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Der Tag an dem Pinneberg Rafael van der Vaart begrüßte

So jung sah Rafael van der Vaart im Jahr 2005 aus, als er den HSV-Fans im Juli vorgestellt wurde und beim Testspiel in Pinneberg debütierte.

So jung sah Rafael van der Vaart im Jahr 2005 aus, als er den HSV-Fans im Juli vorgestellt wurde und beim Testspiel in Pinneberg debütierte.

Foto: dpa

Vor 14 Jahren bestritt das HSV-Idol sein erstes Spiel mit der Raute – in Pinneberg. Sonntag beendet er in Hamburg seine Karriere. Eine Erinnerung

Pinneberg. Ein Tag im Juli 2005. Tausende lenken ihre Schritte zum Stadion am Fahlt. Viele kommen per Bahn aus Hamburg. Nach Pinneberg. Der HSV ist zu Gast. Testspiele des Bundesligisten gegen den VfL sind seinerzeit nicht ungewöhnlich, die Bande zwischen den Vereinen dank eines Sponsors eng. Niemand ahnt, dass der Tag Beginn einer großen Liebe werden soll. Zum ersten Mal läuft Rafael van der Vaart im Trikot mit der Raute auf der Brust ein. Eines der größten Talente, die Ajax Amsterdam je formte. Einer, den Experten längst in Barcelona oder bei Real Madrid gewähnt hatten. Stattdessen Pinneberg im Juli. Anstoß.

Was in den Monaten darauf folgen wird, wagen in Pinnebergs kleinem Stadion 1 an diesem Sommertag wohl nicht mal die kühnsten Optimisten zu erhoffen. Ein Jahr mit zwei Siegen gegen Bayern München. Ein Jahr mit der reellen Chance, Deutscher Meister zu werden. Ein Jahr mit dem „kleinen Engel“, der den viele Jahre geschundenen Club, der seit 1987 auf Titel wartet, wieder dauerhaft an die Spitze bringen kann, so scheint es. Ein Jahr wie ein Versprechen.

Schnell beherrscht van der Vaart, der seine hübsche Frau Sylvie mit nach Hamburg bringt, die Boulevardpresse. Er spielt mit der Öffentlichkeit wie mit dem runden Leder. Und was kann der Kerl verschmitzt lächeln. Als führte er ständig was im Schilde. Rafael nennt ihn schnell niemand mehr in und um Hamburg. Kosenamen müssen her.

Für mich wird er zum „Raffi“. Und das steht für Hoffnung. Für Erfolge. Für Glück – ein recht kurzes, zugegeben. In die Champions League schießt er den Verein. Dort macht er dann ein Traumtor gegen das große Arsenal. Wedelt später mit einem Trikot von Valencia vor einer Kamera. Wird dafür im nächsten Spiel ausgepfiffen, schießt als Antwort das entscheidende Tor. Eine von vielen verrückten Geschichten. 2008 darf er endlich doch zu Real nach Madrid. Wo er natürlich nicht glücklich wird.

Irgendwann ist er wieder da. Mit ihm die Hoffnung. Auf Erfolge. Auf Glück. Gewonnen hat „Raffi“ mit dem HSV eigentlich gar nichts. Für einen wie ihn dürfen UI-Cups nicht zählen. Aber er hat Glanz gebracht. Und Momente, die niemand vergessen wird. Auch ungewollt. Wie die Relegation gegen Karlsruhe, als er den vielleicht wichtigsten Freistoß der Vereinsgeschichte schießen will. Und nicht darf, weil einer meint: „Tomorrow, my friend.“ Ominöse Geschehnisse der Silvesternacht 2012 lassen wir mal beiseite.

Am Sonntag sagt Rafael van der Vaart Tschüs. In Hamburg, nicht Amsterdam oder Madrid. Diesmal steigen Pinneberger in die Bahn, um ihn zu sehen. Ein letztes Mal. Und sich erinnern, wie alles begann. Damals, am 6. Juli 2005. An der Fahltsweide...