Wedel

Naturkindergarten erneut insolvent

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Dieses Bild entstand nach der ersten Insolvenz 2014. Die damals dort tätigen Erzieherinnen Sabrina Schmidt und Anne Schieferdecker freuen sich mit ihren Schützlingen, dass es weitergeht. Wir haben uns entschieden, die Gesichter der jetzt fünf Jahre älteren Kinder unkenntlich zu machen.

Dieses Bild entstand nach der ersten Insolvenz 2014. Die damals dort tätigen Erzieherinnen Sabrina Schmidt und Anne Schieferdecker freuen sich mit ihren Schützlingen, dass es weitergeht. Wir haben uns entschieden, die Gesichter der jetzt fünf Jahre älteren Kinder unkenntlich zu machen.

Foto: Wiebke Swieter

Trägerverein ist zum zweiten Mal nach 2014 zahlungsunfähig. Insolvenzverwalterin führt Betrieb weiter und sucht neuen Betreiber.

Wedel.  Die schlechte Nachricht kam für die Nutzer des Wedeler Naturkindergartens ganz kurz vor Weihnachten: Die Einrichtung mit 48 Kindern ist insolvent – bereits zum zweiten Mal seit 2014. Doch genau wie damals besteht auch dieses Mal Aussicht auf Rettung. Bis Ende Februar hat die vom Amtsgericht Pinneberg eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalterin Jenny Best Zeit, eine Lösung zu finden.

Am 19. Dezember, kurz bevor die Kita in die Weihnachtspause ging, stellten die Vorstandsmitglieder Johanna Meier-Behrens und Christl Fabro den Insolvenzantrag beim Amtsgericht. Davon betroffen ist der Trägerverein, der für den Betrieb des Naturkindergartens die Verantwortung trägt. Er ist erwiesenermaßen zahlungsunfähig.

Kita wird am Montag wie geplant nach der Weihnachtspause wieder öffnen

Seit der Insolvenzanmeldung hat Rechtsanwältin Jenny Best aus der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte das Sagen im Fährenkamp 41, wo der Kindergarten sein Domizil hat. Er wird am Montag wie geplant nach der Weihnachtspause wieder öffnen. „Ich führe den Kindergartenbetrieb im Insolvenzeröffnungsverfahren in enger Abstimmung mit dem Vorstand uneingeschränkt fort“, sagt Jenny Best. Ihr und den Mitarbeitern der Kanzlei ist es noch vor Weihnachten gelungen, dass die Agentur für Arbeit für die Gehaltszahlungen der 15 Beschäftigten der Einrichtung aufkommt. Sie übernimmt die Gehälter für Dezember, Januar und Februar, ehe das Insolvenzverfahren voraussichtlich am 1. März offiziell eröffnet wird. Ab diesem Zeitpunkt müsste die Einrichtung wieder selbst alle finanzielle Lasten stemmen können.

Damit das gelingt, sucht die Rechtsanwältin nun Interessenten für die Übernahme und Fortführung des Kindergartenbetriebs. Erste Willensbekundungen dazu sind vorhanden. Jenny Best: „Wir führen bereits vielversprechende Gespräche mit mehreren Interessenten, bleiben aber für weitere Angebote offen. Im Rahmen der Fortführung legen wir großen Wert darauf, die hohe Betreuungsqualität in dem Kindergarten aufrechtzuerhalten.“ Derzeit werden die 48 Kinder von 7.30 bis 17 Uhr betreut. Der Schwerpunkt des pädagogischen Konzepts, das sich an die Montessori-Pädagogik anlehnt, sind die Erlebnisse in der Natur.

Interessenten für Übernahme haben sich bereits gemeldet

Die Insolvenzverwalterin führt nach eigenen Angaben derzeit Gespräche mit Interessenten, die als Investor auftreten und einen Erwerb des Betriebes durch einen neuen Rechtsträger beabsichtigen. Es sei jedoch auch eine Sanierung des Vereins aus eigener Kraft durch einen Insolvenzplan nicht ausgeschlossen. Das war bereits vor fünf Jahren schon einmal geglückt. Auch damals war der Trägerverein in finanzielle Schieflage geraten. Ein Grund war die 2013 erfolgte Zwangsversteigerung des Kindergartendomizils am Fährenkamp, das der Verein gemietet hatte. Damals sollen Mietzahlungen des Vereins an den alten Eigentümer nicht bei der finanzierenden Bank angekommen sein.

Letztlich wechselte das einstige Einfamilienhaus, das seit einem Umbau Ende der 90er-Jahre Heimat der Kita ist, für 250.000 Euro den Besitzer. Der neue Eigentümer gab dem Trägerverein einen langfristigen Mietvertrag, und der konnte seine Gläubiger – insbesondere Banken, Versorger und Lieferanten – laut Insolvenzplan anteilig entschädigen, sodass das Insolvenzverfahren später aufgehoben werden konnte.

Fünf Jahre später haben nun zu hohe Fixkosten den Verein erneut in die Knie gezwungen

Doch fünf Jahre später haben nun zu hohe Fixkosten den Verein erneut in die Knie gezwungen. Laut Auskunft der Insolvenzverwalterin waren dafür insbesondere erheblich gestiegene Personalkosten ursächlich. So habe der Verein aufgrund vieler Krankheitsfälle zusätzliche Kräfte einstellen müssen, um die Betreuung der Kinder fortlaufend sicherstellen zu können. Die Information der Eltern über die erneute Insolvenz habe der Vereinsvorstand kurz vor Weihnachten per E-Mail übernommen. Am Montag, 6. Januar, wird in der Einrichtung ein Elternabend stattfinden, an dem die Insolvenzverwalterin teilnehmen wird.

Erst im Frühjahr 2019 hatten die Politiker der Stadt Wedel einen Betrag von 10.000 Euro bereitgestellt, damit die Kita ihre sanitären Anlagen sanieren konnte. Dies hatte die Unfallkasse Nord zur Auflage gemacht.

Stadt war Insolvenz nicht bekannt

Als das Abendblatt am Donnerstag bei der Stadt nachfragte, um Informationen zur erneuten Insolvenz zu bekommen, war dieser Umstand dort gar nicht bekannt. Bei der zuständigen Kita-Aufsicht des Kreises Pinneberg hatte sich die Insolvenzverwalterin kurz vor Weihnachten gemeldet. „Wir sind informiert worden“, berichtet auf Anfrage der Kreissprecher Oliver Carstens. Seiner Kenntnis nach sei es überhaupt erst die zweite Insolvenz einer Kita im Kreis – beide Male sei der Naturkindergarten betroffen. Carstens: „Wir werden uns in den nächsten Tagen gemeinsam mit der Stadt bei der Insolvenzverwaltung melden, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.“

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