Kreis Pinneberg

Von einem, der sein Auto verkaufte und Falschgeld bekam

Falsche Fünfziger.

Falsche Fünfziger.

Foto: Fabian Sommer / picture alliance / Fabian Sommer/dpa

Quickborner fällt auf mutmaßlichen Betrüger rein. Der steht jetzt vor Gericht. Wie eine Richterin nach der Wahrheit sucht.

Pinneberg/Quickborn.  Norman S. hat den Skoda-Kombi seiner Familie über mobile.de verkauft. 10.500 Euro bekam er dafür in bar. Doch am Tag danach der Schock: Der Käufer hatte den Quickborner komplett mit Falschgeld bezahlt. Kemogo D. (26), er soll der Käufer gewesen sein. Seit Dienstag muss sich der Deutsche mit afrikanischen Wurzeln vor dem Amtsgericht Pinneberg wegen Betruges verantworten.

Zu Prozessbeginn blieb der Platz auf der Anklagebank leer. Kemogo D. und ein ebenfalls dunkelhäutiger Bekannter nahmen im Zuschauerraum Platz. Die Richterin Dagmar Trüller rief alle Zeugen gleichzeitig herein und forderte sie auf, sich die beiden Männer genau anzusehen. Später musste jeder Zeuge, der den Angeklagten wiedererkannt hatte, genau begründen, woran er oder sie dies festmachten.

Drei Zeugen haben den Angeklagten gesehen

Drei Zeugen hatten den Autokäufer gesehen. Norman S. und seine Lebensgefährtin Cornelia L., die das Geschäft an diesem 31. März 2019 gemeinsam abwickelten. Und der Hamburger Autohändler Ahmad W., an den Kemogo D. den Skoda einige Tage später weiterverkauft haben soll. Alle drei gaben vor Gericht an, den Angeklagten mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederzuerkennen. Bei den beiden Verkäufern war das zuvor nicht der Fall gewesen. Als ein Polizist ihnen Lichtbilder möglicher Täter vorlegte, waren sie sich nicht sicher.

Kemogo D. ließ über seine Anwältin Andrea Anisic erklären, sich nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Autoverkäufer Norman S. berichtete von einem Telefonanruf des späteren Käufers. Seine Telefonnummer hatte der Quickborner in der Internet-Verkaufsanzeige vermerkt. „Wir haben dann schnell einen Termin für eine Besichtigung vereinbart.“ Der Käufer sei ihm sympathisch gewesen, habe viel von sich und seiner Familie erzählt.

Falschen Namen in den Kaufvertrag eingetragen

Noch wichtiger: Er war von dem Fahrzeug begeistert und wollte es gleich zum geforderten Preis mitnehmen. „Er hat mit einem Bekannten telefoniert, der rote Kennzeichen vorbeibringen wollte. Das alles klang logisch.“ Der 39-jährige Quickborner druckte einen Kaufvertrag aus dem Internet aus, setzte seine Daten ein. Den Rest übernahm der Käufer, der aber einen Fantasienamen und eine falsche Telefonnummer eintrug.

Ob er sich denn nicht den Personalausweis oder wenigstens den Führerschein des Erwerbers habe zeigen lassen, fragte die Richterin. „Nein, leider nicht“, bekannte Norman S. kleinlaut. Der Autokäufer habe vertrauenswürdig gewirkt, er habe keine Zweifel gehabt.

Die Fünfziger rochen penetrant

Seine Freundin Cornelia L. dagegen hatte zumindest „ein ungutes Gefühl“, wie die 41-Jährige vor Gericht sagte. „Ich habe das Geld gezählt und hatte das Gefühl, dass die 50-Euro-Scheine irgendwie unterschiedlich aussehen.“ Auch sei von dem Geldbündel mit fast ausschließlich 50-Euro-Scheinen ein „penetranter Geruch“ ausgegangen.

Nikolay G. (34) ist Mitarbeiter einer Bank am Altonaer Bahnhof, bei der Norman S. das Geld am Tag nach dem Autoverkauf einzahlen wollte. „Ich habe die Scheine in unsere Geldzählmaschine gelegt“, so der Bankmitarbeiter. Alle seien in dem Fach für Falschgeldverdacht gelandet. „Ich habe die dann alle per Hand gezählt, die waren eindeutig falsch“, so der 34-Jährige. Die Blüten seien von sehr guter Qualität gewesen, ein Laie habe sie nicht von echtem Geld unterscheiden können. Er habe dann dem Kunden gesagt, er müsse kurz zur Toilette. Stattdessen habe er die Polizei gerufen.

Bankangestellter rief die Polizei

Als die Beamten eintrafen, fiel Norman S. aus allen Wolken. „Es war der 1. April, ich habe erst an einen April-Scherz geglaubt und nach der versteckten Kamera gesucht.“ Erst am Tag danach sei ihm langsam bewusst geworden, auf einen Betrug hereingefallen zu sein.

Das passierte einige Tage später dann auch Ahmad W. (45), der einen Autoan- und -verkauf in Hamburg-Marienthal besitzt. „Der Kunde hatte Fahrzeugbrief, Fahrzeugschein, die Originalschlüssel und alle weiteren Unterlagen.“ Ihm sei nur aufgefallen, dass die Person, die das Auto verkaufen wollte, nicht im Fahrzeugbrief stand. Der 45-Jährige kaufte den Skoda dennoch zu einem sehr guten Preis und verkaufte ihn einige Tage später nach Polen weiter. Bei der Abholung der Überführungskennzeichen in der Hamburger Zulassungsstelle kam heraus, dass der Wagen gestohlen war.

Verteidigerin spricht von „dünner Beweislage“

Verteidigerin Anisic sprach von einer „vagen Identifizierungsleistung“ seitens der Zeugen und einer „dünnen Beweislage“. So seien auf dem Kaufvertrag keine Fingerabdrücke des Angeklagten gefunden worden. Lediglich auf einem Geldschein sei ein Daumenabdruck gesichert worden, der von den allgemeinen Merkmalen zu Kemogo D. passe. Staatsanwältin Thiel dagegen hatte mit der Identifizierung des Angeklagten durch die Zeugen keine Schwierigkeiten.

Sie beantragte, noch einen Beamten des Landeskriminalamtes als Zeugen zu hören. Er hatte den Angeklagten im Februar diesen Jahres in einem Hamburger Gefängnis, in dem der 26-Jährige eine Haftstrafe in anderer Sache absaß, zu dem Falschgeld-Fall befragt. Die Aussage soll am kommenden Freitag erfolgen, dann ist auch ein Urteil vorgesehen. Gegen den Angeklagten laufen in Hamburg noch zwei weitere Gerichtsverfahren – wegen Diebstahl von Autofelgen und Betrug mit einer Firmentankkarte.