Pinneberg
Volleyball

Ungeschlagen: VG Elmshorn gewinnt auch Fünf-Satz-Krimi

Berit Jensen nutzt die Lücke im Parchimer Block und versenkt den Ball für einen ihrer vielen direkten Punkte beim 3:2-Sieg der VGE. 

Berit Jensen nutzt die Lücke im Parchimer Block und versenkt den Ball für einen ihrer vielen direkten Punkte beim 3:2-Sieg der VGE. 

Foto: Ulrich Stückler

Regionalliga-Frauenteam besiegt Ligaprimus 1. VC Parchim in eigener Halle mit 3:2. Im Entscheidungssatz wird Silvia Boyens (54) zum „Joker“

Elmshorn.  Schon vor dem ersten Ballwechsel in der Boje-C.-Steffen Halle am Koppeldamm hatten die Zeichen für die Regionalliga-Volleyballerinnen der VG Elmshorn auf Sieg gestanden. Grund: Nur wenige Stunden vor dem Spitzenspiel der Nordstaffel gegen den Ligaprimus 1. VC Parchim hatte bereits eine Spielerin aus dem Team von VGE-Trainer Michael Behrmann reichlich Grund zu feiern.

Außenangreiferin Anne Schmitt, die erst zu dieser Spielzeit von der VG WiWa Hamburg nach Elmshorn wechselte, hatte am Vormittag mit der deutschen Polizei-Nationalmannschaft den dritten Platz bei der Europameisterschaft der Ordnungshüter in Tschechien belegt. Im „kleinen Finale“ besiegte die 34-Jährige mit der deutschen Auswahl Griechenland glatt mit 3:0.

In der Vorschlussrunde hatte es ein dramatisches 2:3 gegen Russland gegeben. Für das Halbfinal-Aus erhielt Schmitt aber noch ein individuelles Trostpflaster: Im Anschluss ans Turnier wurde sie zur wertvollsten Spielerin (MVP) dieser Europameisterschaften gewählt.

Die Wahl seiner „Most Valuable Playerin“ durch den Parchimer Gästetrainer konnte dann VGE-Coach Michael Behrmann nach dem hochspannenden 3:2 (19:25, 27:17, 15:25, 31:29, 15:12)-Sieg auch nicht unkommentiert lassen. Sein Kollege hatte sich für Außenangreiferin Katja Saß entschieden, die in der Schlussphase der Partie immer wieder Anspielstation für Zuspielerin Britta Schümann war und auch „ablieferte“.

„Dieser Sieg war aber ein klassisches Beispiel für eine großartige Teamleistung. Wirklich jede Spielerin hatte ihre Momente, die für unseren Erfolg letztlich ausschlaggebend waren“, sagte Michael Behrmann. „Und so war zum Beispiel Katja in den letzten beiden Sätze zwar ganz die Alte, so wie wir sie kennen.
Aber in den Sätzen zuvor hatte ich Berit Jensen als unsere ,MVP‘ gesehen.“

Letztlich mochte der Trainer am liebsten keine Spielerin herausheben. Waren doch im 34 Minuten dauernden vierten Satz, den die Elmshornerinnen erst nach drei Matchbällen für die Gäste noch zu ihren Gunsten entschieden, jede gelungene Abwehr, jeder vom Linoleum „gekratzte“ Ball, jede für die Gäste schwer anzunehmende Angabe und jeder im Parchimer Feld versenkte Ball ein wichtiger Baustein zum Sieg.

Und dann war da ja auch noch der nicht eingeplante „Joker“ Silvia Boyens. Die routinierte Mittelblockerin wäre bei normaler Spieldauer für die mit insgesamt nur neun Spielerinnen aufgelaufenen Elmshornerinnen vermutlich nicht zum Einsatz gekommen. Doch die Urlaubsplanung von Team- und Positionskollegin Marie Hoffmann machte dem Coach einen Strich durch die Rechnung, seine designierte Top-Formation bis zum Schluss durchspielen zu lassen.

Der Flieger wartete auf Hoffmann. Nach dem umjubelten Gewinn des vierten Satzes eilte die 24-Jährige, die zu dieser Saison vom TuS Esingen nach Elmshorn wechselte, unter die Dusche. Als sie fertig umgezogen einmal noch kurz die Halle betrat, geschah dies genau rechtzeitig, um sich dem Jubel ihrer Teamkameradinnen anzuschließen – in deren Mitte: Silvia Boyens.

Als wäre sie schon die 105 Minuten zuvor voll in Aktion gewesen, hatte sich die 54-Jährige sofort perfekt eingefügt. „Ihre erste Aktion war gleich ein gelungenen Angriff durch die Mitte zum Punktgewinn“, sagte Behrmann. „Aber sie und unsere Zuspielerin Britta Schümann kennen sich ja schon ewig. ich glaube, diesen Angriff könnten die im Schlaf zeigen.“

Die so Gelobte freute sich merklich über den Spielverlauf und war dankbar, auf 35 Jahre Volleyballerfahrung zurückblicken zu können. „Ich bin ja eigentlich kalt in diesen fünften Satz gegangen, aber das Mitfiebern vorher und das Wissen, dass ich gleich ,reinkommen‘ muss, haben dann ganz gut geholfen.“

In das nächste Punktspiel am kommenden Sonnabend (16 Uhr, Bundes­straße 96) beim zweiten Team des Eimsbütteler TV geht Coach Behrmann optimistisch, trotz einiger verletzter Spielerinnen (Anja Svensson und Lara Gonzales fehlen mit lädierten Schultern). Schließlich steht ihm dann ja auch wieder eine frischgebackene Europameisterin zur Verfügung.