Pinneberg
Kreis Pinneberg

Ein neuer Wettlauf um Gewerbeansiedlungen

Von links: Bürgermeisterin Erika Koll, Jens Kunze, Amt Pinnau, Tanja Augustin (Unabhängige/Grüne),  Igli Kapllani (Amt Pinnau) und Silke Krieger (CDU).

Von links: Bürgermeisterin Erika Koll, Jens Kunze, Amt Pinnau, Tanja Augustin (Unabhängige/Grüne),  Igli Kapllani (Amt Pinnau) und Silke Krieger (CDU).

Foto: Katja Engler

In Kummerfeld wird 2020 ein neues, 6,5 Hektar großes Gewerbegebiet fertig, aber auch die Nachbargemeinden holen in Sachen Gewerbe auf.

Kreis Pinneberg.  Der Wettlauf um die Erschließung und vor allem um den Verkauf neuer Gewerbegebiete – im Kreis Pinneberg ist er gestartet. Jüngstes Beispiel ist Kummerfeld. Das Geld für den Bau einer neuen Erschließungsstraße steht schon im Haushalt bereit, nur die Gemeindevertretung muss Ende Februar noch zustimmen. Dann kann es losgehen. Wie überall im Kreis, wo aus ehemaligen Baumschulflächen oder Äckern neue Gewerbegebiete empor steigen sollen.

Mit großen Schritten stürmt nun Kummerfeld auf seines neuen, 6,5 Hektar großes Gewerbegebiet am Ossenpadd zu. Noch in diesem Jahr soll die Umsetzung konkret werden. Das schilderte die Bürgermeisterin Erika Koll mit Politikern und Verwaltungsangestellten bei einem Termin vor Ort.

Planungsprozesse in der Kreisstadt noch ganz am Anfang

Mit derartigen Planungen hoffen die meisten Gemeinden des Kreises, die eigene Finanzmisere mittelfristig in den Griff zu bekommen: Der Ossenpadd etwa ist auch in den Ohren der Pinneberger Politiker ein vertrauter Name, denn rund hundert Meter weiter, dort, wo Kummerfeld aufhört und Pinneberg anfängt, soll an derselben Straße ebenfalls ein Gewerbegebiet entstehen – jetzt, da die Westumgehung endlich fertig ist.

In der Kreisstadt sind die Planungsprozesse allerdings noch ganz am Anfang. Für die Kummerfelder Bürgermeisterin sieht in der drohenden Konkurrenz mit den Nachbargemeinden aber kein Problem: „Ich glaube, bei uns im Hamburger Speckgürtel gibt es immer noch zu wenig Flächen.“

Der Kummerfelder Plan sieht eine Aufteilung des Areals dies- und jenseits des Ossenpadds in vier Parzellen vor. Diese könne aber an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden, vor allem was Zugänge und Anschlüsse angehe, „sie können auch zusammengelegt werden“, sagt Jens Kunze vom Fachbereich Bauen und Ordnung im Amt Pinnau.

Planungen in Kummerfeld seit zweieinhalb Jahren

Seit zweieinhalb Jahren laufen in Kummerfeld die Planungen, das bereits vorhandenen Gewerbegebiete zu vergrößern. Zu diesem Zweck hat die Gemeinde die benachbarten landwirtschaftlichen Flächen gekauft und im Areal ein neues Regenrückhaltebecken und Grünflächen eingeplant. Ziel ist, wie in anderen Gemeinden, die Erhöhung der Gewerbesteuer-Einnahmen, aber auch, die vorhandenen Betriebe, die sich vergrößern wollen, mit passenden Angeboten zu halten. Maximale Bauhöhe: zwölf Meter. Der nahe Anschluss an die Autobahn 23 ist ein Vorteil, die vorhandene Straße wird demnächst verbreitert.

Abgesehen vom Ossenpadd kommen in Pinneberg auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses an diesem Dienstag wieder zwei Gebiete zur Sprache, die sich ebenfalls mit Gewerbeansiedlungen schmücken sollen: Das Rehmenfeld und Gehrstücken Süd samt neuem Verkehrsgutachten.

Jahrzehntelang wurde in Pinneberg zu wenig für die Ansiedlung von Gewerbe getan, sagen Kritiker, und auch jetzt gehe es nur schleppend voran. Ob etwa auf dem Gelände der ehemaligen Eggerstedt-Kaserne ein Hotel entsteht, ist seit rund einem Jahr offen, seit Monaten ist dort ein Gründerzentrum im Gespräch.

Neue Gewerbegebiete bringen auch Konfliktstoff

Noch weiter als in Kummerfeld und Pinneberg sind die Planungen in Borstel-Hohenrade n. Im Sommer soll Baubeginn auf einem neuen, elf Hektar großen Gewerbegebiet sein. Es ist bereits komplett vergeben. Und auch Halstenbek will nicht hinten anstehen. Im Jahr 2018 lagen die Gewerbesteuer-Einnahmen dort noch bei neun Millionen Euro, für 2020 werden sie auf nur noch fünf Millionen Euro prognostiziert. Die Lösung für die SPD Halstenbek ist deshalb die Prüfung eines zusätzlichen Gewerbegebietes, denn Kosten für die Schul- und Kitabau sowie die Infrastruktur wollen geschultert werden, am besten mit neuen Gewerbeeinnahmen.

Neue Gewerbegebiete bringen aber auch Konfliktstoff: Ärger hatte es etwa in Rellingen gegeben, weil Anwohner am Hermann-Löns-Weg sich gegen ein geplantes Möbellager gewehrt hatten. Inzwischen ist das vom Tisch und die in Frage kommende gewerbliche Nutzung eingeschränkt. Was kommt, ist offen.