Pinneberg
Barmstedt

Der Mann, der in die Abgründe der Seele schaut

Autor Artur Hermanni in seiner neuen Heimat Barmstedt vor dem ehemaligen Amtsgericht.

Autor Artur Hermanni in seiner neuen Heimat Barmstedt vor dem ehemaligen Amtsgericht.

Foto: Thomas Pöhlsen

Artur Hermanni stellt seinen neuen Kriminalroman vor. Ein Burn-out ließ den erfolgreichen Architekten ein erfolgreicher Autor werden.

Barmstedt.  Der gut gekleidete Mann in der Bahn, den wir morgens die Zeitung lesend auf dem Weg zur Arbeit sehen, oder der Nachbar, der freundlich grüßt. Wir würden beide wohl kaum eines Kapitalverbrechens bezichtigen. Der Kriminalschriftsteller Artur Hermanni pflegt in seinen Werken einen anderen Blick auf seine Mitmenschen. Ihn interessiert die Persönlichkeit jenseits des ersten Eindrucks. Er will hinter die schöne Fassade der menschlichen Existenz schauen. In seinen Romanen blickt er dann in Abgründe der Seele. Bei der Hauptperson seines neuen Werks „Rauschen“ weist anfangs nichts darauf hin, dass es sich um einen Massenmörder handelt. Stück für Stück werden dann seine psychischen Störungen freigelegt. Mit dem Roman geht der Barmstedter demnächst auf Lesetournee.

Nicht das „Wer-hat-die-Tat-begangen“ interessiert ihn, sondern die Motive, die zu der Tat geführt haben, erklärt Hermanni. Patricia Highsmith, die große Dame der britischen Kriminalliteratur und Begründerin des „Whydunit“, ist seine wichtigste Quelle der Inspiration. In ihren psychologischen Romanen steht im Mittelpunkt nicht die Aufklärung von Verbrechen, sondern sie erhellt Umstände, die einen Durchschnittsmenschen ins Verbrechen treiben.

Mörder findet seine Opfer in Bussen und Bahnen Hamburgs

Dem Genre des Psychokrimis fügt Hermanni reichlich Lokalkolorit hinzu. In seinem neuen Buch, es ist sein drittes, sucht und findet der Mörder seine Opfer in den Bussen und Bahnen Hamburgs. Die Geschichte ist zu einer Zeit angesiedelt, in der es nur wenig Videoüberwachungen in den öffentlichen Verkehrsmitteln gab. Wer sich nur ein bisschen in Hamburg auskennt, der findet sich anhand der Romanbeschreibungen bestens zurecht. Bei so viel seelischen Abgründen in der Figur des Mörders muss es auch einen Guten geben. Der kommt in „Rauschen“ in der Gestalt des Kriminalkommissars daher, der erst langsam, dann mit immer mehr Nachdruck dem Täter auf die Spur kommt. Aber auch die Seele des Polizisten hat eine dunkle Seite.

Hermanni ist ein Spätberufener, der schon früh mit dem Schreiben begonnen hat. Bereits als Jugendlicher verfasste der gebürtige Hamburger erste Geschichten. Die landeten jedoch erst einmal in der Schublade. An eine Veröffentlichung verschwendete der Autor keinen Gedanken. Hermanni suchte sich einen anderen kreativen Beruf, das Schreiben rückte in den Hintergrund. Er wurde Architekt. Ein sehr erfolgreicher sogar, der auf dem Suche nach immer neuen Herausforderungen die Warnsignale des eigenen Körpers überhörte. Ein Burn-out war die Folge, das ihn komplett aus der Bahn warf.

Außerdem gut beschäftigt als Musiker und Veranstalter

In dieser Situation wurde die Schriftstellerei zum Rettungsanker. Hermanni begann wieder zu schreiben. Dann erwachte der Wunsch, die Ergebnisse der Arbeit anderen Menschen vorzustellen. Auf den offenen Lesebühnen Hamburgs fand Hermanni die Bestärkung, den einmal eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. „Ich merkte, ich konnte die Menschen packen. Sie folgten mir und meiner Geschichte“, erinnert sich der Autor. Zusammen mit Bilk van Willich gründete er die „Eidelstedter Poeten“, eine offene Lesebühne im dortigen Bürgerhaus. Erste Geschichten wurden in Anthologie veröffentlicht, dann folgte der erste Roman „7 Kämpfe 7 Leben“. In diesem Buch verarbeitet er seinen Weg vom Burn-out in ein neues Leben. „Ganz unten und wieder aufgestanden“, fasst er diese Jahre der Neuorientierung zusammen.

Von Freunden und Autorenkollegen wurde Hermanni ermuntert, seinen Weg weiterzugehen. Nach der Selbstreflexion in Romanform sollte ein eigenes, von vorn bis hinten selbst erdachtes Buch folgen. Mit „Morde ohne Schuld“ schlug er 2016 so erfolgreich den Weg zum Krimiautor ein, dass das jetzt erschienene „Rauschen“ zur zwangsläufigen Folge wurden. Zum literarischen Erfolg kam das persönliche Glück. Der Liebe wegen zog Hermanni von Hamburg-Eidelstedt nach Barmstedt und heiratete dort im vergangenen Jahr. In der Schusterstadt engagiert er sich in einem Kreis von Kulturschaffenden, die dabei sind, eine Interessensvertretung für ihre Anliegen zu gründen.

In der Nachbarstadt Elmshorn gründete er eine weitere Lesebühne, Brücken-Raum genannt, immer am ersten Donnerstag im Monat im Kranhaus. Ein weiteres Standbein ist seine Arbeit als Pianist und Komponist mit Faible für Jazz, Pop und Lounge. Gern sorgt er bei einer Vernissage für den musikalische Rahmen, gibt zudem kleinere Konzerte. Bei seinen Lesungen greift der Vielseitige auch immer in die Tasten, was den Abend zu einem unterhaltsamen Event macht.

Lesungen und neue Medien

Ab kommenden Freitag, 11. Oktober, stellt Artur Hermanni seinen neuen Roman „Rauschen“ während einer Lesereise vor. Im Elmshorner Kranhaus, Schloßstraße 8, wird er von 19.30 Uhr lesen. Unter dem Motto „Rauschen am Piano“ kombiniert er die Lesung mit Live-Musik am Klavier und Gesang. In der Haselauer Galerie Cavissamba, Haseldorfer Chaussee 45, lässt er es am Freitag, 25. Oktober, von 19 Uhr an rauschen. Auf seiner Website www.artur-hermanni.jimdo.com sind weitere Lesetermine außerhalb des Kreises Pinneberg zu finden. Der Barmstedter bespielt zudem die neuen Medienkanäle Spotify und YouTube. Links gibt es auf der Website. Sein neues Werk ist bei BoD, ISBN 978-3-732235469 ( 16 Euro), erschienen. pö