Pinneberg
Abfallentsorgung

Große gelbe Tonne im Kreis Pinneberg, großer Ärger?

GAB-Chef Jens Ohde kann die Kritik an der 240 Liter großen Gelben Tonne nicht nachvollziehen. Er führt noch mal sieben Argumente für das große Gefäß auf.

GAB-Chef Jens Ohde kann die Kritik an der 240 Liter großen Gelben Tonne nicht nachvollziehen. Er führt noch mal sieben Argumente für das große Gefäß auf.

Foto: Burkhard Fuchs

Viele Bürger protestieren gegen 240-Liter-Gefäß, deutlich mehr Haushalte haben es aber schon bestellt.

Kreis Pinneberg.  Die Resonanz aus der Bevölkerung, dass der Kreis Pinneberg 2020 die Gelbe Tonne für den Verpackungsmüll einführt, ist groß. 43.400 Haushalte haben bis Montagmittag, also innerhalb von zwei Wochen seit der Ankündigung, diese Tonne in der Größe von 240 Litern bestellt, sagt Jens Ohde, Geschäftsführer der Gesellschaft für Abfallbehandlung (GAB). Er ist hochzufrieden mit der Anschlussquote von bis jetzt 55 Prozent. Bei 2000 Bestellungen am Tag sollten bis Ende November 90 Prozent erreicht sein. „So gut wie alle, die sich gemeldet haben, freuen sich, dass der Gelbe Sack abgeschafft wird“, meint Ohde.

389 Bürger hätten sich hingegen kleinere, also 80 oder 120 Liter große Behältnisse für den Verpackungsmüll gewünscht. „Das sind 0,5 Prozent der Haushalte im Kreis. Eine überschaubare Größe“, so Ohde. Offenbar sei das Problem nicht so groß, wie es in einigen Leserbriefen an das Abendblatt zum Ausdruck gekommen sei. Ohde ist weiterhin überzeugt, „dass wir alles richtig machen“.

So hatten einige Leser wie Ursel Lühr aus Halstenbek kritisiert, dass sie auf ihrem Grundstück „keinen Platz für diese Riesentonne“ hätten. Ohnehin würden sie nicht 4,2 gelbe Säcke, wie der statistische Durchschnitt besagt, sondern nur einen Sack alle zwei Wochen befüllen, wie Erika Storm aus Wedel schrieb. Andere kündigten wie Manfred Vahl aus Halstenbek an, dass sie den Müll nicht mehr trennen, sondern Plastik in der Restmülltonne entsorgen wollten. Die Fraktion Die Linke will auf der Kreistagssitzung an diesem Mittwoch (18 Uhr im Pinneberger Ratssaal) beantragen, dass es die 120 Liter-Größe der Gelben Tonne im Kreis geben soll.

Doch dazu wird es nach Ohdes Angaben nicht kommen. Alle Argumente sprächen für die 240-Liter-Tonne:

Vorgabe des Dualen Systems

Für die Entsorgung des Verpackungsmülls ist das Duale System Deutschland (DSD) zuständig. Das schreibt die Bedingungen fürs Einsammeln vor, die in fast allen etwa 600 Kreisen und kreisfreien Städten die 240-Liter-Tonne vorsähen, so Ohde. Ohne ein einheitliches System könnte die Aufgabe nicht diskriminierungsfrei ausgeschrieben werden.

Andere Kreise machen mit

Wie der Kreis Pinneberg führten die Kreise Stormarn, Herzogtum-Lauenburg und Ostholstein demnächst die Gelbe Tonne ein und schafften den gelben Sack ab – alle mit der 240-Liter-Größe, erklärt Ohde. Nur in Hamburg gebe es außer der 240-Liter-Tonne weiterhin die Möglichkeit, Verpackungsmüll über den gelben Sack zu entsorgen. Da beteilige sich die Hansestadt aber zu 30 Prozent an den Entsorgungskosten, die auf die Müllgebühren geschlagen würden.

Die Größe ist angemessen

Auch wenn es einige nicht glauben könnten: Die 240-Liter-Größe sei genau richtig, meint Ohde. Im Durchschnitt entsorge jeder Bürger im Kreis Pinneberg 31 Kilogramm Plastikmüll – etwas mehr als vier gelbe Säcke im Zwei-Wochen-Rhythmus. In eine 120-Liter-Tonne passten keine zwei vollen gelben Säcke hinein, die jeweils 90 Liter fassen.

Tornescher waren zufrieden

In Tornesch, wo beim Modellversuch 2015 die Gelbe Tonne bereits ausprobiert wurde, haben sich nach Ohdes Angaben mehr als 90 Prozent der Bürger zufrieden über die 240-Liter-Größe geäußert.

Höhere Gebühren drohen

Wer seinen Plastikabfall künftig in der Restmülltonne entsorgt, müsse bedenken, dass er dann die graue Tonne statt in 80- in 120- oder gar 240-Liter-Größe braucht, warnt Ohde. Die 120-Liter-Tonne kostet zurzeit 8,58 Euro monatlich im Kreis statt 5,72 Euro für die 80-Liter-Restmülltonne. In der 240-Liter-Ausführung sind 17,16 Euro im Monat für Restmüll fällig.

Pressen schadet Recycling

Wenn der Plastikmüll zu stark in die Tonnen gepresst wird, verkannte er sich in den Tonne und sei schwerer zu entsorgen, so Ohde. Zudem ließe er sich bei der Sortierung in Tornesch-Ahrenlohe nur sehr schwer oder gar nicht mehr in die verschiedenen Rohstoffe trennen und damit umweltfreundlich recyceln.

Wenige Ausnahmen möglich

Wer möchte, könnte den Abfuhrtermin für die Gelbe Tonne von zwei auf vier, sechs oder acht Wochen variieren, rät Ohde. Zudem werde er bei der DSD versuchen, für wenige begründete Ausnahmefälle nach objektiven Kriterien – wenn das Grundstück wirklich zu klein ist – eine kleinere Variante zuzulassen.