Pinneberg
Bilanz

Dem Kreis Pinneberg gehen die Gewerbeflächen aus

WEP-Chef Harald G. Schroers (v. l.), Wedels Bürgermeister Niels Schmidt und Landrat Oliver Stolz

WEP-Chef Harald G. Schroers (v. l.), Wedels Bürgermeister Niels Schmidt und Landrat Oliver Stolz

Foto: Burkhard Fuchs

Immer mehr Investoren können nicht bedient werden. Die Grundstückspreise im Kreis sind die höchsten in Schleswig-Holstein.

Kreis Pinneberg.  Der Kreis Pinneberg ist mit 14.800 Unternehmen, die 92.000 Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigen, Spitzenreiter in Schleswig-Holstein. Auch die 150 Millionen Euro, die die Kommunen 2017 an Gewerbesteuer eingenommen haben, sind landesweit Spitze. Die Kaufkraft hat die 25.000 Euro pro Kopf und Jahr überschritten. 3200 Unternehmen sind neu gegründet worden. „Der Kreis steht wirtschaftlich sehr gut da“, zieht Harald G. Schroers von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WEP des Kreises Pinneberg eine positive Bilanz der aktuellen Wirtschaftslage.

Allerdings müsse sich die WEP jetzt wegen kaum noch vorhandener Gewerbeflächen auf die Sicherung der Arbeitsplätze konzentrieren. Dazu gehörten Investitionsförderung für Unternehmen, Beratungen von Existenzgründern und Firmen, um Fachkräfte weiterzuqualifizieren und sie womöglich über das Rentenalter hinaus zu halten.

Wie eng hier der Markt an freien Gewerbeflächen geworden ist, zeigt die große Zahl an Anfragen von Investoren, die abgewiesen werden mussten, erklärt WEP-Chef Schroers. 115 erreichten die WEP 2017 für 69 Hektar Fläche. Das übersteige den Bestand der WEP, die nur noch über sechs Hektar Land in Elmshorn, Tornesch, Heede und Sparrieshoop verfügt, um das Zehnfache. „Wer mehr als 5000 Quadratmeter Fläche oder eine direkte Autobahnlage nachfragt, kann derzeit im gesamten Kreisgebiet kaum noch bedient werden“, sagt Schroers. Das führe dazu, dass nirgendwo sonst im Land die Preise für Gewerbeflächen so teuer sind wie im Kreis Pinneberg.

Mit ihrer neuen Gesellschaftsstruktur versuche die WEP gegenzusteuern. Voriges Jahr haben sich zehn Kommunen an der Kommunalholding der WEP beteiligt. „Das läuft gut an“, sagt Landrat Oliver Stolz als Vertreter des Hauptgesellschafters. Der Kreis und die Städte und Gemeinden teilten sich so die Planungskosten, das Risiko und den Gewinn. Selbst wenn sich ein gemeinsames Projekt nicht sofort auszahle, lohne es sich auf lange Sicht. „Der Gewinn liegt in der Sicherung der Arbeitsplätze sowie der Steigerung von Einkommens- und Gewerbesteuereinnahmen.“

Diese positive Einschätzung teilt Wedels Bürgermeister Niels Schmidt als Vorsitzender der Kommunalholding der WEP. „Die neue Struktur ist eine gute Lösung. Sie führt zu mehr Transparenz, Zusammenarbeit und Teilung der Verantwortung.“ Zuvor hätten sich WEP und Kommunen oft im Wege gestanden. Dabei sei Wirtschaftsförderung nur im Verbund zu machen. Schmidt: „Denn am Ende liegt die Planungshoheit sowieso bei den Städten und Gemeinden.“

Aktuell werde in Quickborn am Halenberg an der A 7 bis 2019 ein 20 Hektar großes Gelände neu erschlossen. Zwei weitere Gewerbeausweisungen schlössen sich an, so Schroers. Es brauche aber Zeit und müsse nacheinander realisiert werden. Denn jedes Projekt koste zwei bis drei Millionen Euro. Aktuell hat die finanzstarke WEP zwölf Millionen Euro auf ihren Konten.