Pinneberg
Handball

Nach schwachem Start hilft der lange Ball als Siegfaktor

Foto: Johannes Speckner

Oberligafrauen des TSV Ellerbek drehen Derby beim TuS Esingen nach Sechs-Tore-Rückstand. Lange Torabwürfe knacken Tornescher Abwehr

Tornesch.  „In der ersten Halbzeit hatten wir das bis zur 21. Minute mit gutem Rückzugverhalten ganz gut im Griff. Anschließend hat das aber nicht mehr gestimmt bei den Außen- und Halbspielerinnen“, sagte ein etwas geknickter Patrick Kohl, Trainer der Handballfrauen des TuS Esingen.

Immer wieder flogen in der KGST-Halle Bälle im hohen Bogen punktgenau meist auf die flinke Ellerbeker Rückraumspielerin Melina Dahms. Diese sprintete zum Kreis, sprang und erzielte mit präzisen Würfen einen Großteil ihrer neun Treffer beim 26:24 (11:13)-Auswärtserfolg der Oberliga-Handballfrauen des TSV im Derby gegen die Tornescherinnen erzielte.

„Diese Variante ist eine Waffe von uns. Torhüterin Lena Thürich und Melina spielen schon seit Ewigkeiten zusammen. Aber auch Pia Belza hat diese langen Pässe mittlerweile sehr gut drauf“, lobte Ellerbek-Trainer Ingwert Ingwertsen. Nach einer guten Viertelstunde überließ Stammkeeperin Thürich der Teamkollegin Belza den Posten zwischen den Pfosten. „Das können sie selbstständig entscheiden. Und Pia hat ein ganz tolles Spiel gemacht“, sagte Ingwertsen. In der Schlussphase gelangen der Torfrau der Gäste einige wichtige Paraden, und sie trug sich beinahe selbst in die Torschützen­liste ein: Mitspielerin Ann-Kathrin Skubich gab einem der langen Abwürfe eine so dezente Richtungsänderung, dass das Kampfgericht den Treffer irrtümlich für ihre Keeperin verbuchte.

Nur in den ersten 20 Minuten dominiert der TuS Esingen

In der Anfangsphase hatte der Gastgeber noch den Ton angegeben, war das bessere Team und führte nach knapp 14 Minuten mit 9:4. In der Abwehr griffen die TuS-Frauen beherzt zu, unterbanden den Großteil der Kreis-Zuspiele und waren in den Torabschlüssen weitaus kaltschnäuziger als die etwas ratlos wirkenden Ellerbekerinnen.

Dass der TSV Ellerbek etwas außer Form geraten ist, war auch in diesem Derby gegen den im Abstiegskampf steckenden TuS, der vor allem zuverlässig aus dem Rückraum traf, zu merken. „Wir haben einen tollen Start hingelegt. Aber meine Mannschaft zeigt immer zwei Gesichter. Irgendwann schleicht sich der Schlendrian ein. Das soll nicht Ellerbeks Leistung schmälern, aber wir hätten uns heute belohnen können“, meinte Esingen-Trainer Kohl. Svenja Rix-Müller erhöhte für ihr Team auf 11:5 (20.), ehe die Gäste besser reinfanden und mehr und mehr auftrumpfen konnten – auch mit besagter Gegenstoß-Variante, die fast immer funktionierte. Dahms schlug dreimal hintereinander zu (11:9, 24.).

In Halbzeit zwei präsentiert sich Ellerbek als Einheit

Der TuS ging mit einem Vorsprung von zwei Toren in die zweiten 30 Minuten. „Da sind wir dann als Team aufgetreten“, so Ellerbek-Coach Ingwertsen. Die Ellerbekerinnen nahmen die Favoritenrolle besser an, ohne dabei ein spielerisches Feuerwerk abzubrennen. „Von der Form der Hinrunde sind wir noch ein gutes Stück entfernt“, gab er zu. Im „erwartet engen Spiel“ glichen die Gäste erstmalig aus (13:13, 33.), gingen kurz darauf in Führung, um dann doch wieder einem kleinen Rückstand von ein oder zwei Toren hinterherzulaufen. In den letzten zehn Minuten konnte der TSV, der aus den letzten fünf Spielen zuvor nur einmal gewinnen konnte, seinen kleinen Vorsprung behaupten. Julia Steinberg fehlte Ingwertsen diesmal noch, ansonsten sind sie und die anderen Weltenbummler allesamt wieder im TSV Kader.

Am kommenden Sonntag empfängt die Mannschaft den Tabellenletzten SG Niendorf/Wandsetal (16 Uhr, Harbig-Halle). „Das Wort Pflichtsieg nehme ich nicht in den Mund. Das hat man doch gegen Esingen auch wieder gesehen, wie eng es zugehen kann.“

Der TuS Esingen gastiert gleichzeitig beim noch verlustpunktfreien Spitzenreiter SC Alstertal-Langenhorn. „Da können wir ganz entspannt taktisch ein paar Dinge ausprobieren. Danach müssen wir aber wieder punkten“, sagte Coach Kohl.

Tore des TSV Ellerbek: Melina Dahms (9), Maren Sicks (4/ davon ein Siebenmeter), Sabrina Wrage (3), Nele Radzuweit (3/2), Ann-Kathrin Skubich (3), Janine Mielsch, Maria Ruge, Celina Böttcher, Alina Wandschneider (je 1).
Tore des TuS Esingen: Svenja Rix-Müller (10), Carina Büchel (5), Marike Pletz (3), Miriam Boldt (2/1), Katharina Schmidt (2), Anastasia Zachau (2).