Pinneberg
Verkehr

Pinneberg bekommt den Zehn-Punkte-Plan fürs Quellental

Wenn die Fläche auf dem ehemaligen ILO-Gelände südlich des Bahnhofs bebaut sein wird, könnte sich die Verkehrssituation in dem Gebiet zuspitzen.

Wenn die Fläche auf dem ehemaligen ILO-Gelände südlich des Bahnhofs bebaut sein wird, könnte sich die Verkehrssituation in dem Gebiet zuspitzen.

Foto: Alexander Sulanke

Ein Ingenieurbüro hat den Verkehr südlich des Pinneberger Bahnhofs begutachtet und daraus zehn konkrete Empfehlungen abgeleitet.

Pinneberg.  Das lange erwartete Verkehrsgutachten für das Pinneberger Quellental ist da. Das Büro SHP Ingenieure aus Hannover war von der Stadt beauftragt worden, den Verkehr genau zu analysieren und daraus konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation abzuleiten mit dem Ziel, den ruhenden und fließenden Verkehr sinnvoller zu ordnen. Kommenden Dienstag, 12. November, diskutieren die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses über die Ergebnisse.

Die Ausgangslage: Blechlawinen verstopfen morgens und abends Pinnebergs Hauptverkehrsstraßen. Angesichts des geplanten neuen Wohnquartiers auf dem Gelände der ehemaligen ILO Motorenwerke mit 360 Wohnungen und der Schließung diverser Baulücken ringsum sorgen sich Anwohner darum, dass das Quellental künftig überquillt. Deshalb hatten sie eine Initiative gegründet und im Februar diesen Jahres zu einer Veranstaltung eingeladen. Nicht alles, was die Anwohner dort subjektiv äußerten, hat sich bestätigt. Zu voll wird’s jedenfalls nicht, sagen die Gutachter.

Bis zu 3300 Autos in 24 Stunden gezählt

Die Zahlen zur Verkehrsbelastung beruhen auf 24-Stunden-Zählungen per Videokamera am Donnerstag, 25. April 2019. Je Richtung wurden zwischen 1600 und 3300 Fahrzeuge pro 24 Stunden gezählt. Die Verkehrsbelastung im Quartier ordnen die Gutachter als durchschnittlich ein. Und auch beim Durchgangsverkehr lagen die Anwohner den Gutachtern zufolge falsch: Dieser erreiche einen maximalen Anteil von 15 Prozent, was als „gängiger und unkritischer Wert“ gilt. Deshalb kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass es überwiegend die Anwohner und deren Besucher selbst sind, die durchs Viertel kutschieren. Zu Buche schlagen auch Eltern, die ihre Kinder per Auto in Schulen und Kitas abliefern. Auch darauf geht das Gutachten mit Extra-Vorschlägen ein.

Zunächst benennt das Verkehrskonzept Mängel. Demnächst abgestellt wird beispielsweise der Zustand, dass viel zu wenig Fahrradstellplätze zu wildem Parken auf dem im Umbau befindlichen Bahnhofsareal führen. Dadurch wirke der Vorplatz „unaufgeräumt und wenig einladend“. Auch führe der Mangel an Park-and-ride-Plätzen dazu, dass die öffentlichen Parkplätze in der Nähe oft belegt sind – eventuell auch deshalb, weil Zweitwagen von Anwohnern nicht auf dem eigenen Grundstück stehen.

Rad- und Fußwege erreichen nicht immer die vorgeschriebene Mindestbreite, was Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern begünstigt, so die Gutachter. Dazu gehört auch der stark frequentierte Christiansenweg, den Radler und Fußgänger getrennt nutzen. Wichtig ist zudem deren Feststellung, dass auf der Manfred-von-Richthofen-Straße deutlich zu schnell gefahren wird, was dazu führt, dass Schüler, die zum Beispiel die Grund- und Gemeinschaftsschule besuchen, sich nicht sicher fühlen.

Als Konsequenz beobachtet das Ingenieurbüro, dass viele auf den Fußwegen radeln. Auch sei die richtige Benutzung nicht eindeutig erkennbar, was das Verhalten der jungen Verkehrsteilnehmer beeinflusse. „Der gegenwärtige Zustand zeigt, dass hinsichtlich gegenseitiger Rücksichtnahme, aber auch hinsichtlich einer genügenden Verkehrserziehung Nachholbedarf besteht“, heißt es in dem Gutachten.

Was die Gutachter empfehlen

Zehn konkrete Maßnahmen leiten dessen Autoren aus ihrer Analyse ab:

1. Der Straßenzug Osterholder Allee/Manfred-von-Richthofen-Straße wird zur deutlich gekennzeichneten Fahrradstraße, die Vorfahrt haben soll. Wie berichtet, ist das bereits geplant. Womöglich könnte sie zur Straße An der Mühlenau verlängert werden. Das reduziere allerdings nochmals das Parkplatzangebot.

2. Die Umgestaltung des südlichen Bahnhofsvorplatzes mit weit mehr Radstellplätzen ist ebenfalls bereits durchgeplant.

3. Eine Anwohnerparkzone in dem Quartier sollte, wenn nötig, eingerichtet werden.

4. Getrennte und gemeinsam genutzte Geh- und Fahrradwege sollen komfortabel nutzbar sein, Konflikte minimiert werden. Faustregel: Werden sie gemeinsam genutzt, reichen 2,50 Meter Breite, sind sie getrennt, müssen sie mindestens 4,50 Meter breit sein. Ist das nicht machbar, sollten sie künftig gemeinsam genutzt werden.

5. Die Straße An der Mühlenau zwischen Bahnhof und Mühlenstraße soll zur Tempo-30-Zone werden. Dann können Radler sicher die Straße benutzen, statt sich wie bisher auf dem viel zu schmalen Rad- und Gehweg durchzuquetschen.

6. Um die Schulwege sicherer zu machen, empfehlen die Gutachter niveaugleiche oder niveauverschiedene Ein- oder Aufpflasterungen entlang der künftigen Fahrradstraße Osterholder Allee und folgenden. Die Erfahrung zeige, dass Autofahrer dann aufmerksamer und langsamer fahren. So etwas ist nicht ganz günstig.

7. Den Einbau von versetzten Hindernissen für den Großen Reitweg schlagen die Gutachter ausdrücklich vor. Sie sollen zu einer Verschwenkung der Fahrbahn führen. Auch das sei sinnvoll, koste aber Geld.

8. Schilder, Symbole oder Piktogramme sollen auf Kinder hinweisen. Als notwendig bezeichnen die Ingenieure das wegen der hohen Dichte an Schulen ringsum. Insbesondere auf den stärker befahrenen Straßen sei das wichtig. Dazu schlagen sie vor, innerhalb der Schulen Schulwegpläne zu erstellen.

9. Die Gutachter wollen die Zahl der „Elterntaxis“ reduzieren. Dabei seien die Schulen in die Pflicht zu nehmen, die das Thema über die Elternsprecher aufgreifen sollten – „mit dem Ziel, dass Schüler vermehrt zu Fuß, per Fahrrad oder Roller kommen.“ Voraussetzung dafür: Die Schulwege müssen wirklich sicherer werden.

10. Alle müssen von den vielen Ideen wissen. Deshalb regt das Büro an, möglichst viele Kanäle zur Kommunikation zu nutzen, um etwa die Fahrradstraßen bekannt zu machen und zu erklären.

Ausschuss: Di, 12.11., 18.30 Uhr Rathaus Pinneberg, Bismarckstr. 6, Rockville-Zimmer.