Pinneberg
Handball

TSV Ellerbek punktet nach dramatischer Aufholjagd

Yannick Giles (drei Tore) zeigt gegen die Flensburger Mads Zinndorf (Nr. 7) und Tjark Desler, wie sehr die Ellerbeker diesen Punkt wollten.

Yannick Giles (drei Tore) zeigt gegen die Flensburger Mads Zinndorf (Nr. 7) und Tjark Desler, wie sehr die Ellerbeker diesen Punkt wollten.

Foto: Ulrich Stückler

Oberliga-Männer liegen gegen den DHK Flensborg schon mit 13:20 zurück. Das erfolgreiche Comeback zum 25:25 wird wie ein Sieg gefeiert

Ellerbek.  Solche Szenen sieht man beim Handball auch nicht alle Tage. Das Gastgeberteam spielt „nur“ unentschieden 25:25, nachdem bereits zur 20. Minute eine 11:8-Führung zu Buche stand und die Hausherren auch noch mit einem 25:24-Vorsprung in die letzte Minute gegangen sind – und doch feiern sich die Aktiven und das Betreuerteam nach der Schlusssirene im Jubelkreis, als hätten sie einen großartigen Sieg errungen.

Nach 38 Minuten scheint ein Punktgewinn unerreichbar

Kein Wunder – als genau einen solchen Triumph empfinden die Oberliga-Männer des TSV Ellerbek die dramatische Punkteteilung gegen den DHK Flensborg in ihrer heimischen Harbig-Halle. Der Grund ist offenkundig, wenn zwei weitere Zwischenstände für die Spielzusammenfassung herangezogen werden: Denn zur Pause bereits musste das Team von TSV-Trainer Nico Kibat einem 11:15-Rückstand hinterherlaufen und lag nur acht Minuten nach Wiederanpfiff sogar schier aussichtslos mit 13:20 zurück. Scheinbar aussichtslos.

„Unser Team hat an sich geglaubt, das hat jeder sehen können“, sagte Nico Kibat mit einigen Minuten Abstand zu diesem nervenaufreibenden Comeback. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass man nach einem Spiel als Trainer so fertig sein kann.“ Dass der Coach im Erschöpfungsgrad seinen Spielern nacheiferte, liegt aber nicht nur im Spielverlauf begründet; einigen Stress hat sich Kibat nämlich bewusst selber verschafft, um eben dem Spitzenteam von der Förde, das zuvor nie weniger als 33 Tore pro Partie erzielt hatte, vielleicht doch ein Bein stellen zu können.

Ellerbek hat sich eine variantenreiche Strategie zurechtgelegt

„Genau genommen sind wir mit drei Abwehr- und zwei Angriffssystemen in diese Partie gegangen“, sagte Kibat. „Bekannt sind wir bislang in der Liga für eine 6:0-Abwehr, nun gegen DHK hatten wir erstmals auch eine 3:2:1-Formation im Repertoire. Das Überraschungs­moment hat uns hier schon geholfen, in der zweiten Halbzeit haben wir größtenteils mit dieser Variante verteidigt.“

Aber eben nicht nur in der Defensive haben die Ellerbeker „aufgerüstet“. Auch für den eigenen Ballbesitz hatten sich die Gastgeber eine vielfältige Marschroute zurechtgelegt. Kibat: „Wir verfügen über individuelle Strategien für fast jede Spielkonstellation. Bei sechs gegen fünf steht zum Beispiel eine andere Formation auf dem Feld als bei sechs gegen sechs“, sagte Kibat. „Diese Spielweise haben wir im Pokalspiel gegen Croatia geübt. Die bringt aber auch mit sich, dass auf der Bank viel Unruhe herrscht.“

Damit nicht genug, suchten die Hausherren oft ihr Heil im Überzahlspiel sieben gegen sechs. Ein Rezept, das bis zur 20. Minute aufging. „So lange haben wir benötigt, um zu kapieren, was Ellerbek da spielt“, sagte DHK-Coach Jens Häusler, Handballfans der Region unter anderem als Bundesligatrainer beim HSV Hamburg (2012-2017) ein Begriff. „Dann haben wir bis zur Pause und zehn Minuten nach Wiederanpfiff die Partie bestimmt – nur um dann das Mannschaftsspiel komplett einzustellen.“

Doch von einem hergeschenkten Sieg der Gäste will Nico Kibat nichts wissen. „Unser Team hat nicht aufgegeben, als wir mit sieben Toren hinten lagen. Die Jungs haben an unser Konzept geglaubt und wollten das durchziehen.“ Haben sie. Glück spielte aber auch hinein, als drei Wurfversuche in Folge aufs leere TSV-Tor daneben gingen.

Doch wenn der an diesem Tag bärenstarke Luis Skroce in seinem Kasten stand, war das in Verbindung mit der aufopferungsvollen Abwehr, in der sich Olaf-Mark Levin ein Sonderlob verdiente, der Rückhalt, den der TSV Ellerbek zum gelungenen Comeback benötigte.