Umwelt

Der Feldhase kehrt in den Kreis Pinneberg zurück

| Lesedauer: 5 Minuten
Nico Binde
Ein Hase hält am frühen Morgen Ausschau. Sind irgendwo Feinde?

Ein Hase hält am frühen Morgen Ausschau. Sind irgendwo Feinde?

Foto: Sina Schuldt / dpa

Pünktlich zum Osterfest haben sich die Bestände des Feldhasen in der Region erholt. Die meisten Tiere leben in der Marsch. Das sind die Gründe:

Kreis Pinneberg. Es gibt sie noch, die erfreulichen Nachrichten in diesen meist unerfreulichen Tagen. Denn was könnte mit Blick auf die Osterfeiertage erbaulicher sein als die Tatsache, dass sich der Feldhase als Ikone des weltlichen Osterfestes im Kreis Pinneberg anscheinend wieder enorm wohl fühlt? Eben.

Wie die Jägerschaft des Kreises jedenfalls berichtet, hat sich die Feldhasenpopulation in den vergangenen zwei Jahren deutlich erholt, und zwar so sehr, dass stellenweise bis zu 22 Tiere auf einem Quadratkilometer leben. Nachdem die Bestände in den Jahren 2011 bis 2013 landesweit eingebrochen waren, konnten die Langohren mit landesweit nunmehr 250.000 Tieren allein im Vergleich zum Vorjahr sechs bis 21 Prozent zulegen – je nach Lebensraum. Denn für die Zählung ist es bedeutsam, ob ein Hase in der Marsch, in der Geest oder im Hügelland zu finden ist. So leben in der Marsch momentan durchschnittlich die meisten Hasen auf einem Quadratkilometer, in der Geest sind es dagegen nur 14.

Die Jäger in ganz Schleswig-Holstein zählen in regelmäßigen Abständen im Frühjahr und im Herbst die Hasen in ihren Revieren, und zwar per sogenannter „Scheinwerfertaxation“. Dabei werden nachts mit großen Scheinwerfern einzelne Felder abgeleuchtet und dann die Zahl der Hasen ermittelt. „Dazu gehört natürlich eine ganze Menge Erfahrung – es sollen ja auch keine Tiere doppelt erfasst werden“, sagt der Lutzhorner Wolfgang Heins, Kreisjägermeister in Pinneberg und Präsident des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein.

Als Gründe für die deutliche Erholung von Lepus Europaeus im Kreis nennen die Jäger zum einen äußere Einflüsse. So hätten die zwei ausgesprochen milden Frühjahre der Vergangenheit die Bestandsvergrößerung der Feldhasen stark begünstigt. Zum anderen seien die Jäger auch nicht unbeteiligt gewesen. „Wir Jäger haben durch die Bejagung auf den Fuchs oder Marder und das Anlegen von Blühflächen ebenfalls unseren Anteil an dem Erfolg“, so Heins. „Das freut uns als Landesjagdverband Schleswig-Holstein natürlich sehr.“

Die Daten aus den Scheinwerferzählungen werden wiederum direkt an das Wildtier-Kataster Schleswig-Holstein gemeldet. Dort werden sie gesammelt, verarbeitet und ausgewertet. Uns so ergibt sich ein für den Osterboten ein sehr erfreuliches Gesamtbild. Die Experten stellen zumindest fest: „Dank der trockenen Frühlingsmonate, entscheidend sind die Monate März bis Mai, konnte die Hasenpopulation in einigen Regionen um ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr zulegen.“

Der Feldhase bevorzugt Felder, Wiesen, Waldränder und Knicks, also genau die Landschaft, die ihm der Kreis Pinneberg durchaus in Fülle bieten kann. In seinem Nest, der sogenannten Sasse, gebären Feldhasenmütter überirdisch ihre Jungen – nicht wie die verwandten Kaninchen in einem tunnelartigen Bausystem. Die Jungtiere werden mit Fell und offenen Augen geboren, die Wurfstärken variieren stark. Manchmal wird nur eines geboren, es können aber auch bis zu sechs Jungtiere auf einmal zur Welt kommen. Forscher haben bei Artverwandten festgestellt, dass sich die Wurfgröße tatsächlich an vorhandenen Feinden orientiert – je mehr Raubtiere im Revier sind, desto kleiner der Wurf. Die Hasen, so die Experten, würden so das Futter ihrer Feinde verknappen und sie damit zum Umzug zwingen.

In trockenen, milden Wintern sind die ersten Junghasen nach einer Tragzeit von 42 Tagen schon Ende Februar in den Sassen. Aber auch jetzt, Anfang April, weisen die Jäger im Kreis Pinneberg darauf hin, die kleinen Feldhasen nicht zu stören. „Damit sie gefahrlos aufwachsen können, bitten wir alle Hundehalter, ihre Hunde jetzt in der Brut- und Setzzeit immer an der Leine zu führen“, so Heins.

Wie gut es den Feldhasen geht, lässt sich auch in der Wildtierauffangstation Hamburg-Schleswig-Holstein in Klein Offenseth-Sparrieshoop ablesen. Dort werden in diesem Jahr viele Junghasen versorgt. Straßenverkehr oder eben wildernde Hunde und Katzen lassen nämlich so manches Hasenbaby zu Waisen werden. Und dann kommen die Tierexperten im Norden des Kreises Pinneberg ins Spiel. „Wir bekommen im Jahr 40 bis 50 junge Hasen“, sagt Christian Erdmann, Leiter der Station. Zuletzt hatten sie ein Jungtier sogar per Kaiserschnitt auf dei Welt geholt.

„Die Aufzucht junger Feldhasen ist schwierig“, sagt Erdmann. „Denn sie sind sehr empfindlich.“ Zum einen müssen sie fünfmal am Tag per Mundspritze mit spezieller Ersatzmilch gefüttert werden. Zum anderen brauchen sie schon in den ersten Tagen Kräuter, viele Kräuter. 67 unterschiedliche Pflanzen stehen in freier Wildbahn auf der Speiseliste des Feldhasen. Bei der Aufzucht muss also auch auf ausgewogene Kost geachtet werden, weshalb die Heranwachsenden zusätzlich mit Vogelmiere, Sauerampfer und Spitzwegerich aufgepäppelt werden.

Auch in der Wildtierstation betten sich die Tiere in einer Mulde auf gewaschenem Sand unter einem stabilen Drahtgehege. Wie in der Natur sind sie dort vor Füchsen, Mardern und Greifvögeln sicher. In die Freiheit, zu ihren inzwischen wieder zahlreichen Artgenossen, kommen die kleinen Fundfeldhasen nach zwei bis drei Monaten. Dann haben sie ein Gewicht von ungefähr 400 Gramm, hoppeln schnell weg und kommen relativ nahtlos auch im Freiland zurecht – als einer von geschätzt drei Millionen Feldhasen in Deutschland.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg