Kreis Pinneberg

Corona erschwert die Ernte beim Spargelbauer

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Alexandra Schrader
Spargelbauer Harm Schmietendorf auf einem seiner Felder. In den Erddämmen unter den Planen wächst der Spargel für die diesjährige Saison heran. Noch ist nichts zu sehen, etwa am 10. April soll’s losgehen.

Spargelbauer Harm Schmietendorf auf einem seiner Felder. In den Erddämmen unter den Planen wächst der Spargel für die diesjährige Saison heran. Noch ist nichts zu sehen, etwa am 10. April soll’s losgehen.

Foto: Alexandra Schrader

Edelgemüse von Harm Schmietendorf in Wedel steht kurz vor dem Saisonstart. Auflagen für Erntehelfer sind streng.

Wedel. Es wird wohl erneut eine abenteuerliche Spargelsaison. Auch wenn in Wedel noch wenig davon zu spüren ist. In langen Reihen ziehen sich die Spargeldämme über die Felder von Bauer Harm Schmietendorf. Unter der Erde wächst das Edelgemüse der Saison. Über den Dämmen liegt schwarze Folie, darüber ein Hohlraum und ganz oben eine weitere, gespannte Folie. „Das funktioniert wie ein Mini-Gewächshaus“, sagt Schmietendorf, „die schwarze Folie fängt das Sonnenlicht auf, durch die Wärme wird das Wachstum beschleunigt.“ Ein Mini-Treibhaus-Effekt.

Wenn in den nächsten Wochen oft die Sonne scheint, kann die Familie bald mit dem Spargelverkauf im Hofladen beginnen. „Mit Glück können wir den Verkauf am 10. April starten“, sagt Schmietendorf. Doch unbeschwert wird die Spargelsaison nicht, denn die Coronaauflagen für die vielen Erntehelferinnen und Erntehelfer sind kostspielig.

Die Einreise der überwiegend aus Polen kommenden Helfer sei nur mit einem negativen Corona-Test und einer elektronischen Registrierung beim Gesundheitsamt möglich, so Schmietendorf. Auf dem Hof angekommen, seien dann erstmal zwei Wochen Quarantäne Pflicht. Der Lohn müsse in dieser Zeit trotzdem gezahlt werden. „Mit einem PCR-Test kann die Quarantäne-Zeit auf sechs Tage verkürzt werden“, so Harm Schmietendorf. Ein Schnelltest reiche nach den Verordnungen nicht aus.

Auch die Wohnunterkünfte, in denen sonst drei Personen zusammen gewohnt hätten, dürften jetzt nur noch maximal zu zweit belegt werden. „Für die Erweiterung schaffen wir extra Wohncontainer an. Zudem sollen die Erntehelfer jede Woche einmal getestet werden“, so der Wedeler. „Das sind alles zusätzliche Kosten.“

Im vergangenen Jahr mussten die Erntehelfer verfrüht eingeflogen werden, um noch vor den Grenzschließungen 2020 nach Deutschland zu gelangen. Dieses Jahr sind die Grenzen offen – über zu wenig Helfer macht sich Bauer Schmietendorf daher keine Sorgen. „Durch die Coronaauflagen werden wir dieses Jahr aber auf 20.000 Euro Mehrkosten kommen“, sagt der 49-Jährige.

Im vergangenen Jahr habe ein Kilo Spargel zwischen elf und zwölf Euro gekostet, dieses Jahr könnte das durch die genannten Umstände erzwungenermaßen noch mal etwas mehr werden. Jetzt müsse der Spargel aber erstmal wachsen, so Schmietendorf: „Aktuell ist noch nichts zu sehen.“

Der Hof hat sich auf den Spargelanbau spezialisiert

Seit 1996 betreibt der gelernte Obstbauer den Hof Schmietendorf. Als 25-Jähriger habe er den Hof von seinem Vater übernommen. „Bis vor zehn Jahren hatten wir hier auch eigene Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren“, so der Familienvater, „aber für Erdbeeren kommen die Leute nicht extra hierher, deshalb habe ich mich auf Spargel spezialisiert.“ Auf 19 Hektar Land baut der Bauer das Gemüse an.

Bei der Ernte werde jede Stange von Hand mit einem Spargelmesser abgestochen. Anschließend werde er nach Qualität und Größe sortiert und dann verkaufsfertig gemacht. „Die Größe spielt für den Geschmack aber keine Rolle, die dünnen Stangen machen nur mehr Arbeit beim Schälen“, sagt der Bauer lachend. Wenn die Spargelköpfe blau sind, sei das ein Zeichen dafür, dass sie Licht abbekommen haben. Das sollten die Erddämme mit den Folien eigentlich verhindern, geschmacklich verändere sich dadurch aber nichts.

„Spargel ist eine mehrjährige Kulturpflanze“, erklärt Harm Schmietendorf, „von einer Kultur kann ungefähr zehn Jahre geerntet werden.“ Zudem könne erst im dritten Jahr nach dem Anbau der Pflanzen voll geerntet werden. Bei einer früheren Ernte würden die Pflanzen kaputt gehen. „Das ist wie bei einem jungen Baum, dem anfangs immer wieder die Triebe abgeschnitten werden - so kann keine Pflanze gedeihen.“

Die Spargelsaison ende traditionell mit dem Johannistag am 24. Juni. Damit er die gesamte Zeit frischen Spargel verkaufen kann, beschleunigt Harm Schmietendorf die Ernte durch den „Mini-Gewächshauseffekt“ nicht überall, auf manchen Feldern zögert er den Erntezeitpunkt auch hinaus. „Denn wenn ich die schwarze Folie, die das Sonnenlicht aufnimmt auf die weiße Seite drehe, reflektiert sie die Strahlen“, erklärt er. So könne er die Ernte dieser Spargelstangen um zehn Tage nach hinten verschieben.

Wenn der Spargel erstmal da ist, verkaufen die Schmietendorfs ihn sieben Tage die Woche im eigenen Hofladen, auch Schinken und Kartoffeln gibt es hier. Sonnabends sind sie außerdem auf dem Wedeler Wochenmarkt zu finden.

Adresse Hofladen: Voßhörntwiete 69, Wedel, 9-18 Uhr geöffnet

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