Kreis Pinneberg

Elmshorner Verein muss AfD-Chef weiter ausbilden

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Arne Kolarczyk
Maximilian Holstein, AfD-Vorsitzender in Elmshorn und Auszubildender beim EMTV.

Maximilian Holstein, AfD-Vorsitzender in Elmshorn und Auszubildender beim EMTV.

Foto: Michael Poschart / HA

Maximilian Holstein aus Hamburg ist Mitbegründer des Elmshorner Ortsverbands der AfD. Er siegt nach Kündigung vorm Landesarbeitsgericht.

Elmshorn.  Er ist wieder da. Maximilian Holstein, AfD-Ortsvorsitzender in Elmshorn, ist am Montag wieder an seinem Ausbildungsplatz beim Elmshorner Männer-Turnverein (EMTV) aufgetaucht. Der Sportverein hat Ende voriger Woche den Rechtsstreit mit dem 24-Jährigen endgültig verloren und muss das Ausbildungsverhältnis fortsetzen. „Wir haben ihn daraufhin schriftlich aufgefordert, am Montag wieder zur Arbeit zu erscheinen. Und er ist dem auch nachgekommen“, so EMTV-Vorstandsmitglied Jens Berendsen.

Am 17. Februar 2020 hatte der Verein das Ausbildungsverhältnis zum Sport- und Fitnesskaufmann fristlos gekündigt, weil sich Holstein als Mitglied der AfD zum rechtsnationalen „Flügel“ der Partei bekannt haben soll. Kurz zuvor hatte die AfD die Bildung des Elmshorner Ortsvereins mit Holstein an der Spitze selbst bekannt gegeben – und die EMTV-Spitze wollte erfahren haben, dass der 24-Jährige mit dem rechtsnationalen „Flügel“ sympathisiert. Für einen Verein, der sich in der Integration ausländischer Mitbürger engagiere und der sich einen Wertekanon als toleranter, weltoffener Verein gegeben habe, sei ein solches Verhalten eines Mitarbeiters nicht tolerierbar, hieß es.

Schon in erster Instanz recht bekommen

Holstein legte über seinen Anwalt Rechtsmittel gegen seine Kündigung ein – und bekam bereits Mitte September vor dem Arbeitsgericht Elmshorn in erster Instanz recht. Der Sportverein, der das im August 2019 begonnene Ausbildungsverhältnis nicht fortsetzen wollte, ging vor dem Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein dagegen in Berufung. Am Donnerstag fand die Verhandlung in Kiel statt – mit negativem Ausgang für den EMTV.

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Verwiesen wurde auf die Rechtsposition das Bundesarbeitsgerichtes. Die Richter hatten, bezogen auf einen Fall im öffentlichen Dienst, entschieden, dass allein die Mitgliedschaft in einer rechtsgerichteten Organisation noch keinen Kündigungsgrund darstelle, vielmehr müsse sich der Mitarbeiter im Job aktiv fremdenfeindlich zeigen. Eine Revision hat das Landesarbeitsgericht nicht zugelassen. EMTV-Vorstand Berendsen zeigt sich enttäuscht. „Wir sind Sportler und haben es gelernt, auch einmal zu verlieren. Wir werden nun das Ausbildungsverhältnis mit Herrn Holstein fortsetzen, uns bleibt ja auch nichts anderes übrig.“

Wie das funktionieren soll, vermag das Vorstandsmitglied nicht zu sagen. Der 24-Jährige habe sechseinhalb Monate die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert, die drei Jahre dauere. „Es ist in den sechseinhalb Monaten zu erheblichen Fehlzeiten in der Berufsschule gekommen“, so Berendsen weiter. Der Verein habe die Kündigung auch mit diesen Fehlzeiten begründet, die dazu führen könnten, dass der Azubi durch die Abschlussprüfung falle.

Anwalt verlangt Gehaltsnachzahlung

Holstein habe bereits nach dem Urteil des Arbeitsgerichts Elmshorn die Möglichkeit gehabt, an den Ausbildungsplatz zurückzukehren. „Unsere Berufung hatte keine aufschiebende Wirkung“, so das Vorstandsmitglied. Der 24-Jährige habe davon keinen Gebrauch gemacht. Holsteins Anwalt Otto Baumann sieht das anders. Der Verein habe den Azubi nach dem verlorenen Prozess nicht zur Rückkehr aufgefordert. Sein Mandant habe jetzt 15 Monate verloren und werde nicht in der Lage sein, den Stoff nachzuholen. Eine reguläre Abschlussprüfung nach drei Jahren im Sommer nächsten Jahres sei nicht möglich. „Herr Holstein hat einen Rechtsanspruch auf Verlängerung des Ausbildungsverhältnisses.“

Er werde alles dafür tun, die Ausbildung in angemessener Zeit abzuschließen. Der EMTV müsse Holstein die Ausbildungsvergütung bis zum Kündigungszeitpunkt nachzahlen und sei verantwortlich dafür, dass dieser später in den Beruf einsteigen werde. „Dafür steht meinem Mandaten ein Anspruch auf finanzielle Entschädigung zu.“ Auch die Gerichts- und Anwaltskosten gingen zu Lasten des Vereins.

Der verpasste Holstein an seinem ersten Arbeitstag am Montag eine Abmahnung – wegen der Fehlzeiten in der Berufsschule. Baumann wird dagegen vorgehen, hält die Abmahnung für unrechtmäßig. „Die Vorwürfe waren bereits Bestandteil der Kündigung, sind damit für eine Abmahnung verbraucht.“

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