Pinneberg
Pferdesport

Polomission in Argentinien mit Tricks, Taktik und Strategie

Christopher Kirsch (r., 51) startet beim 126. Abierto Argentino Polo-Turnier in Buenos Aires. 

Christopher Kirsch (r., 51) startet beim 126. Abierto Argentino Polo-Turnier in Buenos Aires. 

Foto: Pablo Ramirez

Der deutsche Meister Christopher Kirsch spielt ein Turnier in Buenos Aires. Er nimmt Ideen mit nach Hause, im Juni wird auf Gut Aspern gespielt

Klein Offenseth.  Viel größer könnte der Kontrast kaum sein. Wolkenverhangener Himmel mit reichlich Regen und Temperaturen wenig über null Grad in Christopher Kirschs Heimatort, dem beschaulichen Klein Offenseth. Strahlender Sonnenschein und 37 Grad Hitze im quirligen Buenos Aires, als der vierfache Deutsche Polomeister seine Pferde in der argentinischen Hauptstadt für das 126. Abierto Argentino Polo-Turnier sattelt. Dort treffen 24 argentinische Sportler auf 24 Spieler aus Kolumbien, Brasilien, den USA, Singapur, Indien, Spanien, Italien, Frankreich, Holland und Deutschland. Unter ihnen sind vier Frauen; der jüngste Teilnehmer ist 20 Jahre alt, der älteste 70.

„Das Alter ist nicht ausschlaggebend, mit Erfahrung kann man viel wettmachen“, sagt der 51-jährige Kirsch. „Es ist ein strategischer Sport, nicht von ungefähr wird Polo ja auch als Schach zu Pferde bezeichnet. Dazu gehört das Feeling zu erkennen, was der Gegner als nächstes machen wird.“ Der Trick bei diesem Turnier: Die Spieler kennen einander nicht. „Das ist der Kick, wir sind vom Poloweltverband zusammengewürfelt worden“, sagt Kirsch.

Kirsch ist der einzige Deutsche im Teilnehmerfeld

Der einzige Deutsche unter den 48 Teilnehmern bildet mit einer Sportlerin aus Singapur und zwei Argentiniern ein Team. Die Pferde stellt der Poloweltverband zur Verfügung, Ross und Reiter kennen sich genauso wenig wie Spieler. „Sechs Pferde hatte ich fürs erste Spiel, die waren einfach zu händeln, aber nicht flott genug. Das war wohl ein Test, wie gut ich bin“, sagt Kirsch. „Ich komme mit hippeligen Pferden besser zurecht.“ Auch hier zählt die Erfahrung. „Bekommt ein Anfänger ein zu schnelles Pferd, geht das nach hinten los, und der Reiter fällt schneller herunter, als er gucken kann.“

Ausgetragen wird das Turnier im Polo Club La Ensenada. In Argentinien gehört Polo neben Fußball, Tennis und Rugby zu den beliebtesten Sportarten. Zu dem dreitägigen Wettkampf kommen täglich gut 20.000 Zuschauer, fast so viele wie zu St.-Pauli-Spielen am Millerntor. Ein Tribünenplatz beim Poloturnier ist bis zu 600 Euro teuer; Christopher Kirsch verlangt beim jährlichen Turnier auf seinem Gut Aspern in Klein Offenseth fünf Euro Eintritt: „Ich möchte dem Polosport das Elitäre nehmen.“

Das Turniergelände ist von Hochhäusern umringt

In Deutschland undenkbar: Der Poloclub La Ensenada liegt mitten in der Stadt, er ist umrahmt von Hochhäusern mit bis zu 30 Stockwerken; in unmittelbarer Nähe verläuft eine Autobahn mit jeweils acht Fahrstreifen gen Süden und Norden. Clubbesitzer ist der Milliardär Ernesto Gutierrez. „Er ist ein großer Bauunternehmer und Architekt, der im ganzen Land Flughäfen umbaut, modernisiert und erweitert“, sagt
Christopher Kirsch.

Drei Spiele hat der Klein Offensether mit seinem Team absolviert. „Im ersten Spiel haben wir verloren, im zweiten gewonnen, das dritte Spiel endete unentschieden.“ Das Ergebnis sieht der Top-Spieler gelassen. „Es sind ja Freundschaftsspiele. Und der gesamte Erlös kommt wohltätigen Zwecken zugute.“

Zudem hat Kirsch, der mit seiner argentinischen Frau Valeria (39) angereist ist, mehr auf dem Zettel, als Polo zu spielen. Da er sich im Land bestens auskennt und die Sprache perfekt beherrscht, hilft er Landsleuten, sich in dem südamerikanischen Land zurechtzufinden. „Und ich organisiere Spieler für die Saison 2020 der von mir veranstalteten German Polo Tour. Hinzu kommen Termine mit argentinischen und internationalen Sponsoren für diese Saison in Deutschland.“

Kirsch hält sich vor Ort fit und sucht gute Polopferde für Deutschland

Um fit zu bleiben, geht Kirsch in Buenos Aires wöchentlich dreimal ins Gym, zum Programm gehören auch vier Trainingsspiele pro Woche. In der Zwischenzeit sucht er nach Pferden für den Polosport in Deutschland. Kein einfaches Unterfangen: „Es ist schwierig, ein sehr gutes Pferd zu kaufen. Meistens wollen sich die Besitzer nicht von ihren Schätzen trennen. Aber ich bin am Ball.“