Pinneberg
Baseball

Wo sich Pitcher duellieren, da steht Björn im Mittelpunkt

Die Chefin im „Björn“: Ronya Scherfisee, mit Sohn Conner, hält am Spieltag im Allis

Die Chefin im „Björn“: Ronya Scherfisee, mit Sohn Conner, hält am Spieltag im Allis

Foto: Ulrich Stückler

Im Ballpark der Elmshorn Alligators betreut Ronya Scherfisee die Imbiss-Hütte. Im Zweitliga-Derby auch für die „Untermieter“ aus Holm

Elmshorn.  Wer einen Baseball-Spieltag als Zuschauer besucht, der weiß normalerweise, wenn es sich um keinen Neuling handelt, was ihn oder sie erwartet – nämlich Entschleunigung pur. So ein Doppelspieltag in der zweithöchsten deutschen Spielklasse kann sich schon mal locker über sieben Stunden hin­ziehen. Denn gespielt wird solange, bis es einen Sieger gibt.

Doch selbst, wenn keine Extra-Innings (Spielabschnitte) anfallen, zieht sich ein Match leicht über zwei bis drei Stunden hin. Da ist nicht nur bei den Aktiven Ausdauer gefragt. Auch die Zuschauer verspüren früher oder später Hunger, bekommen Durst oder wollen der lockeren Atmosphäre folgen, die einem Familienausflug ähnelt. Da wächst die Lust auf Kaffee mit Kuchen oder einfach nur etwas zu Naschen. Und dann kommt immer „Björn“ ins Spiel.

„Alle in der Liga kennen Björn unter dem Namen. Er ist während der Spiele und in der Pause ständig Anlaufpunkt“, sagt Ronya Scherfisee mit einem charmanten Schmunzeln. „Und er wird ja nicht nur von uns Baseballern und unseren Fans in Anspruch genommen; die Holsatia-Fußballer von nebenan kommen auch immer gerne zu ihm.“

Nein, Björn ist keine Person, kein guter Geist oder Tausendsassa der Allis, der als Helfer für alles zur Verfügung steht. Björn ist die kleine grüne Imbiss-Hütte auf dem Baseballgelände des EMTV an der Kaltenweide, in der immer am Spieltag der Elmshorn Alligators Ronya Scherfisee das Sagen hat.

Die Ehefrau von Zweitliga-Spielertrainer Dennis Scherfisee ist in Personalunion Organisatorin, Einkäuferin, Bäckerin, Kaffeekocherin und Tresenbedienung im „Björn“ und muss schon lange vor dem eigentlichen Spieltag ihre Aufgabe gut durchplanen. „Genau genommen geht mein Job mit Ende des vorangegangenen Spieltags los. Dann steht sofort eine sorgfältige Bestandsaufnahme an“, sagt die 33-Jährige, die auch bei größtem Ansturm auf die Hütte immer einen Auge auf Sohnemann Conner hat. „Wie viel Kaffee ist verbraucht worden? Wie viele Burger haben wir verkauft, was an Naschkram? Ist in den Gasflaschen für den Grill noch genug drin? Danach wird dann die nächste Einkaufsliste zusammengestellt.“

Völlige Einzelkämpferin ist Ronya Scherfisee allerdings nicht. Im Gegenteil. „Zwei Kuchen backe ich zwar selber, aber mindestens vier andere pro Spieltag backen Mütter von uns oder die Partnerinnen von Spielern. Das sind alles Spenden, weshalb wir auch seit zehn Jahren unseren Preis für ein Stück Kuchen bei 50 Cent halten können.“

Im Derby mit dem Holmern siegt jedes Team einmal

In dieser Aufstiegssaison der Alligators darf sich Ronya Scherfisee auf zwei zusätzliche Bewirtungstage einrichten. Die Kreisrivalen Holm Westend 69ers müssen in dieser Serie, während der die Bauarbeiten am eigenen neuen Platz voll im Gange sind, ein letztes Mal zur „Untermiete“ bei den Allis ihre Heimspiele in Elmshorn austragen. Gleich zweimal im Derby mit Heimrecht. „Und für diese Tage haben wir uns ausgebeten, das Catering zu übernehmen. Ich will doch sicherstellen, dass es meinen Jungs an nichts fehlt.“

Auch Dennis Scherfisee wusste nun im ersten Aufeinandertreffen der alten Bekannten den Umstand zu genießen, Gast im eigenen Hause zu sein. „So haben wir die 30 Minuten Pause zwischenden Spielen komplett ausgenutzt. Wir konnten uns ausruhen, sorgfältiger absprechen und mussten uns nicht mit Arbeiten am Platz aufhalten“, sagte der mit einer Schulterverletzung zum Zuschauen verdammte Spielertrainer.

Als gute Nachbarn teilten sich die Dauerrivalen den Spieltag auf. Dem 14:4-Sieg der 69ers (für Holm pitchte Marvin Kelic) ließen die Hausherren ein 15:6 folgen. Ein Duell zweier grundverschiedener Pitcher: Für die 69ers ging Frank Röpke (46) auf den Mound. Der „große alte Mann“ im Pinneberger Baseball kam mit seinen eher raffinierten, gefühlvolleren Würfen zu spät in Fahrt.

Mit sechs Runs im zweiten Inning brachten sich die Allis früh auf die Siegerstraße, da ihr US-Pitcher Robbie Ingram (26) auch in seinem zweiten Antritt wenig anbrennen ließ. Seine kraftvollen Würfe blieben zu oft unschlagbar für Holm.