Tennis

Neben dem Büffeln fürs Abi, hinein ins Turnierfinale

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Luisa Heß (17) bereitet sich zurzeit intensiv auf das Abitur vor. Fürs Tennis hat sie den Kopf dennoch frei genug, um erfolgreich zu spielen.

Luisa Heß (17) bereitet sich zurzeit intensiv auf das Abitur vor. Fürs Tennis hat sie den Kopf dennoch frei genug, um erfolgreich zu spielen.

Foto: Ulrich Stückler

Beim 46. Ellerbeker Weihnachtsturnier erreicht die Pinnebergerin Luisa Heß das Damen-Endspiel. 249 Aktive hatten für acht Konkurrenzen gemeldet

Ellerbek. Tradition verpflichtet. So haben es sich Steffi Schoop und Jörg Hilpert nicht nehmen lassen, am Finaltag den Zuschauern in der Tennishalle am Rugenbergener Mühlenweg wie jedes Jahr Berliner und ein Gläschen Sekt zu servieren. Die rund 50 Tennisfans bekamen so am letzten Tag des Jahres gleich zweierlei Leckerbissen kredenzt, denn auch die Finalspiele des 46. Ellerbeker Weihnachtsturnier boten Tennis vom Feinsten.

Auch wenn die Teilnehmerzahlen nicht das Rekordniveau vergangener Jahre erreichten, war das Turnierleiter-Duo, das die Geschicke des größten norddeutschen Hallenturnieres seit 2012 leitet, zufrieden. „Wir haben unser Stammpublikum“, weiß Hilpert die Treue seiner Gäste zu schätzen. Wieder waren viele Aktive aus der Hauptstadt angereist, die die familiäre Atmosphäre in Ellerbek zu schätzen wissen.

„Unser ganzer Verein identifiziert sich mit dem Turnier. Wir haben 30 Helfer im Alter von 13 bis 78 Jahren, die in den Hallen vier Tage lang die Turnierleitungen stellen“, lobt Hilpert die große Bereitschaft zur Mithilfe. „Und das Dach in der gerade erst wieder in Betrieb genommenen Ellerbeker Halle hat auch gehalten“, konnte Hilpert nach den vier Turniertagen Entwarnung geben.

Rund 150 Meldungen waren für das Jugendturnier eingegangen, davon jedoch nur 50 Mädchen in drei Konkurrenzen. Hinzu kamen 99 Anmeldungen für das Preisgeldturnier der Damen und Herren gesponsert von TEAMMAKLER. Firmenchefin Christin Larisch ließ es sich nicht nehmen, die Turnierleitung zu unterstützen und übernahm die Siegerehrung.

Das Damenfeld mischte eine junge Pinnebergerin kräftig auf. Luisa Heß (17), die für das Nordliga-Team des Rahlstedter THC antritt, kämpfte sich ungesetzt bis ins Finale, wo sie auf Topfavoritin Kim Auerswald (TC an der Schirnau) traf. Während Auerswald in der Damen-Rangliste des DTB auf Platz 165 geführt wird, Heß aktuell auf Platz 474. Tendenz steigend für die zweifache Hamburger Jugendmeisterin, die im Vorschulalter beim TC Prisdorf begann.

Tennis liegt Luisa, deren Vater aus Schweden stammt, im Blut. Papa Daniel brachte es in seiner Karriere bis zum Zweitligaspieler. Heute ist er Coach für seine Tochter. „Wir sind ein unzertrennliches Team“, lobt die Tochter ihren „Privat-Trainer“, der es versteht, das Training so zu dosieren, dass die Tochter die Lust nicht verliert. Früh erkannte er ihre Begabung und förderte sie intensiv. Sechs Stunden Tennistraining wöchentlich und regelmäßige Besuche im Fitnessstudio haben Luisa Heß zu einer vielseitigen Athletin gemacht.

Die Schülerin am Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasiums (Sportprofil) steckt mitten in den Abitur-Prüfungen. Das erfolgreiche Turnier kam überraschend: „Im Moment ist Schule wichtiger. Wo sportlich die Reise hingeht, werde ich nach dem Abi schauen. Ich will immer besser werden, aber ob es in Richtung Profitennis geht, weiß ich nicht. Ein Leben ohne Tennis kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht studiere ich Sportmanagement oder Psychologie“, setzt sich der der Youngster auch Ziele neben dem Sport.

Im Halbfinale warf Heß die an Position zwei gesetzte Anna Bögner (TTK Sachsenwald), Platz 168 der DTB-Rangliste, aus dem Wettbewerb. Nach 4:6 im ersten Durchgang drehte sie die Partie, kämpfte sich mit 6:2 zum Satzausgleich und bewies im Match-Tiebreak beim 10:5 Nervenstärke. Im Endspiel reichte es nicht zum ganz großen Coup. Kim Auerswald, die für den Rahlstedter Liga-Rivalen TC an der Schirnau aufschlägt, war beim 6:1, 6:3 zu stark. „Sie hat sehr schnell gespielt. Das Match war enger, als es das Ergebnis vermuten lässt, aber ich habe meine Spielbälle nicht genutzt“, ärgerte sich Luisa ein wenig. Ihre Miene hellte sich schon bei der Siegerehrung wieder auf. 150 Euro Preisgeld als verspätetes Weihnachtsgeschenk waren ein schönes Trostpflaster. Und natürlich stand am Abend eine Silvester-Party auf dem Programm. „Aber ohne Alkohol und ganz entspannt“, so die eigene Vorgabe. Dank ihrer Platzierung in Ellerbek dürften die Damen-Finalistinnen die Teilnahme am Masters der Turnierserie Nord-Ost, zu der das Ellerbeker Tennismeeting im zweiten Jahr gehört, sicher haben.

Bei den Herren waren 64 Aktive am Start. Lokalmatador Ferdinand Schlüter (TSC Halstenbek) verpasste den Halb­final-Einzug knapp. Der Schüler von Erfolgstrainer Björn Meinecke unterlag dem Chilenen Alonso Renard (TV Frohnau Berlin) erst im Match-Tiebreak mit 7:6, 6:7, 4:10. Ansehnliche Leistungen trotz frühen Ausscheidens boten auch die Nachwuchstalente Rasmus Becker (TSV Holm), Linus Bense (TC Prisdorf) und Florian Schiller (LTC Elmshorn).

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