Kreis Pinneberg

Kampfkandidatur: Lars Kuhlmann fordert Peter Lehnert heraus

| Lesedauer: 6 Minuten
Burkhard Fuchs
Lars Kuhlmann (44) aus Tangstedt möchte 2022 als CDU-Kandidat bei der Landtagswahl antreten.

Lars Kuhlmann (44) aus Tangstedt möchte 2022 als CDU-Kandidat bei der Landtagswahl antreten.

Foto: Burkhard Fuchs

Gegenkandidat innerhalb der CDU: 44-Jähriger aus Tangstedt macht Bilsener Bürgermeister Kandidatur bei Landtagswahl 2022 streitig.

Tangstedt/Bilsen.  Es könnte die schwerste Wahl für Peter Lehnert werden. Er ist mit fast 29 Jahren Zugehörigkeit der dienstälteste Abgeordnete des Schleswig-Holsteinischen Landtages. Seit 1996 hat der 58 Jahre alte CDU-Abgeordnete, der auch Bilsener Bürgermeister ist, den Wahlkreis Pinneberg-Nord sechsmal hintereinander gewonnen.

Zuletzt 2017 mit rund 13 Prozentpunkten Vorsprung vor dem SPD-Kandidaten Helge Neumann. Nie hatte der gebürtige Darmstädter Lehnert in dem mit 25 Kommunen größten Wahlkreis im Kreis Pinneberg parteiintern einen Gegenkandidaten. Das ändert sich jetzt zum ersten Mal. Lars Kuhlmann (44) aus Tangstedt fordert den Dauer-Abgeordneten in den eigenen Reihen heraus.

Landtagswahl 2022: Kuhlmann fordert Lehnert heraus

„Ist der Status quo das Beste für unser Land?“, fragt Kuhlmann in einem Schreiben, das dem Abendblatt vorliegt, an die 19 Ortsverbände im Wahlkreis, der mit 643 der 1626 Mitglieder auch die meisten CDU-Mitglieder im Kreis Pinneberg hat.

„Ein wichtiges Anliegen ist mir die Landwirtschaft“, betont Kuhlmann, der selbst Landwirt im Nebenerwerb ist und für einen Energiekonzern landesweit Projekte für Erneuerbare Energien entwickelt. Bei den Landwirten „muss die CDU verlorenes Vertrauen wiedergewinnen“, meint der Herausforderer, der von 2010 bis 2013 Vorsitzender des Kreisbauernverbandes war. „Ich sehe, dass die Bauern politisch heimatlos werden“.

Über seine Motivation, zu kandidieren, sagt Kuhlmann: „Ich möchte in der CDU ein paar Fenster aufreißen und für frische Luft sorgen.“

Kuhlmann möchte einen Schub für die CDU liefern

So sei die CDU „viel zu defensiv“ bei der Digitalisierung, wie sich zum Beispiel darin zeige, dass man für einen Bauantrag immer noch eine dreifache Ausfertigung in Papierform brauche. „Bei der Digitalisierung hinken wir hinterher“, so Kuhlmann. „Bei den Erneuerbaren Energien kann die CDU einen Schub gebrauchen, den ich gut liefern könnte.“

In der CDU fühlt sich Kuhlmann gut vernetzt; 2019 wurde er „mit dem besten Wahlergebnis aller Kandidaten“ zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden. Zuvor hatte er auf Rang 2 der Landeswahlliste 26,1 Prozent der Stimmen für die CDU bei der Europawahl erreichen können. Als Wahlkreis komme für ihn nur Pinneberg-Nord infrage. „Da wohne ich. Hier bin ich geboren und gut vernetzt. Hier kenne ich mich aus.“

Seinen Parteifreund Lehnert habe er bereits telefonisch über sein Vorhaben informiert, sagt Kuhlmann. Der sei „überrascht“ gewesen. „Aber ich sehe das nicht als Majestätsbeleidigung, sondern möchte die CDU modernisieren.“

Lehnert verweist auf seinen großen Einfluss in Kiel

Lehnert sagt: „Dann ist das eben so. Das ist das demokratische Grundrecht eines jeden, zu kandidieren.“ Er verweist darauf, dass er 1992, als er aus Pinneberg noch über die Landesliste für Reimer Böge nachgerückt war, „der jüngste Abgeordnete“ in Kieler Landtag gewesen sei und inzwischen als stellvertretender Fraktionschef großen Einfluss auf die Landespolitik habe.

Zuletzt sei er 2016 im Wahlkreis ohne Gegenkandidaten mit 200 Ja-Stimmen für die Wiederwahl nominiert worden. Und auch die 19 Ortsverbände, die er jüngst über seine abermalige Kandidatur für die Landtagswahl 2022 informierte, hätten darauf durchweg positiv reagiert. „Ich bin zuversichtlich“, sagt Lehnert. „Alle Ortsverbände unterstützen mich.“

CDU-Kreisvorsitzender Christian von Boetticher gibt sich nach außen neutral. Herausforderer Kuhlmann habe einen guten Europawahlkampf bestritten. Lehnert wiederum sei ein langjähriger erfahrener Abgeordneter, der ein hohes Ansehen in Kiel genieße und im Wahlkreis „gut verankert“ sei. Da würde er eigentlich jeden Herausforderer warnen, dass eine Gegenkandidatur „ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen“ werden könnte, so von Boetticher. „Aber ein jeder ist seines Glückes Schmied.“

Lehnerts Vorgänger unterstützt Kuhlmann

Einer von Kuhlmanns größten Fürsprechern ist ausgerechnet Rainer Ute Harms, der als Landtagsabgeordneter (1971 bis 1988) und Bilsener Bürgermeister (1974 bis 2012) jeweils der Amtsvorgänger Lehnerts war. Der 80-Jährige sagt: „Lars Kuhlmann ist ein richtig guter Mann. Er ist sehr bodenständig und kennt sich gut in den Dörfern aus.“

Was in dem sehr ländlich geprägten Wahlkreis besonders wichtig sei. Das Landleben sei wie eine große Familie. „Damit muss man umgehen können“, so Harms. Wer aus der Stadt komme, könnte das nicht so gut. „Lars Kuhlmann würde es sehr gut machen. Zu Herrn Lehnert äußere ich mich nicht“, sagt dessen Trauzeuge.

Im Wahlkreis wird die Herausforderung bei der Kandidatur begrüßt. Quickborns CDU-Parteichef Bernd Weiher sagt: „Es ist immer gut, wenn es mehrere Kandidaten gibt. Ich bin da offen und habe keine Präferenzen.“ Ernst-Reimer Saß, der dem CDU-Parteivorstand in Barmstedt angehört, sagt: „Ich sehe das positiv, wenn es Menschen gibt, die sich zur Wahl stellen und Verantwortung übernehmen wollen.“ Wenn es auf Anhieb für den Herausforderer nicht klappen sollte, habe der sich zumindest schon mal ins Gespräch gebracht, so Saß. „Ich schätze, für Lehnert wird es die letzte Legislaturperiode.“

Der Wahlkreis – und wer sonst noch Ambitionen hat

Zum Wahlkreis Pinneberg-Nord gehören 25 Kommunen. Er erstreckt sich von Rellingen über Quickborn und Barmstedt sowie die Ämter Pinnau, Rantzau und Hörnerkirchen bis nach Helgoland.

Die Kandidaten für die Landtagswahl im Jahr 2022 will die CDU in diesem Frühjahr aufstellen, kündigt der Kreisvorsitzender Christian von Boetticher an. Es sei noch nicht entschieden, ob wie bisher auf vier einzelnen Versammlungen oder einer gemeinsamen Mitgliederversammlung für alle vier Wahlkreise.

Nicht nur in Pinneberg-Nord ist unklar, wer für die CDU antritt. Im Wahlkreis Elbmarsch, für den die Landtagsabgeordnet Barbara Ostmeier aus Hetlingen nicht mehr kandidiert, möchten Martin Balasus aus Moorrege und Julian Fresch aus Wedel nachrücken.

Im Wahlkreis Elmshorn hat Birte Glißmann erklärt, wieder antreten zu wollen.

Im Wahlkreis Pinneberg-Schenefeld möchte der Pinneberger Torsten Hauwetter (51) kandidieren.

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