Pinneberg
Basketball Play-offs

SC Rist hofft auf den Geist aus dem Jubiläumsjahr 1988

Die Rist-Generation von damals agierte zum Teil wie entfesselt: Christian Pauk (l.) und Ingo Knillmann beim Training

Die Rist-Generation von damals agierte zum Teil wie entfesselt: Christian Pauk (l.) und Ingo Knillmann beim Training

Foto: Heiner Köpcke

Im Finale um die ProB-Meisterschaft in der 2. Bundesliga treten Wedels Basketballer zunächst in Oldenburg an. Ingo Knillmann, 51, erinnert sich an glorreiche Zeit.

Wedel. Wenn der SC Rist am Sonnabend, 25. April, auswärts bei der Baskets Akademie Weser-Ems/Oldenburger TB zum Hinspiel des Finals in der Pro B antritt (19 Uhr), wird Ingo Knillmann wegen der Konfirmation seines Sohns einen Tag später nicht dabei sein. In der besten Saison – 1987/88 – der Wedeler Basketballer war er aktiv mit von der Partie.

Im Jahr des 20-jährigen Bestehens des Vereins wurden die Rist-Herren unter Trainer Frank Hoffmann – mit den Leistungsträgern Christian Pauk, Bernd Röder, dem Amerikaner Brian Byrnes, Dirk Rehder und eben jenem Knillmann – Vizemeister der 2. Bundesliga Nord. Ein Aufstieg als Zweiter wäre sportlich möglich gewesen, doch der Verein verzichtete wegen des enormen finanziellen Aufwands darauf.

„Für uns, quasi als Schülermannschaft, war diese Spielzeit eine sensationelle Erfahrung. Die Atmosphäre in der Steinberghalle, gerade bei den Pokalspielen hat für eine Gänsehautstimmung gesorgt“, berichtet Knillmann, heute 51 Jahre alt. Auch im DBB-Pokal lief es zu der Zeit optimal: Erst im Halbfinale schied Favoritenschreck Wedel aus. Zuvor hatten die Spieler Erstligist TV Langen besiegt.

„Pokal-Sensation! Wedel warf Bundesliga-Klub raus. 800 Basketball-Fans brüllten Rist zum 76:67 über Langen“, titelte die „Bild“-Zeitung. Im März 1988 folgte ein 103:96-Triumph nach Verlängerung – wieder erwischte es mit der Spielvereinigung Ludwigsburg einen Bundesligisten. Im Halbfinale scheiterte der SC Rist vor 1200 Fans am Steinberg am späteren Pokal-Sieger BG Steiner Optik Bayreuth (93:112).

„Solche Erfolge schweißen natürlich zusammen“, sagt Knillmann, der noch immer mit den alten Mannschaftskameraden, unter anderem mit Flügelspieler Christian Pauk, der seinerzeit jahrelang bester Korbschütze der 2. Liga war, in der Senioren-Mannschaft des SC Rist auf dem Feld steht. Die norddeutsche Meisterschaft gewannen die Rist-Routiniers, im Sommer tritt man im Wettbewerb um den Titel auf Bundesebene an.

Die ProB-Meisterschaft der nachfolgenden Generation hält Ingo Knillmann für möglich, auch wenn es ziemlich schwierig wird. „Oldenburg wird in Bestbesetzung antreten und hat zuletzt den Nord-Ersten Rostock zerlegt.“

Er tippt auf eine „Niederlage mit vielleicht zehn Punkten Unterschied.“ Im Rückspiel hofft der kaufmännische Angestellte, der regelmäßig als Ordner bei den Rist-Heimspielen eingesetzt wird, auf einen „höheren Heimsieg.“ Die Mannschaft mit der besseren Differenz aus beiden Begegnungen gewinnt die Meisterschaft.

Den hypothetischen Vergleich des Vizemeister-Teams von 1988 und der aktuellen Truppe von Headcoach Michael Claxton würde der jetzige Finalist gewinnen. „Einer wie Bryan Byrnes kam eher zufällig vorbei. Heute werden die starken Amerikaner gezielt verpfichtet“, so Knillmann. Zudem sei das Spiel viel athletischer und die Spieler größer geworden. „Wir hatten keinen Fabian Böke, der 2,08 Meter groß ist“, so Center-Ass Knillmann, der auf 1,93 Meter Körpergröße kommt und dem SC Rist seit 42 Jahren treu geblieben ist. „Es ist einfach bemerkenswert, wie ein kleiner Verein mit wenig Finanzkraft so erfolgreich sein kann. Nun ist es einfach an der Zeit für einen ganz großen Sieg.“

In der Hauptrunde der Saison 2014/15 landeten die Oldenburger einen Platz hinter den Wedelern auf dem dritten Rang der Nordstaffel. Aus den beiden Spielen ging kein Punktsieger hervor: Mit jeweils zwölf Zählern Unterschied endeten die Partien (Heimsieg Wedel 80:68, Heimsieg Oldenburg 85:73). Im Vorjahr scheiterte der damals noch von Sebastian Gleim trainierte SC Rist in der entscheidenden dritten Halbfinal-Partie gegen den späteren ProB-Meister, der als Nachwuchsmannschaft des Bundesligisten EWE Baskets Oldenburg firmiert. Topscorer des Gegners, der in den vorangegangenen Play-off-Runden noch keine Niederlage kassierte, ist Preston Wynne, der im Schnitt pro Partie 17 Punkte erzielt. Auch Jan-Niklas Wimberg (11), Dominic Lockhart (9,6) und Luka Buntic (9,6) sind wahre Punktesammler in Reihen der Oldenburger. Auch Innen-Spieler Kai Hänig, der 6,8 Korbabpraller fängt und 7,3 Punkte durchschnittlich erzielt, ist ein wichtiger Akteur.

Beide Teams haben im Rückraum die prägenden Protagonisten

„Vor allem das Aufeinandertreffen der jeweils zwei Aufbau- und Flügelspieler beider Teams wird sehr interessant“, so Claxton. Auf Wedeler Seite bestimmen Diante Watkins und Brandon Spearman das Spiel, beim Gegner sind es Lockhart und Wynne. Das entscheidende Final-Rückspiel findet dann am Sonnabend, 2. Mai, um 19 Uhr in der Steinberhalle statt. Ein rauschendes Fest wird es im Anschluss – unabhängig vom Ausgang – ohnehin für Spieler und Anhänger geben. Beide Final-Teilnehmer haben das Recht aufzusteigen.

Oldenburg machte 2014 den Schritt nicht, Wedel winkte als Nachrücker nach einer Sondierungsphase ebenfalls ab. Dies wird sich kurzfristig nicht ändern. „Dass wir nicht in die Pro A aufsteigen können, war schon klar, bevor ich hier unterschrieben habe“, sagt Claxton. Nun möchte der aktuelle Kader mit dem Meistertitel wenigstens für einen sportlichen Meilenstein in der Zweitliga-Geschichte des Vereins sorgen. Die Erfolgsformel ist erst im Winter entstanden. „Nach der Pause sind wir im neuen Jahr zu einer echten Einheit geworden mit einer großartigen Teamchemie. Zunächst wollten wir in die Play-offs, jetzt nehmen wir den Titelgewinn in Angriff. Das kann nur noch das Ziel sein“, so Claxton. Mannschaftskapitän Christoph Roquette ist optmistisch, dass der SC Rist „zu Hause die Meisterschaft feiern“ wird.