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Zwei Kirchen in Uetersen sind auf dem Weg zu einer

Susanne Strauß (v. l.) und Kirsten Ruwoldt von der Klosterkirche sowie Johannes Bornholdt  und Harald Tobies von der Erlöserkirche beraten über eine Kirchenfusion.

Susanne Strauß (v. l.) und Kirsten Ruwoldt von der Klosterkirche sowie Johannes Bornholdt und Harald Tobies von der Erlöserkirche beraten über eine Kirchenfusion.

Foto: Burkhard Fuchs

Für Sonntag laden die Gemeinden Kloster und Erlöser zu Versammlungen ein, um über einen möglichen Zusammenschluss zu informieren.

Uetersen.  Die Zeichen stehen auf Kirchenfusion in Uetersen (wir berichteten). Am kommenden Sonntag, 22. September, sind die jeweils etwa 4300 Gemeindeglieder der beiden evangelischen Kirchengemeinden Am Kloster und Erlöser aufgerufen, nach den Gottesdiensten in ihren Kirchen erstmals offen über eine Zusammenlegung der Gemeinden zum 1. Januar 2023 zu diskutieren. Seit einem Jahr berät eine Projektgruppe, die aus jeweils vier Kirchengemeinderatsmitgliedern besteht, über einen möglichen Zusammenschluss. „Es laufen Sondierungsgespräche“, sagt Pastor Johannes Bornholdt von der Erlöserkirchengemeinde. Eine Entscheidung solle in gut einem Jahr fallen, kündigt er an. „Die Chancen für eine Fusion stehen über 50 Prozent.“

Die Gründe für diese Überlegungen seien vielfältig. So verlieren die 1000 Kirchen der Nordkirche in den nächsten zehn Jahren mehr als ein Drittel ihrer zurzeit etwa 1625 Pastoren durch Ruhestandsfälle und fehlenden Nachwuchs. In der Erlösergemeinde werde die halbe Stelle von Pastorin Almuth Bretschneider wohl im nächsten Jahr nicht wieder besetzt, sondern wegfallen, wenn sie in Rente geht, glaubt Pastor Bornholdt.

Auch die Zahl der Mitglieder gehe stetig zurück. So habe die Erlösergemeinde seit 1993 mit rund 2000 Mitgliedern fast ein Drittel ihrer Gläubigen verloren, berichtet Bornholdt. Die Klosterkirchengemeinde zählte vor 16 Jahren noch 700 Mitglieder mehr, als sie dort als Pastorin anfing, erinnert sich Pastorin Kirsten Ruwoldt. Eine aktuelle Studie gehe davon aus, dass die Evangelische Kirche in Deutschland bis 2060 die Hälfte ihrer 20 Millionen Mitglieder verliere.

Kirche müsse gesellschaftlich relevant bleiben

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Kirchenmitgliedschaft nicht mehr das vorherrschende Lebensprofil in unserer Gesellschaft sein wird“, ahnt Kirsten Ruwoldt. Somit bestehe die Aufgabe jetzt vor allem darin, dafür zu sorgen, dass die Kirche „gesellschaftlich relevant bleibt“.

Deshalb berieten beide Gemeinden, welche Konsequenzen es für die vier Pastoren und die 43 Mitarbeiter haben werde, wenn sie sich zusammenschlössen. Auch über die Gebäude und deren künftige Nutzungsmöglichkeiten würde diskutiert. Dazu gehöre auch eine kommerzielle Nutzung oder Vermietung von Räumlichkeiten, die nicht mehr für die Kirchenarbeit gebraucht würden. „Aber die Klosterkirche wird bestimmt nicht abgerissen“, beruhigt Bornholdt. Und auch die Erlöserkirche werde nach einer Fusion noch stehen, sind Ruwoldt und Bornholdt überzeugt. Zumal beide Kirchen heute schon oft als Konzertsäle genutzt würden.

Die Gemeindemitglieder werden am 22. September das erste Mal über diese Pläne umfassend informiert. Ihre Meinung würde als „Stimmungsbild“ wichtig sein. Letztlich entschieden werde die Frage, Fusion ja oder nein, aber ausschließlich von beiden Kirchengemeinderäten. Zuvor solle im nächsten Jahr noch einmal die Gemeinde angehört werden, skizzieren die Verantwortlichen den weiteren Entscheidungsprozess.

Wenn dann die Fusion Ende 2020 entschieden sei, würde zwei Jahre lang der Zusammenschluss bis ins Kleinste vorbereitet werden. Ziel wäre es dann, Ende 2022 nur noch einen gemeinsamen Kirchengemeinderat für die eine, zusammengeschlossene Uetersener Kirchengemeinde wählen zu lassen.