Pinneberg
Kreis Pinneberg

Eichhörnchen sind im Norden auf dem Vormarsch

So kennen es die meisten, so lieben es die meisten: Ein heimisches Eichhörnchen knabbert an der Beere einer Eibe. Im Kreis Pinneberg fühlen sich die „Positivtiere“ offenbar wohl.

So kennen es die meisten, so lieben es die meisten: Ein heimisches Eichhörnchen knabbert an der Beere einer Eibe. Im Kreis Pinneberg fühlen sich die „Positivtiere“ offenbar wohl.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Heute ist der Welttag des tierischen Sympathieträgers. Wie geht es den Beständen im Kreis Pinneberg?

Kreis Pinneberg. Auch Sympathieträger brauchen Hilfe. Hin und wieder jedenfalls. Mal sind sie verletzt, mal zu schwach, mal zu klein. Unterm Strich landen etwa 100 Eichhörnchen aus diesen Gründen Jahr für Jahr bei Christian Erdmann in der Wildtierauffangstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Die meisten können wieder aufgepäppelt werden. Und etwas Gutes habe die hohe Zahl auch. Sie sei ein Indiz dafür, dass es den Nagern im Kreis „recht gut geht“, so Erdmann. Und das ist doch erfreulich, heute, am 21. Januar, dem weltweiten „Tag des Eichhörnchens“. Zumal in Zeiten globaler Klima- und Umweltkrisen.

Genaue Angaben zum Eichhörnchenbestand im Kreis Pinneberg gibt es allerdings nicht, sagt Rüdiger Albrecht vom schleswig-holsteinischen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Doch bedroht sei das mit Puschelschwanz und Pinselohren als „Positivtier“ geltende Eichhörnchen nicht. Im Gegenteil. Inzwischen sei es flächendeckend in Schleswig-Holstein vertreten. „Nur die Halligen und Föhr sind nicht besiedelt“, weiß Albrecht. Die restlichen Gebiete des Landes haben die Tiere längst erobert, und zwar alle Bereiche von Stadtparks über Gärten bis hin zu Wäldern und Knicks.

Bestände vor allem in „Siedlungsbereichen“ haben sich positiv entwickelt

Im Baumschulland Pinneberg haben es Eichhörnchen dagegen wider Erwarten nicht mit idealen Lebensräumen zu tun. „Bäume sind für Eichhörnchen nur interessant, wenn es Altbäume und Früchte tragende einheimische Gehölze sind“, sagt Wildtier-Experte Erdmann. Auch LLUR-Fachmann Albrecht meint: „Baumschulen stellen keinen optimalen Lebensraum dar.“ Zum einen fehlen die samentragenden Bäume. Zum anderen sei die Nestanlage, der Bau des sogenannten Kobels, eher in begleitenden Knicks möglich als in Baumschulen. „Von einer Hochburg des Eichhörnchenvorkommens kann man deshalb in Pinneberg nicht sprechen“, sagt Albrecht.

„Da Eichhörnchen von Baumsamen wie Haselnüssen, Walnüssen sowie von Samen der Hainbuche, des Feldahorns, der Fichte und der Lärche leben“, sagt der Experte des Landesamtes, trifft man die Tiere im Kreis eher selten in Baumschulen. Seinen Erfahrungen nach hätten sich die Bestände vor allem in „Siedlungsbereichen“ positiv entwickelt. Zumal auch die tendenziell milder werdenden Winter die Ausbreitung der heimischen Eichhörnchen begünstigen.

Verfolgt oder bejagt werden Eichhörnchen in Pinneberg nicht

„Eichhörnchen haben es ohne Frost und Schnee bei der Futtersuche leichter“, sagt Tierschützer Christian Erdmann. „Zumal sie von der Wintervogelfütterung profitieren.“ Dabei, so der Experte, werde bei aller Sympathie gern vergessen, dass Eichhörnchen sozial unverträgliche Einzelgänger sind und nicht nur vegetarisch leben. „Gerne werden Vogelnester aufgesucht, um die Jungvögel zu fressen.“

Verfolgt oder bejagt wird der Nager in Pinneberg nicht. Neben Habicht und Marder sei dennoch der Mensch die größte Gefahr für die Tiere, sagt Erdmann. „Problematisch wird es etwa, wenn Baumfällarbeiten zu früh oder zu spät passieren.“ Gerade in Privatgärten würden Eichhörnchen gerne in alten Bäumen ihren Kobel bauen. „Wenn diese dann wegen ihrer Größe gefällt werden und der Kobel zu Boden fällt, landen die Tiere bei uns.“ Gartenbesitzern rät Erdmann erst mal zum Nichtstun: „Bei guter Witterung kann man die unverletzten Jungtiere an Ort und Stelle lassen. In den allermeisten Fällen holt das Muttertier, selbst nach Stunden, ihre Jungen ab und bringt sie in einen Ersatzkobel, den es immer gibt.“

Todes- oder Verletzungsursache Nummer eins ist der Straßenverkehr

Die Fülle an Hauskatzen würde den Bestand der Eichhörnchen im Kreis ebenfalls regulieren. Todes- oder Verletzungsursache Nummer eins sei hier aber der Straßenverkehr: „Autos sind der größte Feind des Hörnchens“, sagt Erdmann. Weil die meisten Straßenbäume zu weit auseinander stehen, können die Tiere die Straße nicht über die Kronen passieren. In Berlin, sagt Erdmann, gebe es deshalb gespannte Seile über vielbefahrenen Straßen. „Coole Idee!“

Von diesen Risiken abgesehen, hat das heimische Hörnchen nicht viel zu befürchten. „Im Gegensatz zu England und Italien spielt etwa das Grauhörnchen in Pinneberg und Schleswig-Holstein keine Rolle“, sagt Rüdiger Albrecht vom Landesamt. „Bisher gibt es keinen Nachweis in ganz Deutschland für das Grauhörnchen.“ Bekanntlich verdrängt diese eingeschleppte Art, sollte sie sich erst in einem Gebiet niedergelassen haben, die Eichhörnchen. „Bisher sind die Alpen aber eine verlässliche Barriere“, sagt auch Christian Erdmann.

Verwechslungsgefahr bestünde dennoch. Auch das eher rötliche schimmernde heimische Eichhörnchen habe Farbspielarten, die es nicht auf Anhieb von den Grauhörnchen unterscheide. „Das dunkle und das rote Eichhörnchen sind aber eine Art!“, sagt Wildtierexperte Erdmann. Grauhörnchen seien viel größer gewachsen als die heimische Spezies.

Staatliche Artenschutzprogramme hat der tierische Sympathieträger deshalb gar nicht nötig. Wer es den Eichhörnchen hier etwas leichter machen möchte, um deren Gesellschaft zu genießen, dem rät Christian Erdmann: „In Gärten mit Artenreichtum fühlen sich die Tiere wohl.“ Deshalb ist sein Tipp: „Mut zur Natur! Das hilft. Uns auch!“