, an denen im Leben eines Spitzensportlers Triumph und Enttäuschung nahe beieinander liegen. Enttäuschung, weil Nisse Lüneburg im Stechen der finalen Etappe der Riders Tour in Neumünster als einziger von neun Reitern in letzter Sekunde einen Abwurf kassiert und damit den letzten Platz belegt. Triumph, weil es dank des enormen Vorsprungs aus den vorangegangenen fünf Stationen keine entscheidende Rolle spielt: Der Hetlinger ist trotz des achten Platzes im Finale unangefochtener Gesamtsieger der Riders Tour und wird dafür mit einem 306 PS starken Land Rover Discovery im Wert von 81.000 Euro belohnt.

Das ist der Höhepunkt der viertägigen VR Classics in den Holstenhallen. Auch wenn es sich Nisse Lüneburg nicht anmerken lässt; wer ihn kennt, weiß: Der Patzer wurmt den 31-Jährigen, er ist wie alle Spitzensportler auf bestmögliche Ergebnisse programmiert. Aber Schwamm drüber, denn die Gesamtleistung des dreifachen Derbysiegers ist in Neumünster hervorragend.

Dort sind allein 218 Springpferde angetreten; die Reiter kommen aus 13 Nationen von Brasilien bis zur Ukraine. Bereits das internationale Eröffnungsspringen gewinnt er mit dem Wallach Look at me R; kassiert dafür 1000 Euro. Dann tritt er in ersten Qualifikationsrunde mit Alina an. Die zwölf Jahre alte braune Holsteiner Stute spielt mit und saust mit ihm über 16 Sprünge, die bis zu 1,50 Meter Höhe aufgebaut sind – fehlerfrei. Auch das Stechen gewinnt Nisse Lüneburg, und sein Punktekonto wächst. Der Vorsprung zu seinen Konkurrenten stärkt das Selbstbewusstsein – und den Kontostand. Denn dieser Sieg wird mit 7500 Euro versüßt.

Nisse Lüneburg profitiert vom Vorsprung vor dem Finaltag

„Das ist ganz komfortabel, wenn man die Pferde wechseln kann”, sagt der Chef des Magdalenenhofes in Wedel. Im Großen Preis der Volksbanken Raiffeisenbanken, der gleichzeitig die finale Runde der Riders Tour ist, kommt sein Spitzenpferd Luca Toni zum Einsatz. Nisse Lüneburgs Position wird verstärkt durch den Vorsprung aus den anderen fünf Etappen, von denen er zwei gewonnen hat. „Du musst eigentlich vom Pferd fallen, um letztendlich nicht Bester zu sein“, witzelt Cheforganisator Paul Schockemöhle, der seinen Reiter Patrick Stühlmeyer in den Wettkampf schickt.

Der international gefragte Parcourschef Frank Rothenberger aus Herford hat nun bis zu 1,60 Meter hohe Hindernisse aufgebaut; darunter eine vierfache Springreihe, die trickreich und sporttechnisch sehr anspruchsvoll ist. An den Banden rechts und links etwa stehen zwei- und dreifache Kombinationen, die für das Publikum fast zum Greifen nahe sind. Wenn nun ein Zuschauer aus den ersten Reihen an diesen Sprüngen unbedarft aufsteht und ein Pferd einen leichten ausweichenden Schlenker macht, fallen die Stangen. Da muss das Fachpublikum mitdenken und sich entsprechend umsichtig verhalten.

An einem Steilsprung trennt sich die Spreu vom Weizen

Die Spannung ist zu spüren, in der ausverkauften Holstenhalle herrscht Stille. An einem Steilsprung ist die Fehlerquote besonders hoch. „Dieses Hindernis steht leicht gedreht, und da darf nicht an einem Galoppsprung gespart werden“, erklärt Paul Schockemöhle, der den Parcours mit seinen Reitern abgegangen ist.

In dieser anspruchsvollen Runde sind 40 Reiter angetreten, dort scheitern unter anderen der zweifache Derbysieger Carsten-Otto Nagel, Chefbereiter des Stalls Moorhof in Wedel, mit seinen elf Jahre alten Holsteiner Schimmelstute L’Esperance, der Olympische Reiter Rolf-Göran Bengtsson aus Oelixdorf bei Itzehoe mit dem Schimmelhengst Emir R (11); Casandra Orschel aus Friedrichshulde gibt mit der neunjährigen Holsteiner Stute Dacara E auf. Nisse Lüneburg behält die Nerven und schafft es mit acht weiteren der 40 Starter ins Stechen. Dort wächst der Druck noch einmal.

Sechs der acht Konkurrenten absolvieren den Parcours ohne Fehler; der Hetlinger geht als Letzter an den Start. In 33,70 Sekunden jagen er und Wallach Luca Toni durch den Kurzparcours. Ausgerechnet am letzten Sprung fallen die Stangen. Auch Felix Hassmann aus Lienen kassiert vier Fehlerpunkte, ist aber mit Captain America zwei Hundertstel Sekunden schneller – nicht mal ein Wimpernschlag. Deshalb kommt Nisse Lüneburg auf den letzten Platz, der dann doch für den Gesamtsieg der Riders Tour reicht. „Damit bin ich absolut zufrieden.“

Bei der Siegerehrung geht es feuchtfröhlich zu

Die Siegeszeremonie hat ihre eigenen Regeln. Die drei Riders-Tour-Erstplatzierten Nisse Lüneburg, Mario Stevens und Patrick Stühlmeyer platzieren sich ohne ihre Pferde auf dem Treppchen. Die Hauptgewinne, drei Landrover im Gesamtwert von 200.000 Euro, rollen in die Arena. Wie Formel-1-Champs schütteln die Gold-, Silber- und Bronze-Gewinner die Magnum-Flaschen und bespritzen sich gegenseitig mit dem Champagner. Zum Prozedere gehört, dass die drei Sieger ihre Ehrenrunde mit den SUV drehen.

Pitschnass steigt Nisse Lüneburg in seinen 81.000 Euro teuren Hauptgewinn und gibt unter dem Jubel der Zuschauer Gas. Schade um die feine Lederausstattung. Der Fahrersitz ist nass, das nagelneue Auto riecht nach Alkohol. „Das hätte nicht sein müssen“, sagt der Weltklasse-Reiter. „Aber was soll’s.“ Eine Spaßbremse möchte er an so einem erfolgreichen Tag keinesfalls sein.

Zeit zum Feiern bleibt Nisse Lüneburg nicht. Noch am selben Abend fährt er zum Skifahren in die Schweiz.
Der nächste Adrenalin-Kick...