Schulwegsicherung

Ellerbek und das lange Warten auf den Radweg

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Burkhard Fuchs
Die Mütter Bianka Stiller-Hoppe (l.) und Patricia Bach aus Ellerbek fordern von der Gemeindevertretung, dass der Rugenbergener Mühlenweg endlich einen Radweg bekommt.

Die Mütter Bianka Stiller-Hoppe (l.) und Patricia Bach aus Ellerbek fordern von der Gemeindevertretung, dass der Rugenbergener Mühlenweg endlich einen Radweg bekommt.

Foto: Burkhard Fuchs

Insekten-Gutachten verzögert Planung, Finanzierung nicht gesichert. Und eine Fahrradstraße als Provisorium spaltet die Einwohner.

Ellerbek.  Der von vielen Anwohnern in Ellerbek seit Jahren geforderte Radweg im Rugenbergener Mühlenweg zur Schulwegsicherung schien Ende vorigen Jahres zum Greifen nahe. Die Politik war sich einig, die Planung fertig, die Finanzierung gesichert. Sogar ein Gönner war bereit, bis zu 100.000 Euro aus eigener Tasche und Spenden für den Radweg zur Verfügung zu stellen. Doch wegen planerischer Mängel ist der Radweg bis heute nicht realisiert. Auch die Finanzierung droht zu platzen.

Darum plant der Gemeinderat am Donnerstag, 26. September, Ihlweg und Rugenbergener Mühlenweg bis zur Hermann-Löns-Schule für den motorisierten Verkehr sperren zu lassen, bis der Radweg gebaut werden kann. Für Ellerbeks Bürgermeister Günther Hildebrand (FDP) wäre das eine „gute Übergangslösung“, die den Schülern mehr Sicherheit auf ihrem Weg zur Schule verspreche. Doch Anwohner aus den Straßen Burstah und Achter de Höf fürchten, dass dann ihre Straßen durch den umgeleiteten Verkehr stärker belastet und hier eine „Dauerlösung“ geschaffen werden würde, die keiner haben möchte.

Anonymen Brief von Anwohner erhalten

„Wir kämpfen weiter für den Radweg zur Grundschule und sind gegen diese Notlösung, die zu einer dauerhaften Lösung werden könnte“, kritisieren die Mütter Bianka Stiller-Hoppe und Patricia Bach. Beide haben jeweils zwei kleine Kinder, die jeden Tag von der Kellerstraße und dem Burstah mit dem Fahrrad zur Schule und zurück fahren.

Weil die Gemeinde nun vorhabe, statt des Radwegebaus die Zufahrtsstraße vom Altdorf in Ellerbek zur Schule zu sperren, würde sie bereits im Ort angefeindet, sagt Bianka Stiller-Hoppe. So habe sie gerade einen anonymen Brief von einem Anwohner aus der Straße Achter de Höf erhalten und sei darin beschimpft worden, weil ihr als Befürworterin des Radweges die Schuld für die geplante Verkehrsverlagerung gegeben werde. Dabei sei sie selbst dagegen, weil die Sperrung nicht für mehr Sicherheit sorge – denn der Ihlweg ist nicht beleuchtet.

Bürgermeister sieht Fahrradstraße als beste Lösung an

Doch für Bürgermeister Hildebrand wäre die vorübergehende Einrichtung einer reinen Fahrradstraße im Moment die beste Lösung. Darum plädiert er dafür, der Gemeinderat möge am Donnerstag beschließen, das Amt Pinnau zu beauftragen, den Antrag auf Ausweisung des Ihlweges als Fahrradstraße bei der Verkehrsaufsicht des Kreises Pinneberg zu stellen. Parallel solle der Bau des Radweges weiter geplant werden, was sich aber leider verzögere. So habe die Untere Naturschutzbehörde ein aktualisiertes landschaftspflegerisches Gutachten und artenschutzrechtliche Analysen zum Insektenschutz für die Radwegplanung gefordert. Diese Untersuchungen seien in Auftrag gegeben, bräuchten aber noch etwas Zeit, erklärt Hildebrand.

Ob die Sperrung des Ihlwegs und Rugenbergener Mühlenwegs zur Schule für den Autoverkehr tatsächlich zu einer Mehrbelastung anderer Anwohnerstraßen wie Burstah oder Achter de Höf führen wird, soll dann eine Verkehrszählung klären. So sei in der vergangenen Woche bereits der Verkehr zur Schule zwischen 6.30 und 14 Uhr aus beiden Richtungen vom Amt datenmäßig erfasst worden. In diesem Zeitraum sind vom Moorkampsweg 46 Fahrräder, 131 Autos, fünf Lkw und 15 Fußgänger zum Schulzentrum gezählt worden. Über den Ihlweg gelangten 72 Fahrräder, 140 Autos, acht Lkw und 18 Fußgänger zur Schule. Hildebrand erwartet, dass die Autofahrer überwiegend künftig außen herum über Kellerstraße, Pinneberger Straße und das Gewerbegebiet Waldhofstraße und Moorkampsweg zur Schule führen. Das wäre nur ein kleiner Umweg von zwei, drei Minuten.

Es gibt Probleme bei der Finanzierung des Radweges

Für Anwohnerin Patricia Bach ist dabei nicht berücksichtigt, dass ein großer Teil des Verkehrsaufkommens zur Schule auch am Nachmittag vorkomme, weil dann die Vereine die Sportstätten nutzten. Sie, die mit ihrer Familie im Burstah wohnt, plädiert dafür, diese reine Anliegerstraße endlich komplett zu einer Tempo-30-Zone zu machen. Dies hatten bereits im März rund 40 Anwohner mit einer Petition gefordert, die die Anwohnerin Jessica Voß initiiert hatte. Sie hatte bis zu 280 Fahrzeuge am Tag gezählt, die die Anwohnerstraße befahren würden, in der 30 Kinder lebten. Darüber ist nicht entschieden worden.

Zudem gebe es bei der Finanzierung des Radweges Probleme, erklärt Bürgermeister Hildebrand. So rechnet er inzwischen mit einer Million Euro Baukosten. Dafür sollte ursprünglich ein Grundstück an der Posener Straße für 350.000 Euro verkauft werden, was aber nun am Widerstand der Forstbehörde zu scheitern drohe. Und die 100.000-Euro-Spende eines Ellerbekers, der diese allerdings nur bei Fertigstellung des Radweges bis nach den Sommerferien im August zugesagt hatte, könne er nicht verwenden, da sie vom Finanzamt nicht als steuerabzugsfähig eingestuft werde, erläutert Hildebrand. „Die Finanzierung des Radweges ist im Moment nicht gesichert.“

Aber auch die Ausweisung von Ihlweg und Rugenbergener Mühlenweg zu einer reinen Fahrradstraße ist nicht gesichert, selbst wenn sie der Gemeinderat am Donnerstag beschließen sollte. So eine Verkehrsmaßnahme würde nur in bestimmten Ausnahmefällen mit stichhaltiger Begründung genehmigt, teilte ein zuständiger Mitarbeiter des Kreises Pinneberg dem Amt Pinnau dazu mit.

Dorffest Thema:

Die Ellerbeker Gemeindevertretung befasst sich auf ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag, 26. September, auch noch mit anderen Themen. So sollen die Kommunalpolitiker darüber entscheiden, ob der Förderverein knapp 10.000 Euro für das Dorffest 555 Jahre Ellerbek im August erhält. Die Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Kulturtreff im Rugenbergener Mühlenweg 2

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