Pinneberg
Gerätturnen

Blau-Weiß-Turnerinnen wagen den etwas anderen Spagat

Benita Bolick (19, oben) und Selina Rapp (20, Blau-Weiß 96) versuchen den Balanceakt zwischen Ausbildung, Studium und Leistungsturnen auf hohem Niveau.

Benita Bolick (19, oben) und Selina Rapp (20, Blau-Weiß 96) versuchen den Balanceakt zwischen Ausbildung, Studium und Leistungsturnen auf hohem Niveau.

Foto: Thomas Maibom

Turn-Duo ist eine wichtige Stütze der Schenefelder Leistungsturnriegen. Das alles neben einer zeitaufwendigen dualen Berufsausbildung

Schenefeld.  Ein Spagat ist für Turnerinnen nichts besonderes. Doch der Spagat, den Benita Bolick und Selina Rapp von Blau-Weiß 96 Schenefeld wagen, hat es in sich. Die beiden Turnerinnen versuchen Ausbildung und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen. Die 19-jährige Benita Bolick betreibt ein Duales Studium in der Pflege.

„Das ist schon härter als Schule“, gesteht sie. Dabei hat der härteste Teil ihrer Ausbildung noch gar nicht angefangen. „Im Januar kommt neben Uni und praktischer Ausbildung Schichtarbeit hinzu.“ In wieweit sie dann noch Turnen und Ausbildung unter einen Hut bekommt, ist offen. „Aber ich habe dann ja auch Frühschicht. Dann sollte es mit dem Training klappen“, hofft Benita Bolick.

Ihren wöchentlichen Trainingsumfang hat sie schon reduziert. Nur noch zweimal statt der üblichen dreimal pro Woche geht sie in die Sporthalle zum Trainieren. „Immer noch mehr als vor dem Abitur“, sagt die 19-Jährige lachend. „Ich muss mal gucken, ob ich das alles schaffe. Ich würde jedenfalls gerne weiter turnen“, schaut Benita Bolick in die Zukunft.

Auch Selina Rapp steht in einem dualen Studium. An der Nordakademie in Elmshorn ist sie als BWL-Studentin eingeschrieben. Derzeit arbeitet sie in ihrem praktischen Teil des Studiums bei der Firma Autoflug in Rellingen. „Das ist etwas ganz anderes als Schule. Die Arbeit raubt viel Energie“, hat Selina nach den ersten Wochen festgestellt.

Trotz Uni und Arbeit: Zweimal pro Woche gehts zum Training

Trotzdem geht die Schenefelderin zweimal pro Woche zum Turntraining. „Ich versuche jedes Mal, alle meine Elemente zu turnen. Auch die Sachen, die mich echt Überwindung kosten“, sagt die 20-Jährige. Meistens klappt das auch ziemlich gut. Aber manchmal braucht es eine kleine Motivationshilfe vom Trainer.

Selina Rapp will ebenfalls trotz der höheren Belastung weiter turnen. „Ich kann mir nicht vorstellen, komplett mit diesem Sport aufzuhören“, sagt die Schenefelderin. Sie muss in Zukunft aber nicht in der Oberliga turnen. „Ich würde gerne für ein Team starten, dem ich mit meiner Leistung weiter helfen kann. Gerne auch mit Benita zusammen. Wir hätten sicher viel Spaß“, sagt Selina Rapp.

Beide sind in den Leistungsturnriegen von Blau-Weiß 96 Schenefeld aktiv. Selina Rapp gehört zum Oberliga-Kader, der sich anschickt am Wochenende Schleswig-Holsteiner Meister zu werden. Benita gehört eigentlich auch zu diesem Team, turnt diese Saison aber in der Zweiten in der Landesliga. „Ich war im Frühjahr nicht dabei, als es um die Vergabe der Oberliga-Riegenplätze ging. Das bedeutet aber nicht, dass ich bisher weniger trainiere als die Mädchen aus dem Oberliga-Team“, sagt Benita Bolick.

Gelingt in der Turn-Oberliga die Wachablösung?

Am Wochenende steht noch einmal das Turnen im Mittelpunkt. Beim Wedeler TSV findet der Abschluss der Ligawettkämpfe statt. An diesem Sonnabend sind Oberliga und Landesliga gefordert, am Sonntag, ebenfalls ab 10 Uhr, Verbandsliga und Bezirksliga.

Danach geht es in die wohl verdiente Winterpause. In der Oberliga können Blau-Weiß 96 Schenefeld und VfL Pinneberg für eine Wachablösung sorgen. Der Serienmeister der letzten Jahre, der 1. SC Norderstedt, musste mitten in der Saison einen personellen Umbruch verkraften, kann aus eigener Kraft nicht mehr Meister werden. Die besten Karten im Titelkampf haben die Schenefelderinnen, die bei 15 Ligapunkten drei Zähler mehr auf dem Konto haben als SCN und VfL Pinneberg.

Auch in der Landesliga ist es spannend. Hier führt, ebenfalls mit drei Punkten Vorsprung, der Wedeler TSV die Liga an. Ein dritter Platz würde dafür ausreichen, dass die Gastgeberinnen zum dritten Male in Folge aufsteigen.

„Sollte das am Wochenende mit der Meisterschaft klappen und wird unsere Schenefelder Riege Anfang Dezember LK1-Landesmeister, dann hätte ich alles im Turnen erreicht, was ich in Schenefeld erreichen kann“, schaut Selina Rapp voraus. Einen besseren Übergang vom Leistungsturnen ins Berufsleben kann es kaum geben.