Pinneberg
Fußball-Relegation

Skandal in Seestermühe – Jubel bei HR II

Jubel bei der Mannschaft von Halstenbek nach dem Aufstieg

Jubel bei der Mannschaft von Halstenbek nach dem Aufstieg

Foto: Helm

Schiedsrichter wird nach Pöbeleien von Teutonen-Spieler zu Boden gerissen – Spielabbruch. HR II in die Landesliga aufgestiegen, SuS Waldenau scheitert.

Seestermühe. So etwas hat es auf den hiesigen Sportplätzen seit langer Zeit nicht mehr gegeben. 76 Minuten waren im Relegationstreffen zur Bezirksliga zwischen den Fußballern des TSV Seestermüher Marsch und der Zweiten von Teutonia 05 gespielt, als ein Akteur der Ottenser nach Ecke für die Gastgeber im Getümmel durchdrehte, die Rote Karte sah und anschließend aufgebracht den Schiedsrichter zu Boden stieß. Als dieser wieder auf den Beinen war, beriet er sich mit seinen Assistenten und brach die Begegnung beim Stand von 1:1 (1:1) ab.

Genau dieses Ergebnis hätte den Marsch-Kickern gereicht, um nach 23 Jahren in die Bezirksliga zurückzukehren. Alles war auch vorbereitet für eine rauschende Feier. Viele Zuschauer hatten sich eingefunden, um hautnah dabei zu sein, erwartungsfroh und in bester Stimmung. „Jetzt stehen alle da wie bestellt und nicht abgeholt“, meinte lakonisch Betreuer Klaus Kimpel, zu früheren Aufstiegszeiten selbt mit zum Kader der Liga gehörend. „Es ist ein Jammer, was soll man da noch sagen?“

Wenigstens können die Mannschaft, Trainer Andreas Hermeling und Klaus Kimpel davon ausgehen, dass der Hamburger Fußball-Verband die Wertung des Spiels nachträglich positiv für die Seestermüher vornimmt, zumal angesichts des Spielstandes und des Aufstiegsrechts keine Wettbewerbsverzerrung vorliegt. In der restlichen Spielzeit hätten die „Mottenburger“ auch nicht mehr viel ausrichten können, denn fünf Minuten vor dem zweiten Rot wurde bereits einem von ihnen die Rote Karte unter die Nase gehalten. Seestermühe ging in der 25. Minute durch Hendrik Mühlenkamp in Führung, ehe die Gäste ausglichen (43.).

Zur selben Zeit hat es für die Mannschaft des SuS Waldenau nicht mehr gereicht – trotz aller Euphorie im Vorfeld der alles entscheidenden Bezirksliga-Aufstiegspartie gegen den Kreisligarivalen SV Tonndorf-Lohe. Ein Sieg hätte es unbedingt sein müssen, doch am Ende schlichen die Schützlinge von Trainer Michael Mathey mit gesenkten Köpfen und einer 1:3-(0:1)-Schlappe vom Platz. Dicht besuchte Ränge am Japoppweg, wiederum begeistert mitgehende weibliche Fans am Rande desa Spielfeldes – all das war am gestrigen Nachmittag für den Kreisliga-Vizemeister zu wenig, der in der Abschlusstabelle seiner Staffel nur Vierter und Letzter ist.

Coach Mathey konnte nachvollziehen, dass sich seine Jungs nach dem Abpfiff nicht gerade gut fühlten. Dennoch gesellten sich die meisten Spieler zu den Fans und feierten gemeinsam den Saisonabschluss. „Dann unternehmen wir in der nächsten Saison einen neuen Anlauf“, meinte Michael Mathey im Brustton der Überzeugung. Seine Mannschaft wird im Wesentlichen zusammenbleiben, Allerdings wurden bereits einige Spieler von Blau-Weiß 96 und dem VfL Pinneberg II zur Verstärkung dazugeholt. Gegen Tonndorf-Lohe begann es nicht gut die Gastgeber. Nach knapp einer halben Stunde gelang dem Gegner die Führung das 0:2 folgte in der 62. Minute. Dustin Reikischke ließ noch Hoffnung aufkeimen, mit dem 1:3 (83., Elfmeter) war’s vorbei.

Auf dem Jacob-Thode-Sportplatz schrie unterdessen Rolf Di Vito seine Freude heraus. „Aufstieg, wir spielen nächste Serie tatsächlich in der Landesliga. Ich fasse es nicht“, rief der impulsive Betreuer der SV Halstenbek-Rellingen II. Erwachsene Männer fielen sich wie die kleinen Kinder um den Hals. Symbolisch für die Spannung bis zum Abpfiff brachten die Fans (harmlose) Pyrotechnik zum Einsatz. Nach einem 1:0 (0:0) über Este 07/70 beendeten die Halstenbeker die Relegation der Bezirksliga-Vizemeister als Gruppenzweiter. Ein Remis hätte bereits genügt, hochzuklettern. Mit der HR-Reserve steigen auch Bergedorf 85 und die HSV-Dritte auf. Das Team aus dem Alten Land blieb auf der Strecke.

Der Dank der Clubführung gilt Trainer Oliver Berndt, der sich ab sofort im Club neuen Aufgaben widmet und in den letzten Monaten Manuel Kaladic als seinen Nachfolger einarbeitete. Team-Koordinator Horst Boockhoop kündigte an, ganz im Gegensatz zur Strategie der HR-Ersten (Oberliga) auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen zu setzen. Großartige Änderungen im Kader sind nicht vorgesehen. „Wir nehmen die Euphorie jetzt mit in die Landesliga und werden sehen, wie weit wir damit kommen.“ Befürchtungen im Umfeld der ersten Mannschaft, ihr Etat werde nun gekürzt, hatte Spartenleiter Richard Peper bereits entkräftet. „Das Geld für die Erste fassen wir nicht an. Die Zweite trägt sich finanziell selbst.“

Weitestgehend war es eine Partie, in der sich beide Teams gegenseitig neutralisierten. Abgesehen von ganz wenigen Szenen wie in der 53. Minute, als Matthias Harms den Ball über die Tor schoss, vertändelten die Gäste aus dem Alten Land ihre wenigen Chancen. Die 79. Minute brachte die Entscheidung zugunsten von HR. Fabian Rußbüldt, einer von nur drei Routiniers im Team, setzte sich auf der linken Seite durch. Sergio Batista verpasste seinen Flachpass, aber nicht Indrit Behrami, der die Kugel locker im Tor versenkte.