Pinneberg
Modernisierung

Was das Land mit Pinnebergs Polizeiwache plant

Während des Umbaus soll dort ein Containerdorf stehen: Hauptkommissar Matthias Wieske vor dem Polizeigebäude an der Elmshorner Straße.

Während des Umbaus soll dort ein Containerdorf stehen: Hauptkommissar Matthias Wieske vor dem Polizeigebäude an der Elmshorner Straße.

Foto: Arne Kolarczyk

Gebäude ist viel zu klein, wird aber modernisiert. Ein Neubau ist vorerst vom Tisch. Deshalb muss nun improvisiert werden – mit viel Geld.

Pinneberg.  Mehr als zwei Millionen Euro investiert das Land in die Modernisierung des Polizeigebäudes an der Elmshorner Straße in Pinneberg. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich im Mai nächsten Jahres und werden sich bis 2022 hinziehen. Dann ist die 1982 bezogene Immobilie des Landes Schleswig-Holstein zwar auf dem neuesten Stand, jedoch weiterhin viel zu klein.

Die Idee, einen Neubau an anderer Stelle hochzuziehen, ist dagegen vom Tisch. „In der Umgebung werden geeignete Objekte zwecks Anmietung von Flächen gesucht“, so Magdalena Drywa, stellvertretende Sprecherin des Finanzministeriums in Kiel. Bis eine Dauerlösung für Pinnebergs Polizei gefunden ist, sollen Einheiten vorübergehend ausgelagert werden.

Das Sachgebiet Bandenkriminalität der Kripo ist bereits ausgezogen, die Ermittler agieren von Tornesch aus. Die Angehörigen des Bezirksreviers sind nach der Fusion mit dem Autobahnrevier vor kurzem nach Elmshorn umgesiedelt. In Pinneberg arbeiten derzeit 65 Beamte der Schutzpolizei, 63 Kripo-Mitarbeiter und 25 Beschäftigte des Stabes der Polizeidirektion Bad Segeberg.

Im April des nächsten Jahres kommen die ersten Mitarbeiter des neuen Kriminaldauerdienstes dazu, der auf 34 Mitarbeiter anwachsen und von der Kreisstadt aus die Kreise Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Segeberg betreuen soll.

Für diese neuen Kollegen gibt es im Dienstgebäude an der Elmshorner Straße eigentlich keinen Platz. Außerdem, so viel steht auch schon fest, wird sich das Gebäude zum Zeitpunkt ihres Eintreffens als Baustelle präsentieren. Im gesamten Haus muss der Brandschutz nachgerüstet werden.

Unter anderem sind sämtliche Flurdecken nicht brandsicher, zudem gibt es im Gebäude weder Rauchmelder noch ein vernünftiges Brandmeldesystem – im Gegensatz zu den meisten Privathaushalten. Auch in die Sicherheit wird investiert, unter anderem ist eine Kameraüberwachung geplant. Überdies soll die gesamte, längst nicht mehr zeitgemäße IT-Verkabelung ausgetauscht werden. Teilweise werden die Büros auch neue Fenster erhalten, weil einige noch aus dem Baujahr des Gebäudes stammen und inzwischen undicht sind.

Das Kernstück der Modernisierung ist jedoch der Umbau der Wache. „Bisher muss sich jeder Außenstehende, der das Gebäude betritt, auf der Wache melden. Das bindet Kapazitäten“, sagt Revierleiter Matthias Wieske. Teilweise gehe es vor dem Tresen der Wache zu wie in einem Taubenschlag. Wieske: „Viele wollen nur kurz etwas abgeben oder haben allgemeine Fragen.“

Nach dem Umbau sollen alle Besucher in eine Art Servicestelle geleitet werden, wo sich keine Polizeibeamten, sondern Angestellte im Polizeidienst um ihr Anliegen kümmern. Neben der Servicestelle solle auch ein neuer Wartebereich entstehen. Dafür muss der Eingangsbereich, der jetzt sehr kleinteilig aus verglasten Wänden besteht, umgebaut werden.

Die Wache selbst werden Besucher künftig nicht mehr betreten. Dort sollen mehrere Wände entfernt werden, sodass ein großer Raum mit mehreren Arbeitsplätzen entsteht, an denen die Polizisten in Ruhe arbeiten sollen – eine Art Großraumbüro der Polizeiarbeit.

Bis dies allerdings soweit ist, steht erst einmal ein Umzug an. Voraussichtlich im April werden auf der Rasenfläche vor dem Gebäude acht Container aufgestellt, die während der Bauzeit die Wache ersetzen. „Die Container werden extra für uns hergestellt und deshalb auch sichere Räume enthalten“, erläutert Wieske. Sie würden dann auch die provisorische Anlaufstelle für die Bürger darstellen. Der Revierleiter hofft, dass dieser erste Bauabschnitt noch vor Weihnachten 2020 abgeschlossen werden kann. Er beinhaltet auch die Erstellung von behindertengerechten Toiletten und einen grundsätzlich barrierefreien Zugang in das Gebäude.

Im Anschluss sind zwei weitere Bauabschnitte an der Pinneberger Wache geplant, die Arbeiter werden sich dann quer durch die Flügel und die Stockwerke des Gebäudes vorarbeiten. Die Mitarbeiter der betroffenen Bereiche müssen dann vorübergehend ausquartiert werden. Als Ausweichquartier könnten dann wiederum die Container dienen.

Wieske: „Ich hoffe, dass wir während der Umbauphasen einigermaßen arbeitsfähig bleiben.“ Dass die Polizei am Standort Elmshorner Straße verbleibt, freut Wieske. „Der Standort ist verkehrsgünstig gelegen, gut mit dem Bus zu erreichen – und wir sind Ruckzuck an allen Brennpunkten der Stadt.“ Laut Wieske besteht ab 2023 eventuell die Chance, ein größeres Bürogebäude in der Nachbarschaft des Dienstgebäudes anzumieten. „Wenn das klappt, könnten wir alle Mitarbeiter an diesem Standort adäquat unterbringen und hätten noch Reserveflächen.“

Aktuell hat das vorhandene Gebäude laut Auskunft des Finanzministeriums eine Größe von 1900 Quadratmetern, für die Unterbringung aller vorgesehener Einheiten würden jedoch 3500 Quadratmeter Bürofläche benötigt.