Pinneberg
Handball

Der Esingen-Coach muss im Sommer gehen

Patrick Kohl schwört seine Spielerinnen während einer Auszeit leidenschaftlich ein. Die Zusammenarbeit mit den TuS-Damen, von denen sich einige gegen den Coach aussprachen, dauert noch acht Spiele

Patrick Kohl schwört seine Spielerinnen während einer Auszeit leidenschaftlich ein. Die Zusammenarbeit mit den TuS-Damen, von denen sich einige gegen den Coach aussprachen, dauert noch acht Spiele

Foto: Johannes Speckner / HA

„Atmosphärische Spannungen“: Oberligist lehnt weitere Zusammenarbeit mit Patrick Kohl über die Saison hinaus ab. TSV Ellerbek verliert.

Tornesch.  „Es ist eben wie in einer Beziehung. Entweder es passt. Oder es passt nicht. Ich finde diese Entwicklung aber schon schade“, sagt Patrick Kohl, Trainer der Esinger Oberliga-Handballerinnen. Seine Mannschaft hatte an diesem Wochenende spielfrei, weil die Sporthalle in Reinfeld aufgrund des auf dem Dach liegenden Schnees gesperrt worden war. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest.

Stattdessen wurde bekannt gegeben, dass Kohl und der TuS Esingen im Sommer getrennte Wege gehen. Eine Entscheidung, die vor allem für den Trainer überraschend kam. „Wir hätten ihn sehr gern im Club behalten, da Patrick Kohl ein hochkompetenter Handball-Trainer ist, der klasse arbeitet. Wir lassen ihn nur außerordentlich ungern gehen. Das Angebot, bei den Männer-Teams zu arbeiten, hat er leider ausgeschlagen“, sagt Hans-Günther Voß, Handball-Abteilungsleiter und stellvertretender Vorsitzender des TuS Esingen. Letztendlich habe es jedoch zwischen Teilen der Mannschaft und dem Trainer „atmosphärische Spannungen im zwischenmenschlichen Bereich“ gegeben. Auch den Abteilungsleiter hat es etwas überrascht, als der Mannschaftsrat dem Vorstand mitteilte, dass eine weitere Zusammenarbeit über den Sommer hinaus nur schwer vorstellbar sei.

Sportlich lief es für den TuS Esingen nach einer mehr als durchwachsenen Hinrunde nach der Winterpause ordentlich. Der Aufsteiger hielt besser dagegen und sammelte wichtige Punkte im Rennen um den Klassenerhalt. Als Tabellenzwölfter von 14 Mannschaften ist Esingen nur einen Sieg vom unteren Tabellenmittelfeld entfernt.

Trotz der feststehenden Trennung soll alles dem gemeinsamen Ziel Klassenerhalt untergeordnet werden. „Es ist für mich nun ein komisches Gefühl, die Halle zu betreten. Da fühle ich mich nicht wohl“, gibt der Trainer unumwunden zu. Einige seiner befreundeten Handball-Trainer hätten ihm Nachrichten zukommen lassen, dass sie an seiner Stelle den sofortigen Rücktritt eingereicht hätten. „Aber ich möchte die Sache hier professionell und sachlich zu Ende bringen und mit dem Team die benötigten Punkte holen“, so der 37 Jahre alte Inhaber der Trainer B-Lizenz – eine Stufe unter der Profi-Lizenz. Von 2007 bis 2013 war der Eppendorfer Jugendkoordinator beim THW Kiel, im März 2017 hörte der in Bad Schwartau tätige Grundschullehrer für Sport und Mathematik als Coach des Kieler Frauenteams auf.

Am dritten Spieltag der laufenden Saison übernahm er von Jan-Henning Himborn, der zum Frauen-Zweitligisten SV Union Halle-Neustadt wechselte, die Mannschaft und war nur drei, vier Wochen zuvor erstmalig vor Ort. „Auch ich habe dazugelernt und weiß, dass ich nie wieder eine Mannschaft übernehme, mit der ich keine Vorbereitung gemacht habe. Diese ist enorm wichtig, auch für das gegenseitige Kennenlernen“, sagt der Trainer.

Patrick Kohl scheint niemand zu sein, der viel um den heißen Brei herumredet, sondern die Dinge direkt und unverblümt anspricht und auch mal eine vermeintlich forschere Tonart wählt, ohne böse Absicht dahinter. „Es war wohl auch mein Fehler, dass mein Anspruch zunächst zu hoch war. Nach einem katastrophalen Saisonstart haben wir uns gesteigert und waren in der Rückrunde viel besser“, erklärt Kohl, der nun für „alle Angebote, egal ob als Trainer oder Jugendkoordinator“, offen sei. Im Herren-Bereich der Esinger wollte Kohl nicht tätig werden – unter anderem wegen des neben der Arbeit als Lehrer noch höheren Aufwandes mit drei Trainingseinheiten in der Woche.

Voß und Männer-Coach Claas-Peter Schütt sprachen Kohl vor gut drei Wochen an, dass etwa sechs bis sieben Spielerinnen eine weitere Zusammenarbeit ablehnen würden. Der Mannschaftsrat saß dann vor einer Woche mit dem Trainer zu einem offenen Gespräch zusammen. Dort sollen sich dann drei bis vier der Tornescher Teammitglieder gegen Kohl ausgesprochen haben. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Das Ergebnis aber ist bekannt.

Ellerbeker Frauen verlieren beim AMTV Hamburg

Auf sportlicher Ebene erhielten auch die Frauen des TSV Ellerbek ein solches. Das Team von Trainer Ingwert Ingwertsen unterlag beim AMTV Hamburg mit 28:33 (15:15). Nach ausgeglichener Anfangsphase lag Ellerbek nach einer Viertelstunde mit 5:10 hinten, konnte den Rückstand aber bis zur Halbzeit wieder egalisieren. „Nach der Pause haben wir dann in sieben Minuten sieben Tore kassiert und selbst nur eins gemacht“, ärgerte sich Ingwertsen.

Die Gäste bäumten sich erneut auf, drückten den Rückstand wieder auf zwei Tore (24:26, 44. Minute) – es reichte am Ende aber nicht. „In der letzten Viertelstunde hatten wir durch Ballgewinne noch genug Chancen, aber diese konnten wir nicht in Treffer ummünzen“, so Ingwertsen.

Tore des TSV Ellerbek: Julia Steinberg (9/ davon ein Siebenmeter), Melina Dahms (5), Maria Ruge, Sabrina Wrage (je 3), Maren Sicks, Nele Radzuweit (je 2), Alina Wandschneider, Katharina Thies, Ann-Kathrin Skubich, Christina Hinrichs (je 1).