Pinneberg
Pferdesport

Auch die Jüngsten wollen unbedingt ihr Derby

Auf der Meldestelle des Gastgebers in Klein Flottbek ist bei den Wettkämpfen hoher Einsatz gefragt. 1400 Starter waren dabei

Pinneberg.  Für den Reiternachwuchs ist es eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich zu beweisen und auf sich aufmerksam zu machen – das Amateur- und Jugendturnier des Norddeutschen Flottbeker Reitvereins. Im Derbypark von Klein Flottbek traten 1400 Reiter mit 800 Pferden an. Im Schnitt starteten sämtliche Pferde in zwei Prüfungen. Für die Organisatoren ist es natürlich eine Herkulesaufgabe. Alle Fäden laufen diesbezüglich bei Angela Solbau in der Meldestelle zusammen. Die 52 Jahre alte Pinnebergerin ist seit ihrer Kindheit mit dem Pferdesport verbunden.

Das frühe Aufstehen sollte sich für einige Nachwuchsreiter lohnen. Die junge Generation nutzt die Chance auf dem Derbygelände für den Dressur- und Springsport. „Die Ausschreibung war im März raus und postwendend ausgebucht. Unsere Warteliste ist ellenlang“, bemerkt Solbau.

Das Zweifach-Talent Paula de Boer aus Pinneberg – die Studentin konnte im Springparcours und auch im Dressurviereck überzeugen – gewann mit Pineda die Springprüfung der Klasse M** (mittelschwer) dank einer fehlerfreien Runde in 66,88 Sekunden. Die Prüfung gehört zur U-25-Tour des Turniers. In der Dressur der Klasse S* (schwer) sicherte sich de Boer mit Honduras den Sieg. Vater Wieger de Boer – er ist Dresssurreiter und Ausbilder – hatte zwischen Dressurviereck und Parcours mit fünf Pferden viel zu tun. Platz zwei belegte Sandra Ann Wunnerlich mit Di Pregio. Wunnerlich trainiert mit Reinhardt Nielsen in Appen auf dem Schäferhof. Auf dem Abreiteplatz wurden Anweisungen für das Feintuning gegeben. Auch die gesamte Familie Lauck ist angereist, um Sohn Malte k, 18, (alle vom RV Am Bilsbek) zu beobachten. Am Ende konnte alle mit dessen Abschneiden zufrieden sein.

Eine Amazone bekommt den Sieg nachträglich aberkannt

Spätestens in der Meldestelle treffen alle Reiter auf Angela Solbau. Die kleinste Teilnehmerin konnte mit knapp sechs Jahren kaum über die Tischkante gucken. „Ich freue mich immer, wenn die Jugendlichen hochmotiviert zu mir kommen und sich selbst über kleine Preise freuen“, sagt Solbau.

Inzwischen ist eine junge Springreiterin forschen Schrittes erschienen, um sich nach einer Fehlerquelle im Internet zu erkundigen. „Ich bin so ehrlich und starte in meiner Altersklasse und eine weitere Reiterin macht sich einfach jünger, startet und kassiert auch noch den Sieg“, ärgert sich die junge Springreiterin. Die Geschäftsstellenleiterin kontrolliert die Listen und schließt einen Fehler nicht aus. Die Listen aller Starter sind mit der zentralen Datenerfassung in Warendorf eingepflegt.

„Das könnte jetzt durchaus zum Problem werden“, sagt sie. „Die Reiterin wird eine Mahngebühr, ein Schreiben und die Aberkennung des Sieges vom Dachverband aus Münster erhalten“, erklärt Solbau. Das bedeutet, dass die Zweitplatzierte nun die Siegerin wird und die erste Reservereiterin im hinteren Feld nachrückt. Die Preise werden neu verteilt, „logistisch wird es ein zusätzlicher Aufwand, der mit viel Ärger und Zeit verbunden ist“, so Solbau.

Die nächste Reiterin möchte wissen, wo Fotos und Videos einsehbar sind, der Übernächste fragt nach der korrekten Abrechnung, da die Pferde zurück in den Stall sollen. Die Dauernachfrage bewegt sich immer zwischen Reiterprotokoll, Starter- und Ergebnislisten. Solbau bleibt bei allen Anliegen gelassen, mit mehr als 20 Einsätzen im Jahr ist Routine Trumpf.

Besonders engagiert und kreativ sind die Nachwuchsreiter beim Kostümspringen. Batman, Pipi Langstrumpf, Hexen, Indianer, Libellen und kleine verkleidete Polizisten sausen mit ihren Ponys durch den Parcours und geben alles. In diesem Moment guckt auch Solbau gespannt auf den Monitor im Büro. „Das ist mein kleines Außenfester zum Turnierplatz, ansonsten würde ich nichts mitbekommen – so wie damals.“

Die junge Smartphone-Generation kann sich kaum vorstellen, wie vor 30 Jahren gearbeitet wurde. Es gab eine mechanische Schreibmaschine, jeder Name von Pferd und Reiter musste getippt werden. In der Regel gab es in der Meldestelle nur eine Starterliste zur Einsicht. „Startnummern aus Pappe wurden für die Pferde- und Reitererkennung auch bei mir vergeben“, erklärte Solbau.

Ergebnisse einsehbar unter www.pferd-und-sport.de