Pinneberg
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Schuhcreme im Haar, Leidenschaft im Blut

Zum ersten Mal gibt es bei den Pinneberger Tanzsportlern eine Latein-Formation. Schwungvoll nehmen acht Paare das Wettkampfprogramm auf

Pinneberg. Zu Lebzeiten hatte der am 26. September vergangenen Jahres verstorbene Gerd Stockmann einen Traum. Der langjährige Vorsitzende wünschte sich so sehr, dass in der Tanzsportabteilung des VfL Pinneberg eines Tages eine Latein-Formation gegründet würde. Im August 2014 war es tatsächlich so weit, und der Ehrenvorsitzende erlebte es noch mit. Abteilungsboss Edgar Hassfurther verkündete den Mitgliedern, dass von nun an und zum ersten Mal überhaupt in der Clubgeschichte eine Formation das Parkett betreten würde. Acht Latein-Paare wollen sich in der Zukunft weit nach oben tanzen – vielleicht sogar bis in die Bundesliga, in der der TSK Buchholz (Nordheide) bereits vertreten ist.

Gleich zum Auftakt des neuen Jahres fand für die von Michael Jahn trainierte Pinneberger Latein-Formation die Premiere statt. Bis zum ersten Auftritt in der Landesliga Nord hatten die Paare nur knapp vier Monate Zeit, um eine neue Choreographie einzustudieren. Die Schützlinge von Michael Jahn vollbringen derzeit Außergewöhnliches, denn sie trainieren jeden Montag und Mittwoch jeweils zweieinhalb Stunden und an vielen Wochenenden jeweils sonnabends und sonntags je zehn Stunden zusätzlich. Edgar Hassfurther: „Ich möchte der Stadt ausdrücklich danken, dass sie den Tanzsportlern angesichts knapp bemessenen Hallenraums ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stellt.“ So konnte selbst an Silvester fleißig geübt werden.

Die Halle des TSC Walsrode war wenige Tage später mit rund 1000 Zuschauern dicht gefüllt, als die VfL-Sportler erstmals zu einem offiziellen Wettkampf in der Landesliga Nord, ihre Einsteigerklasse, antraten. Mit dem Thema Opus, einer u.a. mit Cha Cha, Jive und Rumba untermalten Klassik-Kür, hofften die Pinneberger die Besucher zu begeistern – und das klappte im Vergleich mit fünf weiteren Lateinformationen ausgezeichnet.

Die VfL-Duos gelangten ins Finale, in dem es um die Plätze eins bis vier ging. Die Sporthalle des Gymnasiums in Walsrode kochte bereits bei der Vorrunde. Später gab es dann kein Halten mehr. Es wurde gejubelt und geklatscht, bis die Hände schmerzten. Nach dem Finale die Entscheidung der Wertungsrichter: Mit allen Einsen gewann die Lateinformation des VfL ihr erstes Turnier. Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Landesliga-Wettkämpfe folgt nun bereits am Sonntag, 18. Januar, beim TSK Buchholz sowie bei der 32. Silberne Rose am Sonnabend, 28. Februar, im Pinneberger Hotel Cap Polonio.

Mit Gründung der Latein-Formation dürfte in und um Pinneberg ein neues Zeitalter in diesem exklusiven Tanzsportbereich eingeleitet sein. Vorbei könnten eines Tages auch die Zeiten sein, in denen die Tänzer eher im Verborgenen kleinerer Hallen aktiv sind. „Formationstanzen ist medienwirksam wie keine andere Tanzsportsektion“, sagt Spartenchef Hassfurther, der für 2016 die Ausrichtung einer Topveranstaltung beim Deutschen Tanzsport-Verband beantragen will. Er betont, dass gegenwärtig ausschließlich Events von nationalen und internationalen Formationstanz-Ereignissen live im TV übertragen würden. Es ist ja auch beeindruckend, wie schwungvoll, filigran und melodiös die Formations-Duos mit ihren exakten Darbietungen auf dem Parkett – so wie in Walsrode – beim Publikum rüberkommen. Genaueste Koordination, ein perfekter Einklang mit der Musik und nicht zuletzt die Turnierkleidung, das ist es. Nur so sind Spitzenränge in diesem Tanzsportmetier zu erreichen. Sechs Minuten dauert ein Kürvortrag, und nicht nur Insider wissen: Von den Gruppentänzern werden Höchstleistungen gefordert. Auch das ist eine Attraktivität, die die hohe Resonanz letztlich auslöst.

Für die Initialzündung sorgte ursprünglich Trainer Jahn, der mit seinen überwiegend Hamburger Paaren eine sportliche Heimat suchte und sie auf Anfrage beim VfL Pinneberg gefunden hat. „Hier sind die Bedingungen optimal, im Vergleich mit Vereinen im Umland sogar einmalig.“

Folgende Paare gehören der Formation an: Michel Bänsch/Julia Beracz, Patrick Davids/Karolina Tomala, Tom Hennig/Johanna Witt, Michael Neumann /Julia Meyne, Ansgar Ritz/Mareike Brümmer, Olaf Steffen/Dorothee Acker, Philipp Wengel/Vitalia Yapparova, Jan Wingerter/Jasmin Andreaßon. Selbstverständlich braucht die Formation stets Nachwuchs. Wer Lust am Tanzsport entdeckt, sollte mit seinem Partner oder seiner Partnerin nicht lange überlegen. Fragen beantwortet Edgar Hassfurther (04101/7877288) sowie Sprecherin und Formationsmitglied Julia Beracz (0151/22384747).