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Gründerzentrum für den Kreis Pinneberg: SPD macht Druck

So wie das Innovationszentrum in Itzehoe könnte auch das Gründerzentrum im Kreis Pinneberg aussehen.

So wie das Innovationszentrum in Itzehoe könnte auch das Gründerzentrum im Kreis Pinneberg aussehen.

Foto: IZET / Innovationszentrum

Kreistagsfraktion fordert, das Projekt innerhalb der nächsten zwei bis vier Jahre umzusetzen. Die Standortfrage ist noch offen.

Kreis Pinneberg.  Der bevölkerungsreichste Kreis des Landes droht wirtschaftlich abgehängt zu werden. Damit das nicht passiert, will die SPD jetzt vom Kreistag beschließen lassen, ein Gründer- und Technologiezentrum (GTZ) in den nächsten zwei bis vier Jahren im Kreis Pinneberg einzurichten, um neuen, innovativen Firmen und Start-ups in der Gründerphase mit günstigen Mieten, Know-how und Fördergeld in der Anlaufphase zu helfen. Fünf Millionen Euro soll der Kreistag dafür zurücklegen. Mit der Koordination und Federführung soll die Wirtschaftsförderungsgesellschaft WEP des Kreises betraut und die Fachhochschulen und Industrie- und Handelskammer mit ins Boot geholt werden.

Hintergrund ist eine Westküstenstudie, die dem Kreis Pinneberg dringend rät, ein solches GTZ zu schaffen, das bereits in den Kreisen Steinburg, Dithmarschen und Nordfriesland sehr erfolgreich etabliert sei, neue Arbeitsplätze schaffe und für zusätzliche Steuereinnahmen sorge. Zudem gibt es erste Alarmzeichen. Der Kreis Segeberg hat mit 91.940 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen erstmals den Kreis Pinneberg (91.817) als Arbeitgeber-Spitzenreiter im Land überholt.

„Das Angebot an Arbeitsplätzen wächst im Nachbarkreis doppelt so schnell wie hier“, warnt WEP-Chef Harald G. Schroers. Darum begrüßt er diese Initiative der Kreis-SPD sehr. Es gebe bereits erste Initiativen in den Städten Pinneberg und Wedel, wo aber noch Standortfrage, Organisation, Betrieb und Investition völlig unklar sind (wir berichteten). „Wenn der Kreis bereit wäre, dafür Geld zur Verfügung zu stellen, wird das diese Suchplanung für ein Gründungszentrum erheblich beschleunigen.“

Wedels Bürgermeister fordert fairen Standort-Wettbewerb

Dieser Auffassung ist auch Wedels Bürgermeister Niels Schmidt. „Es wäre gut, wenn der Kreis dieses Thema vorantreibt.“ So gebe es zwar schon einen Unterstützerkreis von Unternehmern, der Fachhochschule und der Sparkasse in Wedel. „Aber über den genauen Standort eines Gründungszentrums sollte es einen fairen und sachgerechten Wettbewerb im Kreis Pinneberg geben.“

Das soll der Kreis über die WEP regeln und sicherstellen, so die Idee der SPD. „Unser Ziel ist die nachhaltige Stärkung der regionalwirtschaftlichen Infrastruktur“, sagt SPD-Fraktionschef Hannes Birke. „Es geht darum, Unternehmensgründungen anzuregen, junge Unternehmen zu fördern, sie in der Region zu halten und Arbeitsplätze zu schaffen.“

Auf der nächsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 3. Dezember soll der Antrag auf Gründung des GTZ gestellt und sollen anschließend im Nachtragshaushalt die fünf Millionen Euro eingestellt werden. „So ein Ding kostet Geld“, sagt Birke. Das Westküsten-Gutachten geht von bis zu zehn Millionen Euro an Investitionskosten aus, die über 20 Jahre mit jährlich 160.000 Euro finanziert werden könnten.

„Wir wollen Gründern einen Ort anbieten, an dem sie auf begrenzte Zeit, fünf bis acht Jahre, und zu günstigen Konditionen in einem innovativen Umfeld neue Ideen und Produkte und Dienstleistungen entwickeln und zur Marktreife bringen können“, erklärt Birke diese Initiative. Dem Kreis Pinneberg fehle es vor allem an gewerblichen und industriellen Arbeitsplätzen. So sei der Stellenzuwachs um 1000 Arbeitsplätze im vergangenen Jahr fast ausschließlich im sozialen und öffentlichen Bereich, also Erziehung und Unterricht, Pflege, Gesundheitswesen und Verwaltung geschaffen worden. „Das sind Arbeitsplätze, die dem Wohlstand folgen, aber keine, die ihn anstoßen.“

Neue Ideen gefragt: WEP-Chef nennt Beispiel Tesla

WEP-Chef Schroers nennt dazu ein anschauliches Beispiel. So habe das US-Unternehmen Tesla mit seiner Idee, ausschließlich Elektrofahrzeuge herzustellen, die Automobilindustrie revolutioniert und ihr neues Wachstum beschert. Nur durch diese Idee, die schnell Marktreife, Nachfrage und Umsatz schaffte, sei dies möglich gewesen, so Schroers. Und die Kunden seien darauf angesprungen, sodass auch die anderen Automobilhersteller darauf eingehen mussten, was sie sonst nie getan hätten. Solche Ideen, die für neues Wachstum und Arbeitsplätze sorgten, könnten auch auf dem regionalen Markt schnell Fuß fassen, wenn sie gut und erfolgreich seien, ist der Wirtschaftsförderer überzeugt. So hätten vor einigen Jahren die Barber-Shops den Friseurläden zusätzliches Wachstum und den Kunden in der Region mehr Auswahl gebracht.

Unterstützung dazu kommt auch aus der Kreisverwaltung. Der Kreis Pinneberg sei „ein Gründerkreis“, sagt Landrat Oliver Stolz. Seit Jahren führe er die Statistiken bei den Gewerbeanmeldungen in ganz Schleswig-Holstein an. „Aber Gründer brauchen einen Ort, um sich zu treffen und auszutauschen. Einen Ort, an dem sie relativ risikolos ihre Ideen erproben können.“ Der Bedarf an einem Gründerzentrum im Kreis sei also seit Langem da, so Stolz. „Das bestätigen uns auch die Start-ups, mit denen wir immer wieder ins Gespräch kommen. Die angesprochene Studie belegt also nur noch einmal schwarz auf weiß: Im Kreis Pinneberg besteht eine ‚Angebots- und Versorgungslücke. Diese Lücke sollten wir schließen.“

WEP-Chef Schroers meint, die besten Erfolgsaussichten hätten Existenzgründer und Start-ups in den zukunftsträchtigen Bereichen Digitalisierung, Maschinenbau, Chemie und Ernährungswirtschaft. „Diese Branchen sollten wir im Kreis Pinneberg durch neue Gründungen weiter stärken.“

Vier Zentren sind zu 60 bis 98 Prozent belegt

Die Studie von Georg Consultuing im Auftrag der Westküsten-Kooperation der Kreise Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Nordfriesland von Mitte 2018 geht davon aus, dass für ein Gründungs- und Technologiezentrum eine Fläche von 3500 Quadratmetern und zehn Millionen Euro an Startkapital benötigt wird. In diesem neuen oder umgebauten Gebäude könnten dann Hallen- und Büroflächen und Seminarräume für die Existenzgründer geschaffen werden. Der Standort sollte zentral im Kreis Pinneberg liegen und verkehrlich gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden sein. In den vier GTZ in Itzehoe (IZET), Meldorf (CAT), Büsum (mariCUBE) und Niebüll (NIC), 1000 bis 5300 Quadratmeter groß, gibt es zurzeit 100 Unternehmen mit 430 Beschäftigten. Sie sind zu 60 bis 98 Prozent ausgelastet