Pinneberg
Barmstedt

Schönstes Bild gemacht – doch im Fotokreis unerwünscht

Die Barmstedter Hobbyfotografin Anke Johannsen mit ihrem Siegerfoto, das die Besucher des Weihnachtsmarktes beim Fotowettbewerb mit dem Publikumspreis gekürt haben.

Die Barmstedter Hobbyfotografin Anke Johannsen mit ihrem Siegerfoto, das die Besucher des Weihnachtsmarktes beim Fotowettbewerb mit dem Publikumspreis gekürt haben.

Foto: Burkhard Fuchs

Jury wählt bei Wettbewerb Publikumspreis aus 131 Barmstedter Motiven aus. Die Gewinnerin darf aber nicht beim Fotokreis mitmachen.

Barmstedt.  Sie hat bei der Publikumsabstimmung des Barmstedter Fotowettbewerbs, zu dem die Stadt und der örtliche Gewerbeverein HGB aufgerufen hatten, das schönste Foto gemacht. Aber das qualifiziert Hobbyfotografin Anke Johannsen noch nicht zur Aufnahme in den Fotokreis. „Wir haben zu viele Anfragen“, heißt es aus der von Günter Herrndorff geleiteten Gruppe von Amateur-Fotografen, die von den 131 eingereichten Digitalansichten der ehemaligen Schusterstadt die 30 schönsten auswählte, von denen dann das idyllische Winterbild am Rantzauer See von Anke Johannsen als die beste gekürt worden ist.

Publikumspreis: 53 von 365 Stimmen kürten Siegerfoto

Von den gut 600 Besuchern des Weihnachtsmarkts in Barmstedt im Lütt Humburg-Huus, wo die 30 Stadtansichten in einer Größe von 20 mal 30 Zentimetern in Farbe und Schwarz-Weiß aufgehängt waren, erhielt Johannsen 53 von 365 abgegebenen Stimmen, erklärt Herrndorf, der auch der Wettbewerbsjury angehört.

Anke Johannsen (57), die vor fast 30 Jahren aus dem Saarland nach Barmstedt kam, ist eine leidenschaftliche Fotografin und absolute Kennerin ihrer Wahlheimatstadt. „Ich gehe praktisch gar nicht ohne Kamera aus dem Haus“, sagt die Hobbyfotografin. Sie mache am liebsten Naturaufnahmen. Und ihr Lieblingsmotiv sei der Rantzauer See. „Das ist für mich der schönste Platz in Barmstedt“, erklärt sie, warum sie denn auch das Foto vom See für den Wettbewerb eingesandt hatte.

Dabei komme es vor allem auf den richtigen Zeitpunkt der Aufnahme an, ob es gut wirkt oder nicht, ist Anke Johannsens Erfahrung. So habe sie das stimmungsvolle Winterbild frühmorgens am See gemacht, als sie dort noch ganz allein unterwegs gewesen sei. „Man muss wissen, wann und wo das beste Licht zum Fotografieren ist“, sagt die Gewinnerin des Publikumspreises.

Johannsen fotografiert mit einer digitalen Kleinbildkamera

So hatte sie auch ein ebenso spektakuläres Foto, das ebenfalls zu den 30 vom Fotokreis ausgewählten gehörte, vom eingefrorenen Mühlrad der Wassermühle eingereicht, auf das die Mittagssonne scheint und so das Eis zum Glitzern bringt. Das sei im Winter nur für wenige Minuten an einem sonnigen Tag der Fall, weiß die Expertin. Auch ein Ast, der in Höhe des Restaurants seit Jahren aus dem See herausrage, hat es ihr angetan. „Den habe ich schon Hunderte Male fotografiert“, erzählt Anke Johannsen. Zu allen Jahreszeiten und zu allen möglichen Wetterbedingungen. Sogar einmal mit der Wasserschildkröte, die sich vor ein paar Jahren darauf gesonnt habe.

Fotografiert habe sie schon immer für ihr Leben gern, erzählt die talentierte Barmstedterin mit dem Blick für das richtige Licht und das schönste Motiv. Früher mit der kleinen Pocketkamera und seit etwa zehn Jahren intensiv mit einer digitalen Kleinbildkamera (Panasonic Lumix DMC FZ 200) mit einem Leica-Weitwinkel-Objektiv, bei der sie viele Dinge manuell einstellen könne, berichtet Johannsen. Eine Spiegelreflexkamera, bei der sie die Objektive immer je nach Sujet wechseln müsse, sei ihr zu umständlich. „Wenn ich dann eine Makroaufnahme von einer Blüte im Sonnenlicht machen möchte und gerade das Tele-Objektiv drauf habe, ist womöglich das gute Licht schon wieder weg, wenn ich das Objektiv gewechselt habe.“

Gewinnerin ist im Fotokreis unerwünscht

Für den Barmstedter Fotokreis aber reicht ihr Engagement für das Fotografieren offenbar noch nicht aus. Als sie bei einer Ausstellung dieser Gruppe vor einem Jahr mal anfragte, ob sie dort mitmachen könnte, habe sie nur eine abweisende Antwort erhalten, sagt Anke Johannsen. Auch bei ihrer Gewinnübergabe – die Stadtwerke spendieren ihr zehn kostenlose Besuche in der Badewonne – wurde ihre neuerliche Anfrage nicht positiver beschieden. Herrndorf, Peter Jaster und Barmstedts ehemaliger Kulturamtsleiter Erhard Preuß, die wie fünf weitere Männer diesem Fotokreis angehören, machten keine Anstalten, sie einzuladen.

Wenn zu viele Hobbyfotografen dabei seien, würde es zu voll sein, und es könnte passieren, dass man sich und seine Fotokunst nicht mehr richtig entfalten kann, lautete die vage Begründung. „Vielleicht wollen die Männer ja auch unter sich bleiben“, sagt Anke Johannsen. Ohnehin stehe sie nicht so sehr auf den Austausch von technischen Details, was alles die eigene Kamera an Spezialitäten vermag. Vielmehr gehe es ihr um das gegenseitige Inspirieren und das Erkennen von lohnenden Motiven. „Ich habe ja nur gefragt, ob ich sie mal bei einer Fototour begleiten könnte.“ Aber dann frage sie sich, warum dieser Foto-Wettbewerb ausgerufen worden sei. „Dann habe ich den Sinn nicht verstanden.“

Fotokreis stellt sich monatliche Aufgaben

Der Barmstedter Fotokreis hat sich vor etwa fünf Jahren aus Enthusiasten für die Fotografie gegründet. Die acht Mitglieder stellen sich seitdem monatlichen Themen, die sie in gemeinsamen Projekten und Ausstellungen präsentieren, wie ihr Leiter Günter Herrndorff berichtet. Zuletzt haben sie sich mit dem Thema Regen beschäftigt, der ja in den vergangenen Wochen beste Gelegenheiten zum Fotografieren bot. Auch das Thema „typisch Barmstedt“ gehörte dazu.