Pinneberg
Uetersen/Tornesch

Nimmt das Projekt Stadtbahn noch dieses Jahr Fahrt auf?

Die Schienenbusse, die auf der Bahntrasse zwischen Tornesch und Uetersen verkehrten, sind längst Geschichte. Gelegentlich fuhren noch mal historische Fahrzeuge auf der Strecke, so wie auf diesem Foto aus den 80er-Jahren.

Die Schienenbusse, die auf der Bahntrasse zwischen Tornesch und Uetersen verkehrten, sind längst Geschichte. Gelegentlich fuhren noch mal historische Fahrzeuge auf der Strecke, so wie auf diesem Foto aus den 80er-Jahren.

Foto: HA / Eisenbahnfreunde Uetersen

Bahnverbindung von Uetersen nach Tornesch: Verkehrsministerium kündigt Entscheidung über Infrastrukturprojekt an.

Uetersen/Tornesch.  Es geht nur um rund vier Kilometer. Doch die könnten Uetersen und Tornesch noch einmal kräftig zusammenrücken lassen. War es in der Diskussion um eine beide Städte verbindende Stadtbahn zuletzt stiller geworden, nimmt der Zug jetzt wieder Fahrt auf. Das hat das Abendblatt im schleswig-holsteinischen Verkehrsministerium erfahren. Dessen Sprecher Harald Haase kündigt jetzt eine baldige Entscheidung über das Infrastrukturprojekt an. Schon in wenigen Wochen könnte es so weit sein. Und es geht offenkundig weniger um die Frage, ob, sondern wie Tornesch und Uetersen „verkuppelt“ werden. Mittels einer Stadtbahn oder eines Busses, für den die vorhandene Schienentrasse umgebaut werden müsste.

Kiel wartet auf die in Auftrag gegebene Potenzialanalyse sowie eine Nutzen-Kosten-Untersuchung. „Ergebnisse sollen im September 2019 vorliegen“, so Haase. Und weiter: „Im Anschluss wird eine Entscheidung erfolgen können, welcher Lösung der Vorzug zu geben ist.“ Klingt, als könnte 2019 den Durchbruch in Sachen Nahverkehr zwischen zwei Kommunen bringen, die schon jetzt in vielen Bereich zusammenarbeiten. Für das Abendblatt ein guter Zeitpunkt, den Stand der Diskussion um die Stadtbahn zwischen Uetersen und Tornesch aufzuarbeiten.

Die Historie

Ursprünglich verkehrten Dampftriebwagen auf der Strecke zwischen Tornesch und Uetersen, später kamen Dieselloks zum Einsatz. In den 1950er-Jahren wurden dann zwei sogenannte Schienenbusse in Betrieb genommen, die jedoch schon wenige Jahre später ausgedient hatten und verkauft wurden, weil neue Wohngebiete zu weit von den Gleisen entfernt lagen. Zum 29. Mai 1965 wurde die Personenbeförderung auf der Strecke eingestellt. Stattdessen kamen Busse zum Einsatz. Für den Güterverkehr blieb die Trasse erhalten.

Die neuen Betreiber

1998 endet die Geschichte der Uetersener Eisenbahn als Bus- und Bahnbetrieb. Neuer Betreiber der Strecke ist die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (NEG), die 2001 zum Tochterunternehmen der Luxemburger CFL wird. Güterverkehr gibt es auf der Strecke immer noch. Und 17 Jahre später auch eine Idee, die Schlagzeilen macht. Die kommt aus Uetersen.

Alte Gleise, frische Ideen

2015 taucht die Idee einer Aktivierung der Bahnstrecke zwischen Tornesch und Uetersen erstmals auf. Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen bringt sie im Interview mit dem Abendblatt aufs Tapet. Bereits im Sommer 2016 gibt es erste Gespräche, an denen neben Vertretern der NEG und der Pinneberger Verkehrsbetriebe auch Torneschs damaliger Bürgermeister Roland Krügel teilnimmt. Hinterher heißt es, 2020 könnten Züge rollen. Ganz so schnell soll es dann nicht gehen.

Erste Gutachten

2017 geben die Städte Uetersen und Tornesch einem Gutachterbüro den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie und eine Kostenbetrachtung zu erarbeiten. „Es wurden sowohl Varianten herausgearbeitet, die eine Reaktivierung der Bahnstrecke zum Gegenstand haben, als auch Varianten mit einer vollständigen oder teilweisen Nutzung der Bahntrasse durch Busse“, so Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministers Bernd Buchholz (FDP). Zuvor hatte auch das Bahnunternehmen NEG schon bei der Politik vorgesprochen. Und in Aussicht gestellt, dass eine Reaktivierung der Gleise bei Weitem nicht so kostspielig werden würde, wie zunächst vermutet worden ist.

Die Kosten

Laut einem Gutachten des dänischen Büros Ramboll muss mit Kosten von 7,1 Millionen Euro gerechnet werden, wenn die Schienen der Trasse bis in die Uetersener City hergerichtet würden. Die Summe umfasst auch das Einrichten von Haltestellen. Zudem müssten für das Geld die Bahnübergänge mit moderner Sicherheitstechnik versehen werden. Sollte die Wahl auf Umrüstung der gesamten Strecke für einen Bus fallen, wäre sogar mit 11,3 Millionen Euro zu rechnen.

Die Haltestellen

In der Diskussion sind fünf Haltestellen. Züge oder auf der Trasse vom übrigen Verkehr abgeschirmte Busse könnten an den Stationen Alte Post/Finkenbrook, Ostbahnhof, Esinger Steinweg, Am Steinberg und Bahnhof Tornesch halten. Eine Bahnfahrt über die ganze Strecke würde laut Machbarkeitsstudie um die zehn Minuten dauern. Busse wären etwas länger unterwegs.

Daniel Kölbl ist CDU-Chef in Tornesch, sitzt auch im Kreistag und gilt als Befürworter der Stadtbahn-Idee. Er hat kürzlich in Kiel nachgefasst und hofft auf ein baldiges Vorankommen. „Wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, müssen beide Städte, Kreis und Land an einen Tisch“, sagt Kölbl. Er spricht von einer „charmanten Idee“, auch weil Tornesch zu Stoßzeiten in Stau versinkt. Vor allem für Pendler müsse ein alternatives Angebot zum Auto her.

Kölbls Tendenz geht allerdings zu einer Lösung ohne Zug. Er könne sich gut vorstellen, dass ein Bus zunächst Uetersener Wohngebiet ansteuert, um dann auf eine Busspur nahe der Schienentrasse einzubiegen. So blieben die Gleise für den Güterverkehr nutzbar, der Bus hätte aber freie Fahrt. „Entscheidend ist vor allem die Wirtschaftlichkeit“, sagt der Christdemokrat. Und er sagt: Wenn die gegeben sei, dann werde seine Fraktion das Thema weiter vorantreiben.