Pinneberg
Kreis Pinneberg

Krankenhaus Wedel schließt im Juni – alle Hintergründe

Die Wedeler Klinik aus der Luft gesehen.

Die Wedeler Klinik aus der Luft gesehen.

Foto: Regio Klinik

Geschäftsführung begründet den einschneidenden Schritt erstmals seit Bekanntwerden der Schließung ausführlich.

Wedel. Die Geschäftsführung der Regio Kliniken drängt zur Eile. Das Krankenhaus Wedel soll möglichst schon im Juni geschlossen werden. Die betroffenen 207 Mitarbeiter, von denen wohl etwa 20 nicht auf die Klinik-Standorte Elmshorn und Pinneberg verteilt werden sollen, würden schnell Gewissheit haben wollen, sagt Geschäftsführerin Regina Pein.

Mit ihrem Kollegen Gundolf Thurm warb sie vor dem Hauptausschuss des Kreistages für den harten Schnitt, den dritten Standort in Wedel jetzt aufzugeben. Die Schließung sei unvermeidlich, um die gute Gesundheitsversorgung des Kreises nicht zu gefährden. Dieser hat allerdings ein Mitspracherecht. Der Sana-Konzern hat beim Kauf der Mehrheitsanteile 2009 allen drei Standorten eine Bestandsgarantie für 20 Jahre vertraglich zugesichert. Sana soll dem Kreis dazu bereits das Angebot gemacht haben, das Kapital der Regio Kliniken aufzustocken, wenn der Kreis der Schließung zustimmt. Der Hauptausschuss wird am 26. Februar darüber entscheiden.

Politik hat ein Mitspracherecht

Zwei Stunden lang stand die Regio-Geschäftsleitung den Kreispolitikern in nichtöffentlicher Sitzung Rede und Antwort. „Es war eine sachliche Diskussion“, sagt CDU-Fraktionschefin Heike Beukelmann, die die Sitzung geleitet hat. Für sie war die Argumentation der Regio-Chefs nachvollziehbar. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass für viele Menschen in Wedel, gerade für ältere, das Krankenhaus ein Stück Geschichte ist.“ Sie und ihre Fraktion müssten diese Informationen erst einmal „sacken lassen“ und dann beraten. Eine Schließung wäre „sehr traurig und schmerzhaft“.

Auch die SPD habe noch keine Entscheidung gefällt, wolle zunächst die Arbeitnehmervertretung anhören, sagt Fraktionschef Hannes Birke. Die Grünen werden da schon konkreter. „Wir werden wohl der Schließung zustimmen, auch weil es die beiden anderen Klinikstandorte stärkt“, sagt Fraktionschef Thomas Giese, der die Begründung der Geschäftsleitung für „plausibel“ hält. Ihn überrasche das Aus nicht, sagt Giese. „Für mich war immer die Frage nicht ob, sondern wann. Es ist ja schon länger kein vollwertiges Krankenhaus mehr.“

Notaufnahme in Wedel wurde Ende 2018 geschlossen

Die gesetzlich verordnete Aufgabe der Zentralen Notaufnahme (ZNA) in Wedel zum Jahresende 2018 war auch für die Regio-Klinik-Chefs Hein und Thurm der entscheidende Nachteil, der jetzt die Schließung notwendig mache. Schon zuvor hatte das Krankenhaus Wedel mit Aufgabe der Chirurgie und Urologie Federn lassen müssen (siehe Info-Kasten). Ohne Chirurgie durfte es dann per Gesetz auch keine Notaufnahme mehr geben. In Wedel verblieben nur die Abteilungen für Pneumologie, Thoraxonkologie, Geriatrie und Palliativmedizin mit 106 der 904 Betten der Regio Kliniken.

Bereits vor einem Jahr entschied die Regio-Führung, den Lungenmedizinischen Bereich in diesem Frühjahr mit 70 Mitarbeitern von Wedel nach Elmshorn zu verlagern. Das sei aber noch keine Entscheidung gegen den gesamten Standort gewesen, betont Geschäftsführerin Hein. Erst Ende 2019 habe sich konkret abgezeichnet, dass Wedel nicht mehr zu halten sei. „Im Grunde ist das Krankenhaus schon seit 20 Jahren nicht mehr wirtschaftlich“, sagt sie und verweist auf das Gutachten des Landesrechnungshofes, der dem Kreis schon 2004 geraten hatte, die Krankenhäuser in Uetersen und Wedel zu schließen.

Im Jahr 2019 kamen nur noch 2590 Patienten

Wegen der fehlenden Notaufnahme seien die meisten Patienten ohnehin aus den beiden anderen Regio-Häusern dorthin verlagert und nicht neu aufgenommen worden, erklärt Regio-Chef Thurm. Die Zahl der Patienten hatte 2019 um neun Prozent abgenommen – es waren nur noch 2590. Wegen der rigorosen Gesundheitspolitik der Bundesregierung müssten sogar Strafen gezahlt werden, wenn Patienten trotz fehlender Pflegekräfte aufgenommen würden.

Bundesweit fehlten 17.000 Pflegekräfte, dieser Mangel mache sich auch bei Regio stark bemerkbar. Trotz der mehr als 100 Neueinstellungen im vorigen Jahr seien immer noch 30 Stellen unbesetzt. Darum könnten in Elmshorn zurzeit zwei Stationen mit 60 Betten und weitere in Pinneberg und Wedel nicht genutzt werden.

Die Konzentration auf zwei Standorte sei deshalb nicht nur aus medizinischer Sicht „die richtige“, sagt Hein. In Pinneberg sollen künftig Endoprothetik, Neurologie und das Bauchzentrum konzentriert werden, in Elmshorn das Lungenzentrum, Geriatrie, Urologie und Kardiologie. In Wedel verbleibt das Dialyse-Zentrum und der Betriebskindergarten, dessen 44 Plätze mehrheitlich von der Firma Medac genutzt würden.

Er soll noch „gewisse Zeit“ weiterbetrieben werden, so die Geschäftsleitung. Aber zu den etwa 20 Mitarbeitern, die kein Übernahmeangebot erhalten werden, gehören neben Physiologen auch sieben Erzieher der Kita. Ein Sozialplan soll mit dem Betriebsrat ausgehandelt werden.