Wohltätig

Silvester-Express bringt Berliner zu Bedürftigen

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Jule (l.) und Henry Vickery (r.) holen von Nicole Arts und Tim Büsch von der Bäckerei Schlüter Berliner.

Jule (l.) und Henry Vickery (r.) holen von Nicole Arts und Tim Büsch von der Bäckerei Schlüter Berliner.

Foto: Privat

Etwa 30.000 Krapfen wurden in zehn Jahren von den freiwilligen Helfern gerettet und an soziale Einrichtungen im Kreis Pinneberg verteilt.

Schenefeld.  Wenn sich andere auf ihre Silvesterparty vorbereiten, verteilen die Helfer des Silvester-Expresses in Schenefeld Berliner an Bedürftige. Diese haben sie zuvor aus den Filialen der Bäckerei Schlüter abgeholt. Alles, was bis Mittag nicht verkauft wurde, wird gespendet. In diesem Jahr waren 14 Teams unterwegs im Kreis Pinneberg sowie in Hamburg und verteilten das Gebäck in Kliniken, im Kinder-Hospiz, in Obdachlosenunterkünften, in der Seemannsmission, im Tierheim, in Flüchtlingsunterkünften, Wohngruppen für behinderte Kinder oder der Großstadtmission, um nur einige zu nennen. In einer Bäckereifiliale wurden dieses Jahr auch 250 belegte Brötchen nicht verkauft. Sie fanden im Winternotprogramm an der Friedensstraße hungrige Abnehmer.

Ins Leben gerufen wurde der Silvester-Express von Jule Vickery: „Mein jüngster Sohn kam zu früh auf die Welt“, sagt sie. Die Schenefelderin verbrachte viel Zeit mit ihm im Krankenhaus, auch an Feiertagen. Eine Krankenschwester schenkte ihr ein Stück von ihrem selbstgebackenen Apfelkuchen. Eine kleine Geste mit viel Gewicht. „Ich brach in Tränen aus“, sagt Vickery. Zudem konnte sie eine Bestellung Berliner bei der Bäckerei Schlüter nicht abholen. Sie erkundigte sich dort, ob die Berliner noch einen Abnehmer gefunden hätten, aber man hatte sie mit den anderen nicht verkauften Backwaren weggeworfen.

Im Jahr darauf fragte sie Bäckermeister Jürgen Schlüter, ob sie die übrig gebliebenen Berliner abholen und im Krankenhaus verteilen dürfe – der Silvester-Express war geboren. Was 2010 mit einer spontanen Verteilung einiger Hundert Berliner mit befreundeten Helfern begann, hat sich zu einer organisierten Großaktion gemausert. Etwa 30.000 Krapfen wurden in zehn Jahren gerettet und an soziale Einrichtungen verteilt. Auch die neuen Inhaber der Bäckerei Schlüter, Tim Büsch und Nicole Arts, unterstützen das Projekt.

Da unklar ist, wie viele Berliner nach Ladenschluss übrig bleiben, gibt es einen vereinbarten Treffpunkt in Halstenbek für die Helfer-Teams, damit die süße Spende auch gleichmäßig aufgeteilt werden kann. Dann fährt jedes Team eine Route ab. Ihr Besuch ist mit den Einrichtungen abgesprochen. Warum sie das alles an Silvester machen? „Weihnachten und Silvester sind Feiern des Überflusses, und auf der anderen Seite gibt es immer mehr, die gar nichts haben“, sagt Vickery. Wer sich dem Silvester-Express künftig anschließen möchte, kann per E-Mail an silvester-express@outlook.de Kontakt mit Vickery aufnehmen.

( ade )

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