Pinneberg
Rollkunstlauf

Durch viel Fleiß geht es zu den deutschen Meisterschaften

Lisa Dumke ist norddeutsche Vizemeisterin im Rollkunstlauf

Lisa Dumke ist norddeutsche Vizemeisterin im Rollkunstlauf

Titelkämpfe an diesem Wochenende. Auch Lisa Dumke vom Wedeler TSV präsentiert ihre Kür. Mit nur drei Jahren begann sie diesen Sport

Wedel.  Viele Kinder – vornehmlich Mädchen – beginnen mit dem Rollkunstlauf, weil sie die Glitzerkleidchen und die grazilen Bewegungen auf Rollschuhen toll finden. Doch die wenigsten bleiben dieser Sportart über viele Jahre hinweg erhalten. „Man muss schon ehrgeizig sein. Es dauert, bis man zum Beispiel einen Sprung richtig draufhat“, sagt Lisa Dumke, die in gut eineinhalb Wochen ihren 18. Geburtstag feiert.

Die Läuferin des Wedeler TSV begann – ihre Schwester Friederike und Bruder Jan-Ole waren damals bereits aktiv – im Alter von nur drei Jahren unter Trainer Detlef Stubbemann (58). Der coacht noch heute die 30 aktiven Sportlerinnen. Lisa Dumke rollt somit schon über 14 Jahre hierzulande mit ihrem Sport, der quasi dem Eiskunstlauf ohne Eis entspricht, durch die Hallen, um die Jury mit ihrem Auftritt zu beeindrucken.

Seit gut sechs Jahren ist die Hamburgerin zusätzlich als Balletttänzerin aktiv. Ebenfalls ein Sport, bei dem ein Höchstmaß an Disziplin nötig ist, um Ausdruck und Körperspannung zu optimieren. „Ich bin schon perfektionistisch veranlagt. Das kann man so sagen“, sagt Dumke, die in Hamburg-Iserbrook wohnt. Zuletzt wurde sie norddeutsche Vizemeisterin. „Siegerin Nina Webels ist im Bundeskader, ich im Landeskader. Das ist schon schwer sie zu besiegen. Platz zwei kam relativ überraschend. Aber zu verbessern gibt es immer etwas, komplett zufrieden ist man quasi nie“, erklärt Dumke, die nach dem Abitur am Johann-Rist-Gymnasium (Profil Geschichte, Notenschnitt 1,5) ein Jura-Studium aufnehmen möchte. Nun startet sie bei den heute beginnenden deutschen Meisterschaften im Kürlaufen.

Platz fünf ist das Ziel bei den deutschen Meisterschaften

Acht Teilnehmerinnen treten in Bremerhaven bei den Junioren-Damen (Altersklasse 1999 und 2000) an. „Platz fünf ist schon realistisch“, schätzt Trainer Detlef Stubbemann die Lage ein. Diese Prognose deckt sich auch mit Dumkes Einschätzung. Stubbemann selbst war früher ebenfalls aktiver Läufer und hat sich mittlerweile einen über 51 Jahren angewachsenen Erfahrungsschatz aufgebaut.

Heute Nachmittag tritt Dumke, die im Vorjahr bei ihrer bislang neunten DM-Teilnahme Vierte wurde, mit ihrer Kurzkür an (zweieinhalb Minuten mit indischer Bollywood-Musik). Am Sonnabend folgt ihre Kür (viereinhalb Minuten zur Filmmusik aus Sherlock Holmes). Den Großteil hat sie selbst choreografiert, Coach Stubbemann hat bei Problemen geholfen. Das Turnier-Outfit schneidert Mutter Birgit, für die Trainingskleidung setzt sich die Sportlerin auch selbst an die Nähmaschine.

Und Rollkunstläufer, bei denen Schrittfolgen, Sprünge, Pirouetten und Co sitzen sollen, trainieren viel. Dumke ist im Winter viermal pro Woche in der Halle, in der Vorbereitung auf große Wettkämpfe sind es teilweise auch fünf Einheiten, die bis zu drei Stunden dauern. „Mein Lieblingssprung ist der Doppel-Lutz“, sagt die einzige DM-Teilnehmerin des Wedeler TSV.

Bei diesem rückwärts angerollten Sprung drückt man sich meist mit dem linken Fuß ab, dreht sich zweimal um die eigene Achse und landet auf dem rechten Fuß. Auch die Rückwärtshacke mit Pirouette, bei der die Rollkunstläuferin entgegen der normalen Laufrichtung in der Hocke den vorderen Rollschuh nur auf den hinteren beiden Rollen von sich streckt und die Figur schließlich mit schnellen Drehungen komplett mit Bodenhaftung beendet, macht Dumke gern.

„Dieser Sport hat viel mit mentalen Dingen zu tun. Man muss sich überwinden, das auszuprobieren“, erklärt Dumke. Über Trockenübungen ohne Rollschuhe wird sich Stück für Stück der endgültigen Ausführung angenähert. Mehr als eine Bänderdehnung oder diverse blaue Flecken nach Stürzen hat Dumke sich bisher noch nicht zugezogen.

Sie hofft, durch eine gute Platzierung bei der DM in den Niederlanden im September beim Interland-Cup starten zu dürfen. 2017 nahm sie bereits an dieser Turnierserie in Mouvaux als DM-Vierte teil. Circa acht Wettkämpfe bestreitet Dumke im Jahr, mit dem Elbepokal des Wedeler TSV am 27. und 28. Oktober endet die Rollkunstlauf-Saison. „Dieses Jahr mit dem Abitur und dem ganzen Training war schon stressig“, gibt die Hamburgerin zu. Aber mit viel Disziplin hat sie dennoch alles gut meistern können. Sogar der Führerschein ist bereits länger bestanden.

Etwas Erholung ist nun schon in Sicht: Nach den deutschen Meisterschaften geht es in einen sechswöchigen Abenteuer-Urlaub nach Australien. Und die Rollschuhe bleiben zu Hause.