Pinneberg
Kreis Pinneberg

Unbekannte haben es auf Milchtankstellen abgesehen

Anne Thießen vor der Milchtankstelle ihres Hofes, die aufgebrochen und geplündert wurde. 

Anne Thießen vor der Milchtankstelle ihres Hofes, die aufgebrochen und geplündert wurde. 

Foto: Amelie Hamester

Einbrecher nehmen sich Zapfanlagen vor und erbeuten nur wenige Euro bei Diebeszügen. Trotzdem großer Schaden für Landwirte.

Kreis Pinneberg. Der Schaden ist groß, die Beute gering: Drei sogenannte Milchtankstellen sind im Kreis Pinneberg zwischen Mittwoch und Freitag aufgebrochen worden. Hinzu kommt eine weitere Tat in Nützen im Kreis Segeberg. „Wir schließen nicht aus, dass es einen Tatzusammenhang gibt“, sagt Polizeisprecher Marc Ziehmer.

Die Serie beginnt offenbar auf dem Biohof Langeloh an der Winzeldorfer Straße in Bönningstedt. Dort schlug der Täter zwischen 21.30 Uhr am Mittwoch und 6.30 Uhr am Donnerstag zu. Es folgte der Hof Thießen an der Quickborner Straße in Borstel-Hohenraden (Mittwoch um 2.55 Uhr), ehe wenig später der Almthof in Appen an der Reihe war. Dort lag die Tatzeit zwischen 3.30 Uhr und 7.30 Uhr. Vorerst letzte Station war der Milchhof Thies in Nützen, wo der Täter zwischen 22 Uhr am Donnerstag und 3.30 Uhr am Freitag zuschlug.

Räuber haben es auf Milchtankstellen abgesehen

„Die Vorgehensweise ähnelt sich bei allen Taten in gewissen Bereichen“, so Polizeisprecher Ziehmer. Auch die Höhe der Beute unterscheide sich nicht groß voneinander, sie liege jeweils im unteren zweistelligen Bereich. „Der Schaden ist höher als die erzielte Beute.“ Der Polizeisprecher empfiehlt allen Betrieben dieser Art, ihre Kasse regelmäßig zu leeren und dies durch Schilder kenntlich zu machen. Auch eine Videoüberwachung der in der Regel rund um die Uhr zugänglichen Anlagen könnte helfen, um mögliche Täter abzuschrecken.

Eine solche Überwachung gibt es in Borstel-Hohenraden. Auf den Bildern ist ein kräftiger Mann zu sehen, der mit einer Weste, Jogginghose und dunklen Turnschuhen bekleidet war und einen hellen Stoffbeutel mit sich führte.

Als Anne Thießen, die Besitzerin des Hofes, am Morgen nach dem Einbruch vor der Milchtankstelle steht, steht die Tür sperrangelweit offen, und der Banknotenleser fehlt komplett. Sie hat für die Diebe kein Verständnis: „Gelohnt hat sich das nicht, und dafür der ganze Aufwand!“

Täter muss von der Videokamera gewusst haben

Der Einbrecher konnte sich bei ihr keiner großen Beute erfreuen. Verlust und Reparatur kosteten den Hof weniger als 100 Euro, schätzt Thießen. Trotzdem kommen jetzt eine Menge an weiteren Ausgaben auf sie zu. Außer der Instandsetzung des beschädigten Gerätes müssen die Besitzer nun neue Sicherungssysteme einführen, um weitere Einbrüche zu verhindern. „Wir ersetzen das Schloss an der Kasse, sodass es jetzt schwerer ist, es aufzubrechen“, erklärt Thießen. „Der Bereich vor unseren Automaten ist videoüberwacht. Darauf weist auch ein Schild hin.“ Eigentlich habe sie darauf gesetzt, dass diese Tatsache mögliche Einbrecher abschreckt. Und: „Wir leeren auch jeden Abend die Kassen – viel zu holen ist hier also nicht.“

Doch in diesem Fall reichten ihre Maßnahmen nicht aus. „Der Täter wusste um die Kamera, er hat sich so positioniert, dass man ihn nicht direkt erkennen kann.“ Dieser Vorfall ist ärgerlich, aber sie lässt sich nicht unterkriegen. „Die Milchtankstelle ist keineswegs unsere Haupteinnahmequelle.“ Denn außer frischer Milch verkaufen sie weitere Produkte aus eigener Erzeugung, auch Kindergeburtstage können auf dem Bauernhof gefeiert werden. Trotzdem hofft sie, dass die Polizei den Einbrecher bald schnappen wird. Dabei denkt sie auch an ihre Kollegen auf anderen Höfen.