Forschung

European XFEL bietet jetzt „Home-Lasern“ an

Im Lasertunnel bei European XFEL machen Lichtblitze vieles sichtbar, was Forschern bislang verborgen geblieben ist.

Im Lasertunnel bei European XFEL machen Lichtblitze vieles sichtbar, was Forschern bislang verborgen geblieben ist.

Foto: Fred Dott

Forscher müssen nicht mehr vor Ort sein, sondern können ihre Experimente in Schenefeld aus aller Welt live verfolgen.

Schenefeld.  Nach gut fünf strahlenfreien Monaten geht der Super-Röntgenlaser bei European XFEL in Schenefeld wieder in Betrieb. Externe Forscher, die im Lichte von 27.000 Blitzen pro Sekunde Details aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Themengebieten sichtbar machen können, sind wieder willkommen.

960 Stunden sogenannte Strahlzeit sind in diesem Jahr noch geplant, teilte die Einrichtung am Mittwoch mit. 98 Bewerbungen lägen vor, wegen der Corona-Pandemie hätten aber nur 16 berücksichtigt werden können, etwa halb so viele wie in der vorangegangenen Strahlzeit.

Es geht dabei um die Erforschung umweltfreundlichen Pflanzenschutzes durch Nutzung von bakteriellen Insektiziden, um Untersuchungen schneller elektronischer Veränderungen des für den Stoffwechsel wichtigen Vitamins Coenzym B12, aber auch um Forschung zur Lungenkrankheit Covid-19.

In den vergangenen Monaten die Technik optimiert

Allerdings werden weniger Wissenschaftler als angedacht vor Ort sein, denn viele von ihnen können ihre Experimente jetzt aus der Ferne verfolgen.“Home-Lasern“ gewissermaßen. Dafür hat das XFEL-Team in den vergangenen Monaten die Voraussetzungen optimiert. „Diese Arbeiten sind für die Anlage von entscheidender Bedeutung, und wir werden auf Jahre hinaus davon profitieren, unabhängig davon, ob künftig mehr Nutzer ihre Experimente aus der Ferne begleiten werden oder wir uns langsam wieder für mehr Präsenz der Nutzer vor Ort öffnen“, sagt Sakura Pascarelli, wissenschaftliche Direktorin.

Die Beteiligung der externen Forscher per Datenverbindung und das Arbeiten unter den Beschränkungen der Corona-Pandemie bringe neue Herausforderungen mit sich. „Die Teilnahme von Nutzern, die nicht vor Ort sind, erfordert viel mehr Vorbereitung als nur die Einrichtung von Video- oder Webkonferenzen“, sagt Pascarelli. „Sie sollen während des gesamten Experiments den Überblick über das Geschehen haben.“ Das bedeute eine kontinuierliche Kommunikation, teilweise über mehrere Zeitzonen und Tage hinweg. Es bedeute auch, Zugang zu Daten und Analysesoftware zu gewähren und dafür zu sorgen, dass entstandene Bilder live betrachtet werden können. Pascarelli: „Das ist wichtig, insbesondere wenn unerwartete Ergebnisse erzielt werden, wenn Beobachtungen von Vorhersagen abweichen und Entscheidungen über das weitere Vorgehen getroffen werden müssen.“