Pinneberg
Pferdesport

Der Weg nach Frankfurt führt über Schenefeld

Emma Kanerva (36, Elbdörfer und Schenefelder RV) auf dem Fuchs Greek Air (7) von Züchter Gerd Küst (66).

Emma Kanerva (36, Elbdörfer und Schenefelder RV) auf dem Fuchs Greek Air (7) von Züchter Gerd Küst (66).

Foto: Melanie Mallon

Die aus Finnland stammende Dressurreiterin Emma Kanerva kämpft beim Herbstturnier um das Ticket für den Nürnberger Burg-Pokal

Schenefeld.  Der Andrang ist groß beim Schaulaufen im Dressursport für Nachwuchspferde, denn es ist die elfte und vorletzte Gelegenheit, eine Eintrittskarte für den Kampf um den Nürnberger Burg-Pokal zu ergattern. Die Qualifikationsrunde ist die wichtigste der 32 Prüfungen beim Herbstturnier des Elbdörfer und Schenefelder Reitvereins. Nur wer hier gewinnt, darf im Dezember in Frankfurt gegen die Besten der zwölf vorausgegangenen deutschlandweiten Turniere im Wettstreit um die begehrte Trophäe mitmischen. Eine, die unbedingt dabei sein will, ist Emma Kanerva: die 36-jährige gebürtige Finnin startet für den Elbdörfer und Schenefelder Reitverein.

Sich mit den Besten zu messen kennt Kanerva. „Wer reiten will, ist rund um Hamburg mit der Vielzahl von Turnieren und Ausbildungsmöglichkeiten besser als in Finnland aufgestellt“, sagt Kanerva, deren Heimatstadt Mikkelin rund 250 Kilometer nordöstlich von Helsinki liegt. Die hellblonde, zierliche Amazone ist eine sehr ehrgeizige Dressurreiterin, die inzwischen perfekt Deutsch spricht. Seit zwölf Jahren bastelt und feilt Kanerva an ihrer Karriere.

Das Herbstturnier ist das Tor zum Nürnberger Burg-Pokal

Beim Herbstturnier haben nur sieben bis neun Jahre alte Pferde und deren Reiterinnen die Chance, sich ein Ticket für den Nürnberger Burg-Pokal zu sichern. Den zu gewinnen, das ist in der Dressur so prestigeträchtig und karrierefördernd wie im Springsport das Derby in Klein Flottbek. „Die Prüfung ist ein Anziehungspunkt für viele Pferdefans“, sagt Turnierveranstalter Jürgen Böckmann. „Hier zeigen erstklassige Reiter ihr Können.“

24 Reitsportler haben die erste Qualifikationsrunde in Schenefeld in Angriff genommen, die zwölf Besten sind hier ins Finale gelangt. Emma Kanerva ist eine von ihnen. Sie tritt mit Greek Air an; einem von Gerd Küst gezüchteten Fuchs.

Der Pinneberger Züchter freut sich, Greek Air in der Prüfung wiederzusehen. „Da schwingt auch Züchterstolz mit, es macht einfach viel Spaß und Freude, die eigenen Pferde im Sport zu beobachten“, sagt der 66-Jährige. Doch Greek Air patzt. „Er ist heute einfach nicht bei der Sache“, sagt Emma Kanerva und sattelt auf ihren Holsteiner Wallach Aperol um. Mit ihm erreicht sie immerhin Platz fünf.

Olympiastarterin Schneider wertet die Qualifikation auf

Eine der Konkurrentinnen der Finnin ist die Olympische Reiterin Dorothee Schneider. Die 49-Jährige ist mit zwei Nachwuchspferden fast 600 Kilometer weit aus dem rheinland-westfälischen Framersheim angereist; sie gilt als Favoritin. Doch auch bei der Weltklasse­reiterin läuft nicht alles rund; wegen vieler kleiner Fehlern landet sie mit ihrer Stute Lionella vom Rosencarree auf dem vierten Platz.

Schneiders zweiter Trumpf ist der acht Jahre alte schwarze Hengst Smir- noff. Mit seinen 1,80 Metern ist der elegante Hengst neben Scheider sehr groß. Ohne Aufstiegshilfe ist der Sattel unerreichbar. Das Paar kommt auf Platz zwei, muss den Sieg Susan Pape (52) aus Hemmoor in Niedersachsen mit dem dunkelbraunen Hengst Harmony’s Eclectisch überlassen.

Pape erzielte 73,765 Prozent, ein satter Vorsprung von mehr als zwei Prozentpunkten gegenüber Dorothee Schneider, der Mannschafts-Goldmedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele von 2016 in Rio de Janeiro. „Mit dem zweiten Platz bin ich zufrieden, die Prüfung umfasst 23 Lektionen – da kann immer etwas schieflaufen“, sagt Schneider. „Im nächsten Jahr haben wir noch eine Chance, uns zu qualifizieren. Es wäre dann für mich die zwölfte Teilnahme beim Nürnberger Burg-Pokal“, sagt Schneider. „Grundsätzlich gibt es in der Dressur immer was zu verbessern.“

Zur Vorbereitung geht es in die Heimat nach Finnland

So sieht das auch Emma Kanerva. Deshalb geht es in drei Tagen zur International Horse Show nach Helsinki. „Endlich mal wieder in meiner Heimat reiten, Familie und Freunde sehen,“ sagt die Berufsreiterin. Für ihren zwölf Jahre alten, dunkelbraunen Hannoveraner Wallach Dambacu wird die Futterration exakt berechnet, Decken sowie das Outfit für Menschen und Tier müssen verstaut werden. „Das fühlt sich wie ein kleiner Umzug an“, sagt Kanerva. „Die Reise ist mit dem Pferdetransporter kein Klacks, 30 Stunden sind für 1500 Kilometer eingeplant“, sagt die Finnin.

Ein Zwischenstopp ist in Schweden vorgesehen, bevor es auf die Fähre geht. Auf dem Schiff nach Finnland steht Dambacu erfahrungsgemäß ruhiger als wenn er im Tranporter auf Straßen unterwegs ist. „Dichter Verkehr, ständiges Anfahren und Bremsen stressen meine Pferde mehr. Jedes Mal müssen sie sich neu ausbalancieren“, erklärt Kanerva. An Bord darf niemand bei Dambacu im Lkw bleiben, allerdings gibt es immer freien Zugang, um die Grundversorgung mit Wasser und Futter zu sichern. „Zwar vibriert das ganze Schiff, und das überträgt sich auf den Transporter, wichtig ist, dass wir wenig Wellengang haben“, sagt Kanerva. „Mal sehen, wie es in Helsinki läuft. Beim nächsten großen Turnier meines Elbdörfer und Schenefelder Reitvereins bin ich auf jeden Fall wieder dabei.“

Ergebnisse: www.fn-erfolgsdaten.de oder www.helsinkihorseshow.fi