Kreis Pinneberg

Was Bauern brauchen und Naturschützer fordern

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Pöhlsen
Edelgard Heim, Leiterin des Elbmarschenhauses, hat Landwirte und Naturschützer an einen Tisch geholt.

Edelgard Heim, Leiterin des Elbmarschenhauses, hat Landwirte und Naturschützer an einen Tisch geholt.

Foto: Thomas Pöhlsen

Bei einer vom Elbmarschenhaus organisierten Diskussionsrunde prallen gegenläufige Positionen aufeinander. Der Ton bleibt unaufgeregt.

Haselau. Wie sieht die Landwirtschaft von morgen aus? Zu einer Podiumsdiskussion hatte die Elbmarschenhaus-Leiterin Edelgard Heim am Dienstagabend ins Haselauer Landhaus geladen. Ihr war es gelungen, mit dem Kreisvorsitzenden des Bauernverbandes, Georg Kleinwort, und dem Geschäftsführer des Nabu Schleswig-Holstein, Ingo Ludwichowski, die beiden wichtigsten Kontrahenten an einen Diskussionstisch zu bekommen. Ihr Ziel: „das Ruder noch gemeinsam herumreißen“. Es entwickelte sich ein lebhafter Abend, in dessen Verlauf über weite Teile kontrovers, manchmal rustikal, aber selten polemisch diskutiert wurde.

Von den knapp 100 Bürgern, die in den großen Saal des Haselauer Landhauses gekommen sind, stellen die Landwirte die deutliche Mehrheit. Nicht nur aus der Haseldorfer Marsch, auch aus Hamburg und dem Kreis Steinburg sind sie gekommen.

Die Erlöse sinken, die Kunden wollen nur noch „billig“, die Höfe sterben, eröffnet Kleinwort eine lange Liste der Missstände. Deutsche Landwirte könnten die Bevölkerung nur noch zu 80 Prozent versorgen. Die Quote der Selbstvermarktung sei rapide gesunken. „Mir fällt nichts mehr ein, das man tun kann“, gibt sich Kleinwort pessimistisch.

Lebensmitteleinzelhandel als Schuldiger ausgemacht

In der Analyse ist Ludwichowski mit Kleinwort weitgehend einig. Er hält allerdings nichts davon, den Verbrauchern die Schuld zu geben, denn die verhielten sich ebenfalls ökonomisch. Für den Nabu-Mann ist es die Verantwortung der Gesellschaft, dass Bauern angemessene Erlöse bekommen. Der Schuldige ist für beide klar. Den „LEH“, den Lebensmitteleinzelhandel mit seiner Preisgestaltung macht Kleinwort verantwortlich. Ludwichowski unterstützt den Bauernvertreter. Für ihn ist die Preisgestaltung „eine bodenlose Unverschämtheit“.

Ein Vertreter dieser Branche ist mit Volker Klein anwesend, der zwei Edeka-Märkte in Wedel und einen in Hamburg nahe dem Elbe-Einkaufszentrum führt. Er sieht seit einigen Jahren „eine Trendwende“. Kunden achteten vermehrt auf Qualität und seien bereit, höhere Preise zu bezahlen. Die zahlreichen Kochshows im Fernsehen hätten zu diesem Trend beigetragen, so Klein. Er plädiert dafür, dass Kunden die Marktleiter auf Qualitätsprodukte und regionale Ware ansprechen sollten.

Hans-Peter Stegert vertritt auf dem Podium die Zunft der Landwirt, die auf Bio umgestellt haben. Er leitet seit 25 Jahren in Moorrege einen Bioland-Hof und richtet einen Appell an seine Berufskollegen, die konventionell produzieren. Sie sollten sich die Diskussion nicht aufzwingen lassen, sondern selbst überlegen, was sie in den Bereichen Tierwohl, Klima- und Naturschutz bereits tun und wo sie sich verbessern können.

Hauke Pein aus Appen steht für die Landwirte, die sich den Bürgern öffnen und über die modernen Produktionsmethoden informieren. Neben der Milchviehwirtschaft hat die Familie den Almthof zum Erlebnisbauernhof mit Hofcafé gemacht. Keine Sekunde habe er die Entscheidung bereut, auch wenn der Hof an manchen Sonntagen regelrecht überrannt werde. Pein beklagt, dass beim Tag des offenen Hofes am 14. Juni nur 15 Betriebe mitmachen, und zwar landesweit.

Zur Zukunft der Landwirtschaft sind Nabu-Mann wie Landwirte grundsätzlich für ein Abschmelzen der Subventionen. Die Landwirte setzen auf kostendeckende Preise, bleiben allerdings die Antwort schuldig, wie die durchgesetzt werden können angesichts der Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels. Ingo Ludwichowski setzt dagegen nach dem Motto „öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen“ darauf, Bauern für ihre Arbeit im Natur- und Klimaschutz zu alimentieren.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg