Naturschutz

Helgoland: Das Comeback der Europäischen Auster

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Auch in Bremerhaven wurde schon mit Austern geforscht: Professor Bela Buck vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung zeigt eine mit einer Miesmuschel zusammengewachsene pazifische Auster.

Auch in Bremerhaven wurde schon mit Austern geforscht: Professor Bela Buck vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung zeigt eine mit einer Miesmuschel zusammengewachsene pazifische Auster.

Foto: Ingo Wagner / picture alliance / dpa

Wissenschaftler haben 2017 und 2018 Zehntausende Muschel-Babys in der Nordsee vor der Hochseeinsel versenkt. Die Entwicklung.

Helgoland.  Wissenschaftler tüfteln am Comeback der Europäischen Auster in der Nordsee. Die Biologen wollen mit der Rückkehr der leckeren Muscheln jedoch nicht den Feinschmeckern einen Gefallen tun. „Es ist eine Naturschutzmaßnahme“, sagte Corina Peter vom Helgoländer Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Die europäische Auster siedelt sich bevorzugt auf den Schalen ihrer eigenen Artgenossen an. Nach und nach bildet sie so über Generationen ein sogenanntes biogenes Riff. Dieses Riff bietet anderen Pflanzen sowie Tieren einen Lebensraum und lockt sie an. „Die Auster steigert damit als Gründer-Art die Biodiversität im ganzen Ökosystem“, erklärte Peter.

Austern-Sterben durch Überfischung

Früher lebte die Europäische Auster millionenfach in der Nordsee. Noch vor 150 Jahren wurden laut Nabu rund fünf Millionen Austern aus dem Meer geholt. Heute gilt die „Ostrea edulis“ durch Bodenschleppnetz-Fischerei und Überfischung in deutschen Gewässern als ausgestorben. Lediglich an den Felsküsten Westeuropas und Südnorwegens sowie im dänischen Limfjord überlebte sie.

Dort besorgten sich die Biologen für ihr Projekt insgesamt 24.000 sogenannte Saat-Austern. Klingt viel, ist es aber nicht. Denn die anfangs gerade einmal zwei Millimeter großen Muschel-Winzlinge haben „in den ersten Jahren eine hohe Mortalitätsrate“, erklärt Corina Peter. „Wir mussten also so viele Saat-Austern ausbringen, damit wir genug für die Proben haben.“

Comeback der Europäischen Auster vor Helgoland

Taucher versenkten die Muschel-Babys 2017 und 2018 in kleinen Käfigen an drei Standorten vor Helgoland. Es waren „historische Austernbänke“ in zehn bis 27 Meter Tiefe, wie Peter sagt. Anschließend hätten die Wissenschaftler in Abständen von drei bis sechs Monaten kontrolliert, ob sie wuchsen und gesund waren.

Mit großem Erfolg: „Wir haben herausgefunden, dass die Austern sich sehr gut an die aktuelle Umwelt angepasst haben – auch in der Tiefe", sagt Peter. Und zur Überraschung der Wissenschaftler gab es auch schon ersten Austern-Nachwuchs. „Damit haben wir nicht so wirklich gerechnet, weil sie beim Aussetzen noch sehr jung waren.“ Fazit von Peter: „Wir können so weitermachen in der Nordsee.“

Wiederansiedlung auch auf Borkum und in den Niederlanden

Die Erkenntnisse aus den Voruntersuchungen sollen daher jetzt im Naturschutzgebiet „Borkum Riff Grund“ umgesetzt werden. Dort soll in 25 bis 30 Metern Tiefe ein Austern-Riff wachsen.

Auch bei den Nachbarn in den Niederlanden wird die Europäische Auster wieder angesiedelt. Dort jedoch mit aus Norwegen gekauften, erwachsenen Austern, wie Christof Goetze von der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer sagt. Und er ergänzt: „Wenn die Wiederansiedlung klappt, werden wir vielleicht in zehn Jahren die Europäische Auster wieder im Wattenmeer antreffen können – mehr als hundert Jahre nach ihrem Verschwinden durch Überfischung.“

( dpa/lno )

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