Pinneberg
Basketball Pro B

Die erfolgreichen Zeiten sind in Wedel vorüber

Die Enttäuschung war beim SC Rist nach dem verlorenen Pro-B-Finale im Mai 2015 groß. Paul Owusu lässt den Kopf hängen. Nun droht dem Team der Abstieg

Die Enttäuschung war beim SC Rist nach dem verlorenen Pro-B-Finale im Mai 2015 groß. Paul Owusu lässt den Kopf hängen. Nun droht dem Team der Abstieg

Foto: Meincke

Zwei Basketball-Teams des SC Rist kämpfen um den Klassenerhalt. Die Pro-B-Herren sind in Quakenbrück bei den Artland Dragons zu Gast.

Wedel.  Die Damen des SC Rist sind in der 1. Basketball-Regionalliga vier Spiele vor Saisonende mit nur zwei Punkten Tabellenletzter und haben den Klassenerhalt bereits abgeschrieben. Das zweite Wedeler Herren-Team hat fünf Runden vor dem Ende als Neunter von zwölf Teams der 2. Regionalliga ebenfalls Abstiegssorgen – drei Mannschaften steigen ab. In der 2. Liga Pro B ist die Sorge wohl am größten. Auch wenn sich das Team von Cheftrainer Michael Claxton noch über die Abstiegsrunde Play-downs in der Liga halten kann.

Nach einigen erfolgreichen Jahren läuft in der Spielzeit 2015/16 bei den drei Wedeler Teams wenig zusammen. „Es war vor der Saison eine bewusste Entscheidung, dass wir die zweiten Herren und die Damen erheblich verjüngen“, sagt Rist-Geschäftsführer Thorsten Fechner. Mit Thomas Trautwein und Daniel Marzahl gibt es zwei erfahrene Spieler, die restlichen sind aus dem „Bereich U 20 und U 18“. Die Damen, Regionalliga-Meister 2013/14, sind mit den vielen 16-, 17- oder 18-jährigen Spielerinnen nicht konkurrenzfähig. „Es war ein Risiko, dass wir bei beiden Teams eben in Kauf genommen haben“, so Fechner.

Dass auch bei den Pro-B-Herren die Abstiegsangst umgeht, war allerdings nicht eingeplant – auch wenn der Etat im Vergleich zur Vorsaison, in der die Wedeler bis ins Finale vorstießen, um zehn Prozent gekürzt werden musste, um nicht die erfolgreiche Jugendarbeit des Cllubs zu gefährden. „Der SC Rist ist und bleibt ein Ausbildungsverein. Andere Vereine mit besserem finanziellen Hintergrund können bei schlechtem Saisonverlauf erheblich mehr investieren“, sagt Fechner. Vom Potenzial her könnte der Kader im sicheren Tabellenmittelfeld stehen.

Auch viele Basketball-Anhänger in den sozialen Netzwerken wundern sich, dass die Mannschaft mit zehn Punkten Tabellenletzter ist.

Zu den Gründen zählen auch Verletzungsprobleme. Nachwuchsnationalspieler Janis Stielow war wegen langwieriger Rückenprobleme bislang nur in acht Partien dabei. René Kindzeka, der monatelang wegen einer Handgelenksverletzung passen musste, wirkte viermal mit, ehe er aufgrund eines Muskelfaserrisses am Knie erneut ausfiel und bis zum Hauptrundenende nicht mehr eingreifen kann. Der Vertrag von Fabian Böke wurde wegen anhaltender Rückenbeschwerden aufgelöst.

Neun Spiele in Folge verloren die Wedeler zwischenzeitlich, das Selbstbewusstsein war komplett weg. Durch erhebliche Leistungsschwankungen von Viertel zu Viertel gingen auch die engen Spiele stets verloren. Die Neuverpflichtungen Isaac Gordon, Michael Bradley (Vertragsauflösung im Winter), Amir Carraway und Aurimas Adomaitis brachten den SC Rist nicht zurück in die Erfolgsspur.

Nun spielen die Wedeler, die zuletzt dreimal in Folge verloren, am Sonnabend, 20. Februar, gegen den ehemaligen Bundesligisten Artland Dragons Quakenbrück (19.30 Uhr). Im Hinspiel unterlag der SC Rist 57:61 und verspielte dort eine zwischenzeitliche Führung von 13 Zählern. „Dies ist eines unserer Hauptprobleme. Wir nutzen unsere Siegchancen einfach nicht“, so Michael Claxton.

Die Play-off-Teilnahme, die rechnerisch noch möglich ist, wenn die Wedeler dreimal gewinnen, ist eher unwahrscheinlich. Es geht für den SC Rist vielmehr um eine bessere Ausgangsposition für die Abstiegsrunde. „Wir wollen für die entscheidende Saisonphase nach der Hauptrunde noch Selbstvertrauen tanken“, sagt Claxton. Quakenbrück, im Vorfeld der Saison zum Titelaspirant auserkoren, ist Tabellensechster mit 22 Punkten. Auch nach dem Weggang von Leistungsträger Isaiah Hartenstein verfügt das Team über erhebliche Qualität im Kader. Topscorer ist Aufbauspieler Javarez D’Ante Willis, der durchschnittlich 12,9 Zähler pro Partie erzielt. Benjamin Fumey, in der Vorsaison noch beim Wedeler Kooperationspartner Hamburg Towers in der Pro A aktiv, folgt mit 12,1 Punkten. Unter den Körben räumt der Amerikaner Austin Bragg auf, den Rist-Coach Claxton, der aus Seattle stammt, einst in Washington schon live beobachten konnte. 6,2 Rebounds greift sich der 2,03 Meter-Mann im Schnitt.

Auf die Defensive des SC Rist wartet Schwerstarbeit. Vor allem bei Würfen jenseits der Dreier-Linie sind die Niedersachsen stark. Mit einer Quote von 32,7 Prozent verwandelten Versuchen ist es die zweitbeste Mannschaft der Nordstaffel. Die Feldwurfquote liegt bei 44 Prozent. In dieser Statistik erzielen die Quakenbrücker den drittbesten Wert von allen zwölf Teams.

Zu den erfolgreichen Schützen gehören unter anderem auch Alexander Goolsby und David Watson. Beide Teams verloren ihre Begegnungen am vergangenen Spieltag. Der SC Rist unterlag im Nachbarduelll den Itzehoe Eagles (73:78). Quakenbrück hatte gegen den Wedeler Abstiegskonkurrenten Citybasket Recklinghausen das Nachsehen (63:77). Auf Seiten des SC Rist ist der Einsatz von Flügelspieler Amir Carraway fraglich, nachdem er sich gegen die Itzehoe Eagles eine Bänderdehnung im Fuß zugezogen hatte.