Pferdesport

Wissbegierige Nachwuchsreiter wollen lernen

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Melanie Mallon
Diese drei haben sich für 2016 viel vorgenommen, von links: Dörte Schmidtpott (Appen), Bogdan Simion (Norderstedt) und Natalie Heinrich (Schenefeld-Friedrichshulde)

Diese drei haben sich für 2016 viel vorgenommen, von links: Dörte Schmidtpott (Appen), Bogdan Simion (Norderstedt) und Natalie Heinrich (Schenefeld-Friedrichshulde)

Foto: M. Mallon

Zwischen China und Schenefeld – der frühere Bundestrainer Lars Meyer zu Bexten aus Herford gibt im Reitstall Klövensteen Springunterricht.

Schenefeld.  Zahlreiche Trainingsveranstaltungen stehen während der aktuellenWintersaison im Reitstall Klövensteen auf dem Programm. Eine davon ist der exklusive Springunterricht des mehrfachen Medaillengewinners bei internationalen Großereignissen und früheren Bundestrainers (2010 bis 2013) Lars Meyer zu Bexten aus Herford. Sechs ausgewählte Reiter finden den Mut, vor fachkundigem Publikum ihr Können zu beweisen und auch Kritik einzustecken.

„Eine bunte Mischung ist uns wichtig, daher haben wir Springreiter und Pferde nach unterschiedlichen Leistungen ausgesucht,“ sagt Mitorganisator Philipp Stut aus Rellingen, selbstständiger Ausbilder im Reitstall Klövensteen. In der Halle nebenan sind die ersten drei Reiter mit ihren Pferden eingetroffen und warten gespannt auf Meyer zu Bexten. „Nun bin ich doch aufgeregt“, sagt eine Reiterin. Unterschiedliche Gedanken kreisen in den Köpfen der eingeladenen Teilnehmer. Frei nach den Gedanken: Hoffentlich blamiere ich mich nicht, vielleicht falle ich hinunter – wäre ja peinlich.

Julia von Tagen aus Norderstedt reitet schwerpunktmäßig Dressur. Nun möchte Julia es mit ihrer ausgeliehenen Holsteiner Stute Pineda wissen. Eigentlich reitet Studentin Paula de Boer aus Pinneberg die Stute bis zur schweren S*-Klasse im Springsport. „Ich darf Pineda in der Woche regelmäßig satteln, daher kenne ich den Charakter der Stute“, sagt Julia von Tagen.

Bevor das Training beginnt, informiert sich Meyer zu Bexten über jeden Aktiven. Welche Erfahrungen hat er in der Saison gemacht, welche Platzierungen erkämpft? „Reelles Reiten wird in Prüfungen belohnt, und die Dressur bildet die Grundlage für den Springsport“, so Meyer zu Bexten. Seine Adleraugen erfassen zum allgemeinen Erstaunen der Reiter und Zuschauer sogar den Wadendruck. „Links hast du das Bein nicht richtig am Pferd“, ermahnt Bexten eine Reiterin.

Zunächst starten alle Reiter ganz gemächlich über ein kleines Kreuz. Runde um Runde wird mit vier freiwilligen Helfern eine Reihe aufgebaut, die letztlich mit sechs Sprüngen endet. Für einige Teilnehmer sind die Hindernisse bis 1,25 Meter hochgezogen worden. Der Trainer erkennt nach den ersten Sprüngen der sechsjährigen dunklen Holsteiner Stute Rocky Bella das Können und fordert Reiterin Dörte Schmidtpott aus Appen zu mehr Leistung auf. „Eigentlich war alles gut und du könntest aufhören, doch bei euch ist für die kommende Saison mehr drin“, sagt Meyer zu Bexten. „Ich bin diese Hindernishöhe noch nie angegangen“, sagt Dörte Schmidtpott nach dem Ritt.

Der Herforder kann Potenzial und Können der Reiter und Pferde gut einschätzen. „Nach den ersten drei, vier Sprüngen fühlte ich mich sehr sicher und konnte alles gut umsetzten“, sagt Dörte Schmidtpott. Kein Wunder, schließlich verlief die grüne Saison für Schmidtpott mit drei Pferden und mehr als 50 Platzierungen und Schleifen erfolgreich. „Es ist meine erste Seminarteilnahme. Die Anregung, mehr Dressuraufgaben einzubauen, nehme ich mit nach Hause und werde daran arbeiten“, bekräftigt Schmidtpott. Nächstes Ziel sei, mit ihrer selbstgezogenen sechsjährigen Stute Rocky Bella die Leistungsklasse M* anzustreben.

Ein weiterer Teilnehmer ist Bogdan Simion. Der Norderstedter braucht viel Mut, um mit seinem siebenjährigen Wallach anzutreten – schließlich ist der Vierbeiner das erste Mal in einer fremden Umgebung unterwegs. Von nicht eingeplanten Wendungen und Bocken des halbstarken Wallachs lassen sich Meyer zu Bexten und Simion nicht beirren. Dafür redet der Trainer Klartext: „Du reitest jetzt ohne Sporen, denn dein Pferd hat viel zuviel Power.“

Zwischen den Sprüngen helfen zunächst kleine Dressuraufgaben, damit der Parcours für beide einfacher wird. Erst als die Grundspannung aus dem Wallach weicht, darf Simion den Parcours in voller Länge reiten. Fütterung und Bewegung sollten für diesen Typ von Pferd genauer abgestimmt werden, gibt Meyer zu Bexten dem Norderstedter mit auf den Weg.

Für Natalie Heinrich, die in Friedrichshulde trainiert, verläuft der Unterricht mit der Schimmelstute Cosima vorbildlich. Lars Meyer zu Bexten stellt anspruchsvolle Anforderungen. Mit Tempounterschieden und diversen Galoppsprüngen geht es durch den Parcours. Kurze Wendungen und Wege in die tägliche Arbeit einzubauen und für Abwechslung sorgen, das ist eine Zauberformel des Lehrmeisters. „Es geht nicht um höher oder weiter, sondern darum, die Technik zu verfeinern.“

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