Schenefeld

So sieht der Plan für das XFEL-Gästezentrum aus

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Nico Binde
Der Entwurf, der an einen Vorhang zur Wissenschaft erinnern soll, enthält Ausstellung, Schülerlabors und Veranstaltungsräume.

Der Entwurf, der an einen Vorhang zur Wissenschaft erinnern soll, enthält Ausstellung, Schülerlabors und Veranstaltungsräume.

Foto: Jost Hauer, loomn architektur vi / European XFEL

Der Entwurf für das 11 Millionen Euro teure Haus im Kreis Pinneberg steht fest. Besucher und Schüler sollen dort Wissenschaft erleben können.

Schenefeld. Wie ein Theatervorhang soll der Eingang wirken. Die Botschaft: Hier öffnet sich die Wissenschaft für Besucher. Diese Idee steckt hinter dem Siegerentwurf für das neue Konferenz- und Besucherzentrum auf dem Forschungscampus des European XFEL in Schenefeld. Eine Ausstellung, Schülerlabors, Seminarräume und ein großer Mehrzweckraum für größere Veranstaltungen und Vorträge sollen in dem Neubau Platz finden. Für 11 Millionen Euro wird vom Jahr 2021 an ein ansprechendes, weltoffenes Entree für die internationale Forschungsanlage gebaut. Vor­aussichtliche Eröffnung: 2023.

Wie die Verantwortlichen des XFEL-Röntgenlasers mitteilen, ist die Gebäudeplanung in die Hände des Münsteraner Architekturbüros DBCO gelegt worden. Der Auftrag für die Ausstellungsplanung wurde an die Archimedes Exhibitions GmbH in Berlin vergeben. Laut Unternehmensangaben werde nun die Detailplanung für das Gebäude und die Ausstellung umgesetzt, damit in einem Jahr mit dem Bau begonnen werden kann.

Das neue, zweigeschossige Besucherzentrum hat sich inhaltlich zum Ziel gesetzt, über den weltgrößten Röntgenlaser und die damit verbundene Forschung zu informieren. Eine interaktive Ausstellung auf etwa 350 Quadratmetern soll im Erdgeschoss durch Führungen und Veranstaltungen ergänzt werden. In der ersten Etage können Schüler nach Fertigstellung des Hauses in zwei Schülerlabors in diversen naturwissenschaftlichen Disziplinen wie Physik und Biochemie experimentieren. Auch die Räume für wissenschaftliche Konferenzen, Workshops und öffentliche Veranstaltungen sind in der ersten Etage geplant.

Der ausgewählte Entwurf seit „rollstuhlgerecht“, der Baustoff soll ausschließlich aus nachhaltigen Materialien bestehen. Das neue Besucherzentrum werde nach dem sogenannten Cradle-to-Cradle-Prinzip errichtet, was so viel bedeutet wie: Das Recycling der Baumaterialien werde vereinfacht. Die Fassade symbolisiert wie angedeutet einen aufsteigenden Vorhang, hinter dem die Wissenschaft auf die Bühne tritt.

Im Inneren tüftelt die beauftragte Archimedes Exhibitions mit dem Unternehmen European XFEL an einer interaktive Ausstellung. Herzstück soll ein großes Modell des European XFEL bildet. Leicht verständlich soll dort die komplexe Anlage in den unterirdischen Tunneln erklärt werden.

Um atomare Details von Proben zu erforschen, werden in der 3,4 Kilometer langen, 1,25 Milliarden teuren Anlage bekanntlich bis zu 27.000 Röntgenlaserblitze pro Sekunde erzeugt. Sie erreichen eine milliardenfach höhere Leuchtstärke als die der besten anderen Strahlungsquellen, womit Biomoleküle, die bei Krankheiten eine Rolle spielen oder Katalysatoren, die Wasserstoff erzeugen, erforscht werden können. Auch magnetische Strukturen, die im Quantencomputing eingesetzt werden können, gehören zum Wissenschaftsfeld der 2017 in Betrieb genommenen Schenefelder Anlage.

European-XFEL-Geschäftsführerin Nicole Elleuche nannte die nun vorgestellten Entwürfe „exzellent“ und „kreativ“. Sie freue sich auf die kommenden Monate, in denen Ausstellung und Gebäude ihre endgültige Gestalt annehmen werden. „Wir hoffen, ab 2023 die ersten Besucher in dem Gebäude begrüßen zu können, um so unsere Forschung mehr Menschen als bisher zu präsentieren und die nächste Generation von Wissenschaftlern zu inspirieren.“ Perspektivisch kann später sogar ein Besuch des „Desyum“, das auf dem benachbarten Campus des Forschungszentrums DESY in Bahrenfeld geplant ist, mit einem Abstecher zum European XFEL verbunden werden.

Der Großteil der Baukosten in Höhe von etwa 11 Millionen Euro für das XFEL-Besucherzentrum wird von den Gesellschaftern des internationalen Forschungszusammenschlusses getragen. Neben Deutschland sind an XFEL auch Frankreich, Italien, Polen, Russland, Schweden, die Schweiz, die Slowakei, Spanien, Ungarn und das Vereinigte Königreich beteiligt. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt das Projekt mit zwei Millionen Euro und einer Lehrerstelle für die Schülerlabors.

Momentan beschäftigt der XFEL-Röntgenlaser mehr als 450 Mitarbeiter. Forschergruppen aus aller Welt können an dem europäischen Vorzeigemodell atomare Details von Viren und Zellen entschlüsseln, dreidimensionale Aufnahmen im Nanokosmos machen oder chemische Reaktionen filmen und Vorgänge im Inneren von Planeten untersuchen.

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