Pinneberg
Abfallentsorgung

Der Pinneberger Busbahnhof hat ein Müllproblem

Am neuen Busbahnhof Pinneberg gibt es zurzeit nur provisorische Mülleimer. Obwohl die Stadt eigenen Angaben zufolge an fünf Tagen kehrt, sammeln sich Kippen und anderer Müll.

Am neuen Busbahnhof Pinneberg gibt es zurzeit nur provisorische Mülleimer. Obwohl die Stadt eigenen Angaben zufolge an fünf Tagen kehrt, sammeln sich Kippen und anderer Müll.

Foto: Nico Binde / HA

Viele Beschwerden über Zustand des neuen Busbahnhofes. Abfalleimer und Aschenbecher fehlen, Müll liegt auf dem Boden.

Pinneberg. Kippen, Pommes, Burgerpapier: Der Boden des neuen Busbahnhofs in Pinneberg ist an manchen Tagen übersät mit Müll. So sehr, dass sich viele Nutzer fragen, wie das sein kann. Denn während die moderne Anlage von weitem nach wie vor einiges hermacht, zeigt sich im Detail, dass es bisher nur provisorische Mülleimer gibt, Aschenbecher fehlen gänzlich. Anscheinend ein Grund dafür, dass sich in den überdachten Wartebereichen und der Anzeigetafel ausgetretene Zigaretten und anderer Unrat sammeln.

Nach mehr als dreijähriger Bauzeit und mit gut 15 Monaten Verspätung ist der neue Pinneberger Busbahnhof erst Ende September in Betrieb genommen worden. Schon kurz nach der Eröffnung des wichtigen, 1,2 Millionen Euro teuren Infrastrukturprojekts war Kritik an den Löchern im Dach über den Sitzinseln laut geworden. Nun erweist sich die Anlage als Haltestelle mit vergessenen Abfalleimern.

Dabei machen die meisten Menschen am Busbahnhof, was man beim Warten auf den Bus so macht: essen, trinken, rauchen. „Wenn ich hier eine Raucherpause mache, suche ich auch einen Aschenbecher“, sagt etwa Tobias. Da der Industriemechaniker, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitunglesen will, am Busbahnhof bisher aber nicht fündig geworden ist, tritt er seine Zigarette auf dem Boden aus. „Was soll ich sonst machen?“, fragt er. „Da besteht Handlungsbedarf!“ Und den vielen Stummeln nach zu urteilen, ist der Mechaniker mit dieser Ansicht nicht allein.

Stadt reinigt den Busbahnhof werktags täglich per Hand

„Das Rauchen wird man nicht verhindern können“, sagt Nichtraucher Heinrich Anacker aus Pinneberg auf seinem Weg nach Rellingen. „Aber Aschenbecher würden wohl etwas am Erscheinungsbild ändern“, sagt er. Am besten „gleich mehrere in kurzen Abständen, denn die Leute sind ja faul.“ Es sehe einfach „nicht schön aus“, stellt auch Udo Magsig fest. „Die werfen einfach alles daneben. Dort vorne liegen ja auch Pommes. Und wer macht das sauber?“

Hermann Hirte dagegen scheint „als wäre das Ganze nicht als Wartebereich ausgelegt und die Raucher einfach vergessen worden.“ Denn: „Ausgewiesene Raucherbereiche gibt es hier ja auch keine.“ Marius, ein Logistiker, urteilt: „Schön neu, aber nicht durchdacht.“ Er fragt sich: „Ist es denn so schwer?“ Für Werner Hölting ist das aber kein Einzelfall: „Das fällt mir öfter auf“, sagt er. „Vieles wird neu gebaut und lang geplant, und dann wird trotzdem das wichtigste vergessen, die Mülleimer. Lächerlich, welche Architekten und Entwickler planen das so?“

Schon der Bau des neuen Busterminals stand unter keinem guten Stern. Wiederholt war es wegen „organisatorischer“ und Statikproblemen zu Verzögerungen kommen. Erstmals gerieten die Arbeiten im Juli 2018 ins Stocken. Zwischenzeitlich galt der Busbahnhof als „Endlos-Baustelle“. Denn ein Prüfstatiker hatte während des Tiefbaus moniert, dass die beauftragte Firma „bei ihren Berechnungen“ fürs Dach „einiges nicht berücksichtigt“ habe. Allein das brachte den Zeitplan erheblich durcheinander.

Der nun wenig gepflegte Eindruck des Busbahnhofs fällt Menschen wie Grisselle Gonzales besonders auf. Sie war einige Monate nicht in Pinneberg, komme nun an und „dann ist da plötzlich ein neuer Busbahnhof, der aber vor lauter Müll und Zigaretten gar nicht mehr neu aussieht.“ Sie meint, vielen Nutzern scheine es nicht an Möglichkeiten zur Müllentsorgung zu fehlen, sondern schlicht an Wertschätzung öffentlicher Orte und deren Erscheinungsbild.

Pinneberger Bahnhof: Abfallbehälter und Aschenbecher fehlen noch

Tatsächlich, sagt Pinnebergs Stadtsprecherin Maren Uschkurat, fehlen momentan noch Abfallbehälter und Aschenbecher. „Die Mülleimer sind bisher nur provisorisch aufgestellt“, so Uschkurat. „Neue Mülleimer und Aschenbecher werden noch eingebaut.“ Überdies, so die Stadtsprecherin weiter, „stellt sich unseres Erachtens nicht nur die Frage, was die Stadt für die Bürger machen kann, sondern: Was können die Bürger durch eigenes Verhalten dazu beitragen, die öffentlichen Flächen ansehnlich zu erhalten?“ Die Stadt tue jedenfalls ihr Bestes.

Laut Verwaltung werde der Bahnhof täglich „händisch gereinigt“. Eine kleine Kehrmaschine sei an fünf Tagen in der Woche am Busbahnhof im Einsatz. Zusätzlich reinige ein großes Fahrzeug den neuen Platz einmal pro Woche. Darüber hinaus, sagt Uschkurat, zeige die Erfahrung an anderen Standorten, „dass vorhandene Aschenbecher häufig nur genutzt werden, wenn man direkt daneben steht.“ Grundsätzlich habe sich der Busbahnhof „sowohl hinsichtlich des Betriebsablaufes, als auch der Gestaltung sehr gut bewährt.“ Er sei ein „weiterer Schritt zu einem schönen Erscheinungsbildes für in Pinneberg ankommende Besucher“. Um das Bild zu vollenden, warte die Stadt nun noch auf die Fertigstellung des Bahnhofs durch die Deutsche Bahn. Bekanntlich wird der Bahnhof für 15 Millionen Euro saniert. Bis 2022 soll alles fertig sein.