Pinneberg
Kreis Pinneberg

Corona: 122 Infizierte – und eine genesene Frau

Das Wedeler Hafenfest wird vorerst verschoben, ebenso wie der Ochsenmarkt.

Das Wedeler Hafenfest wird vorerst verschoben, ebenso wie der Ochsenmarkt.

Foto: HA

Elf Patienten wegen Covid 19 im Kreis Pinneberg im Krankenhaus. Wedel verschiebt Hafenfest und Ochsenmarkt. Neuer Termin für Musiktage.

Kreis Pinneberg. Die Zahl der Coronavirus-Infizierten steigt im Kreis Pinneberg unaufhörlich – am Mittwoch meldete das Gesundheitsamt sieben Neuinfektionen in 24 Stunden. Damit steigt die Gesamtzahl der Coronapatienten auf 122. Erstmals teilte der Kreis auch die stationären Behandlungen mit. Demnach liegen derzeit elf Patienten wegen der neuartigen Lungenkrankheit Covid 19 in den Krankenhäusern des Kreises.

Unterdessen gibt es aber auch eine zuversichtlich stimmende Neuigkeit: Die am Covid 19 erkrankte Mitarbeiterin aus der Wedeler Stadtverwaltung ist wieder genesen und auch wieder im Dienst, sagte Stadtsprecher Sven Kamin dem Abendblatt. Zuvor habe es eine Freigabe vom Kreisgesundheitsamt gegeben. Seit Mittwoch seien zudem alle Fachdienstkollegen, die wegen des Kontakts zur positiv getesteten Mitarbeiterin vorsorglich in 14-tägiger Quarantäne waren, wieder an Bord, so Kamin weiter. „Ihre Tests waren alle negativ. Sie freuen sich, dass sie jetzt aus der Quarantäne dürfen.“

Die Mitarbeiterin war von einer Reise aus einem Risikogebiet, auf der sie Kontakt zu einer infizierten Person hatte, nach Wedel zurückgekehrt und habe anschließend einen Tag lang im Rathaus gearbeitet. Kundenkontakt hatte sie keinen, deswegen mussten nur die Kontaktpersonen aus der Verwaltung in häusliche Quarantäne. Im Rathaus geht der Betrieb laut Kamin nun mit den vorgegebenen Einschränkungen weiter. Zur Sicherheit der Mitarbeiter wurde ein Schichtsystem eingeführt, damit Kollegen aus einer Fachabteilung keinen Kontakt zueinander haben. Da bestimmte Aufgaben wie das Ausstellen von Ausweisen nicht im Homeoffice erledigt werden können, arbeiteten die zuständigen Mitarbeiter nach vorheriger Terminvergabe unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen vor Ort.

Wedel verschiebt Hafenfest und Ochsenmarkt

Zwei beliebte Großveranstaltungen in Wedel fallen der Ausnahmesituation durch die Corona-Krise zum Opfer – zumindest vorläufig. Sowohl das Hafenfest als auch der Ochsenmarkt können nicht wie geplant stattfinden.

Der Wedeler Ochsenmarkt mit dem Mittelalterfest hätte eigentlich vom 1. bis zum 3. Mai in der Stadt Einzug halten sollen. Das Hafenfest war für den 5. bis 7. Juni geplant. Da derzeit nicht absehbar ist, wie lange die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus’ noch aufrechterhalten werden, seien Veranstaltungen in den Monaten Mai und Juni nicht garantiert haltbar, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. Kurzfristige Absagen könnten Veranstalter und Schausteller jedoch deutlich heftiger treffen, da sie unkalkulierbarer seien. Deswegen habe die Stadt beschlossen, bereits jetzt zu reagieren, so Stadtsprecher Sven Kamin.

Derzeit werde geprüft, ob eine oder sogar beide Veranstaltungen auf neue Termine nach den Sommerferien verlegt werden können. „Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn wir in der Zeit nach den Sommerferien schon wieder zum gemeinsamen Feiern zusammenkommen könnten“, sagt Wedels Bürgermeister Niels Schmidt. Und weiter: „Wir werden aber natürlich die Lage rund um das Coronavirus im Blick behalten. Wenn diese weiterhin Kontaktreduzierungen erfordert, um vor allem die Risikogruppen in unserer Gesellschaft zu schützen, dann ist es für uns keine Frage, dass wir zum Schutz der Menschen auch ein Jahr ohne Ochsenmarkt und Hafenfest verkraften.“

Für die Wedeler Musiktage gibt es einen neuen Termin

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Wedeler Musiktage, die eigentlich noch bis zum 29. März stattgefunden hätten, abgesagt werden. Nun teilen die Veranstalter mit: Ein Ersatztermin ist gefunden. Vom 18. bis zum 27. September sollen alle Konzerte nachgeholt werden. Wer bereits ein Ticket hat, kann sich freuen, denn die Karten behalten ihre Gültigkeit.

„Der Nachholtermin ist zwischen den Sommer- und den Herbstferien gelegen. Das ist ein gutes Zeitfenster“, sagt Matthias Dworzack, der neue musikalische Leiter des Festivals. Für sein Debüt hatte er vor allem auf Lokalkolorit gesetzt. Ob das Programm auch im Herbst aufrechterhalten werden kann? „Das ist unser Wunsch und auch die erklärte Absicht“, so Dworzack. „Wir sprechen derzeit mit allen Künstlern.“ Da manche Musiker an den geplanten Nachholtagen bereits andere Engagements hätten, könnten zwar einige Konzerte des jetzigen Ablaufplans getauscht werden, doch stattfinden sollen alle.

Wer einen Einblick ins Programm erhalten möchte findet online unter www.wedeler-musiktage.de Videoclips von Auftritten einiger Künstler, die auf dem Festival spielen. Dazu hat Dworzack als eine Art Einleitung kleine Info-Videos gestellt. An diesem Wochenende, an dem das Festival eigentlich geendet wäre, werden drei neue Kombi-Clips veröffentlicht. Laut Dworzack in Corona-Zeiten zumindest ein „kleines musikalisches Trostpflaster“.

Bäcker Schlüter verkauft jetzt Mehl und Toilettenpapier

Das Café ist zu, es kommen weniger Kunden, die Umsätze sinken. „In diesen außergewöhnlichen Zeiten müssen wir kreativ sein, um Einbußen aufzufangen und unser Personal weiter beschäftigen zu können“, sagt Tim Büsch, Inhaber von Bäcker Schlüter.

Das Halstenbeker Unternehmen nutzt in der Filiale an der Dockenhudener Chaussee den Platz, den sonst das Café einnimmt, jetzt für den Verkauf von Lebensmitteln. Es gibt dort Mehl, Salz, Zucker, Penne, haltbare Milch, Eier und auch Toilettenpapier. „Wir setzen auf eine Kooperation mit regionalen Anbietern und auf Synergieeffekte“, sagt Büsch. So stammten die verkauften Eier vom Hof Meyn in Quickborn, und es gebe bei Schlüter außerdem ein kleines Speisenangebot, das aus dem Goldschätzchen aus Prisdorf stamme.

„Das alles ist zwar nicht unsere Kernkompetenz, kann aber helfen, dass wir unsere Mitarbeiter nicht nach Hause schicken müssen“, sagt der Firmenchef. Was das Toilettenpapier angehe, habe es vermehrt Anfragen älterer Kunden gegeben, die sich deswegen nicht in überfüllten Supermärkten drängen wollten. Büsch: „Wir brauchen das ja sowieso für unsere Sanitärräume und beziehen das von unserem üblichen Lieferanten.“ Wie lange seine Vorräte ausreichen, weiß der Bäckereichef nicht.

Büsch spricht von überwiegend positiven Reaktionen auf das neue, befristete Angebot. „Sobald wir wieder unser Café öffnen können, stellen wir das natürlich wieder ein.

Wedel gibt Brücke über Binnenelbe frei

Trotz Corona-Krise werden die Infrastrukturprojekte im Kreis fertig. Aktuell kann einer Mitteilung der Stadt Wedel zufolge die neue Brücke über die Hetlinger Binnenelbe wie geplant an diesem Freitag wieder geöffnet werden. Damit werde auch die Straße Langer Damm für den Verkehr freigegeben. Die vor allem für der landwirtschaftlichen Verkehr bedeutsame Strecke ist somit wieder funktionstüchtig.

Die Stadt weist vor dem Hintergrund der Coronakrise und den geltenden Beschränkungen im Land Schleswig-Holstein darauf hin, dass das Lokal „Fährmannssand“ und die Vogelbeobachtungsstation für größere Menschenansammlungen tabu sind. Beide Ausflugsziele sind wegen der Schutzbestimmungen ohnehin geschlossen. Spaziergänger werden deshalb gebeten, andere und vor allem weniger stark frequentierte Bereiche zu nutzen. Die Sicherheitsbehörden werden das auch kontrollieren, so die Stadt, und den Zugang für Ausflügler schließen.

Die Brücke Hetlinger Binnenelbe musste für 1,1 Millionen Euro erneuert werden, weil die Tragfähigkeit des Bauwerks zuvor eingeschränkt war.

Sorge um das Abwassersystem

Der gefühlte Toilettenpapier-Notstand, den irrational handelnde Hamsterkäufer verursacht haben, stellt nun die Entwässerungsbetriebe vor ein Problem. Die Sorge ist groß, dass jene Menschen, die beim Einkaufen leer ausgegangen sind, nun ungeeignetes Material in ihre Kloschüsseln werfen – ungeeignet insofern, als dass es das Kanalsystem kollabieren lässt. Die Stadtentwässerung Wedel richtet sich deshalb mit einem Appell an die Bevölkerung, der auf alle Kommunen übertragbar ist: „Bitte spülen Sie ausschließlich dafür vorgesehenes Toilettenpapier mit hinunter.“

Die Sorge der Entwässerungsexperten: Menschen könnten auf Ersatz wie Feuchttücher oder auch Stoffstreifen oder andere Materialien zurückgreifen.

Das Problem: Feuchttücher und andere ungeeignete Materialien lösen sich nicht, wie oft angenommen, in der Kanalisation auf. „Das kann zu einer Blockade der Rohre führen, mit den entsprechenden unappetitlichen Folgen“, sagt Wedels Stadtsprecher Sven Kamin. Und weiter: „Dabei bilden sich Verstopfungen nicht notwendigerweise nur im öffentlichen Kanalsystem, sondern können auch bereits direkt im Abflussrohr der jeweiligen Nutzer auftreten. Zum Teil kostspielige Noteinsätze sind dann die Folge.“

Auch in normalen Phasen stellten achtlos in der Toilette entsorgte Feuchttücher zum Teil ein erhebliches Problem für die Pumpen im System dar. Auch sie könnten durch das sich nicht zersetzende Material blockiert werden.

Nachdem sich insgesamt inzwischen das Bewusstsein beim Verbraucher einstellt habe, dass Feuchtpapier nicht so unproblematisch ist, wie es beworben wird, erlebe es jetzt aufgrund des Engpasses beim Toilettenpapier einen Verkaufsboom, beschere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtentwässerung Wedel zusätzlichen Aufwand und bereite ihnen Sorgenfalten.

Sven Kamin: „Es ist gerade jetzt noch wichtiger, keine zusätzlichen Probleme zu schaffen. Eine funktionierende Kanalisation ist ein unverzichtbarer Bestandteil der sogenannten kritischen Infrastruktur und sollte möglichst immer funktionieren, ganz besonders aber in dieser Zeit.“