Kreis Pinneberg

Mit gesunder Ernährung fit durch den Winter

Ernährungsberaterin Pia Roemmling-Küchler (30) mit zehn Lebensmitteln, die im Winter gesund halten.

Ernährungsberaterin Pia Roemmling-Küchler (30) mit zehn Lebensmitteln, die im Winter gesund halten.

Foto: Alexander Sulanke

Die Ernährungsberaterin Pia Roemmling Küchler aus Schenefeld lehrt an der Volkshochschule. Das sind ihre Empfehlungen für die kalte Jahreszeit.

Schenefeld.  Pia Roemmling-Küchler hat angerichtet, nun liegen ein knall-organgefarbener Kürbis, Kohl, Salat, Ingwer, Knoblauch, Obst und Nüsse vor ihr auf dem Tisch. Sehr dekorativ, vor allem aber: sehr gesund. „Insbesondere in der bevorstehenden kalten Jahreszeit ist gesunde Ernährung enorm wichtig“, sagt die Ernährungsberaterin aus Schenefeld, die zu diesem Thema Kurse auch an der Volkshochschule anbietet. Das Immunsystem lasse sich durch die richtige Ernährung stärken, damit erhöhe sich der Schutz vor Infektionen im Winter, ergänzt die 30-Jährige, die auch Physiotherapeutin ist.

Doch was ist die richtige Ernährung, und warum? „Es ist zunächst mal wichtig, seinen Körper nicht zu überfüttern und somit gleichzeitig zu überfordern“, sagt Roemmling-Küchler. „Natürlich braucht man genügend Nahrung, um den notwendigen Energiebedarf abzudecken, doch jedem sollte bewusst sein, dass der Körper Zeit braucht, um alles zu verdauen. Die entscheidende Menge macht’s.“

Und natürlich die richtigen Zutaten. Die große Portion Kartoffeln, der große Nudelteller gehören für die Ernährungsberaterin definitiv nicht dazu. Nach so einer Mahlzeit fühlen sich viele ja auch etwas erschlagen und müde. Warum eigentlich? „Das liegt daran, dass die hohe Kohlenhydratzufuhr eine sehr anspruchsvolle Verdauung verursacht, was nicht zum eigentlichen Ziel führt, Energie zu sich zu nehmen. Das genaue Gegenteil ist der Fall.“

„Natürlich brauche der Körper auch Kohlenhydrate, aber kleine Mengen reichten vollkommen aus. Wichtig für ein starkes Immunsystem seien vor allem Vitamine. Insbesondere Vitamin C brauche der menschliche Körper, das helfe dabei, Eisen aufzunehmen. Nun kommen das Obst und das Gemüse vor ihr auf dem Tisch ins Spiel. Regionale Produkte mit kurzen Transportwegen enthielten vergleichsweise viele Vitamine. Wer es kann, und das ist Pia Roemmling-Küchlers Geheimtipp, sollte im eigenen Garten oder auf dem Balkon selbst Obst und Gemüse anbauen. Frischer und insofern vitaminreicher gehe es nicht.

Und was ist mit Süßigkeiten? Auf kleine Naschereien müsse niemand „komplett verzichten“, sagt die Expertin. Aber auch hier komme es auf das richtige Maß an. Ein- bis zweimal in der Woche ein Stückchen hält die Schenefelderin für angemessen. Zartbitterschokolade sei dabei gesünder, da kakaohaltiger und mit weniger Zucker. Durch den hohen Kakaoanteil schütze sie außerdem vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber: „Mandarinen und Nüsse sind auch lecker – und sogar gesund.“

„Essen to go“ ist oft besonders ungesund

Pia Roemmling-Küchler beobachtet ein widersprüchliches Verhalten in der Gesellschaft. Zwar sei ein gesunder Lifestyle aktuell im Trend, und viele versuchten, sich ihm anzuschließen, doch trotzdem sei das Angebot an ungesundem Essen und vor allem an Süßigkeiten sehr hoch. Gerade Kinder sollte eine ungesunde Lebensweise nicht gleich in die Wiege gelegt werden. Der Körper gewöhne sich enorm schnell an Zucker, da sich die Rezeptoren der Zunge an ihn anpassen würden.

Ein weiteres Problem sieht die Schenefelderin in der To-Go-Mentalität mit entsprechend großem Angebot. Viele Menschen holten sich beispielsweise in ihrer Mittagspause ein Gericht zum Mitnehmen, das sie dann auch noch möglichst schnell verzehrten. „Dabei ist es wichtig, in Ruhe zu essen“, sagt die Ernährungsberaterin. „Essen ist nichts, das man nebenbei oder zwischendurch machen sollte. Sondern es handelt sich dabei um eine Tätigkeit, die wichtig für den Körper ist und die von den Sinnen voll und ganz wahrgenommen werden sollte.“ Damit man das Sättigungsgefühl überhaupt spürt, sei langsames Essen deutlich besser. Anderenfalls bestehe die Gefahr, Mengen zu sich zu nehmen, die der Körper gar nicht benötigt. Und auch der Genuss gehe dabei verloren.

Was noch hinzukommt: Beim To-Go-Essen handele es sich häufig um Kohlenhydratbomben, sei es ein Brötchen vom Bäcker oder eine Nudelbox vom Italiener. Hauptsächlich handele es sich dann auch noch um Weizen, was die Ernährung sehr einseitig mache. Roemmling-Küchler: „Menschen, die viel sitzen, benötigen noch weniger Kohlenhydrate.“

Die Top 10 der gesunden Lebensmittel

Kürbis: Eine Portion Kürbis täglich führt zur natürlichen Versorgung des Körpers mit dem zellschützenden Vitamin A. Er enthält auch die gesunden Inhaltsstoffe Vitamin C und E und ist sehr kalorienarm.

Blumenkohl: Er enthält reichlich B-Vitamine und Vitamin C, und die vielen enthaltenen Ballaststoffe stillen für lange Zeit den Hunger. Es gibt Aussagen, dass er durch den Inhaltsstoff Sulforaphan auch krebshemmende Wirkungen habe.

Apfel: Neben etlichen Mineralstoffen und Spurelementen enthält er rund 30 verschiedene Vitamine. Der hohe Anteil an Provitamin A sorgt für eine gesunde Zellbildung, für eine gute Abwehr gegen Bakterien, Viren und Parasiten und sorgt für ein voll funktionsfähiges Immunsystem.

Knoblauch: Er stärkt die Abwehrkräfte, senkt den Blutdruck, fördert die Durchblutung und schützt den Körper daher vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Feldsalat: Ein typischer Wintersalat, gut geeignet als Ausgleich zu den „Winter-Naschereien“.

Ingwer: Der rohe Verzehr fördert die Durchblutung, hilft gut gegen Husten und reduziert Gelenkschmerzen. Außerdem liefert er sehr wichtige Nährstoffe wie Eisen, Phosphor und Magnesium sowie wichtige Vitamine und das äußerst gesunde Gingerol, das sogar gegen Krebs helfen soll.

Nüsse: Vor allem Haselnüsse fördern aufgrund der hohen Bildungsrate von Serotonin die innere Ruhe, Entspannung und Zufriedenheit, was in einer häufig stressigen Vorweihnachtszeit wertvolle positive Effekte sind. Walnüsse enthalten Phytosterol, das eine entzündungshemmende Wirkung hat.

Blaubeeren: Eine Studie des King´s College in London bewies, dass 200 Gramm Blaubeeren täglich den Blutdruck senken. Der Effekt soll sogar so stark sein wie der blutdrucksenkender Medikamente.

Birne: Sie enthält sehr viel Vitamin C und viele wichtige Mineralstoffe. Durch den hohen Gehalt an Kalium wirkt sie entwässernd und lindert Nieren- und Blasenprobleme.

Rotkohl: Er liefert viele Vitamine und Mineralstoffe. Der Verzehr von rohem Rotkohl ist deutlich gesünder, da viele Vitamine beim Kochen verloren gehen.

Kurse: Pia Roemmling-Küchler bietet, unter anderem an der Volkshochschule Schenefeld, immer wieder Kurse und Seminare zu den Themen Ernährung, Bewegung und Gesundheit im Allgemeinen an. Auch die sechs anderen Volkshochschulen im Kreis Pinneberg schreiben sich das Thema gesunde Ernährung regelmäßig auf die Agenda.