Pinneberg
Kreis Pinneberg

Katastrophenschutz: DLRG ist jetzt auch dabei

Landrat Oliver Stolz (M.) mit Thomas Grabau (2. v. r.), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung des Kreises, sowie Dieter Dolezal (v. l.), Jochen Möller und Gerd Dittrich von der DLRG.

Landrat Oliver Stolz (M.) mit Thomas Grabau (2. v. r.), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung des Kreises, sowie Dieter Dolezal (v. l.), Jochen Möller und Gerd Dittrich von der DLRG.

Foto: Burkhard Fuchs

Einmalig in Schleswig-Holstein: Die 66 Helfer des Wasserrettungszuges der DLRG müssen für ihre Einsätze in Zukunft keinen Urlaub mehr nehmen.

Kreis Pinneberg.  Die 66 Helfer des Wasserrettungszuges der DLRG im Kreis Pinneberg können jetzt beruhigt und abgesichert zu ihren Einsätzen fahren. Der Kreis Pinneberg hat als erster Kreis in Schleswig-Holstein die Lebensretter offiziell in den Katastrophenschutz aufgenommen. Das bedeutet, dass sie sich im Ernstfall nicht mehr auf eigene Kosten frei nehmen müssen. Ihren Verdienstausfall übernimmt der Staat, erklärt DLRG-Präsident Jochen Möller. Die Kosten für die notwendige Fortbildung der Wasserretter trägt der Kreis. Die reine Ausbildung mache weiterhin die DLRG.

„Das macht mich stolz, dass wir jetzt in einem ersten Kreis im Land Bestandteil des Katastrophenschutzes sind“, sagt Möller. Dass ausgerechnet das Land zwischen Meeren bislang die Wasserrettung nicht als offiziellen Träger des Katastrophenschutzes ansah, sei schon etwas anachronistisch. Das Beispiel werde nun Schule machen. „Das ist ein Musterbeispiel, das Strahlkraft haben wird auf andere Kreise im Land. Vor allem die Küstenkreise sind sehr interessiert daran, das auch zu machen.“ Nun seien „alle Mann an Bord“, die sich im Notfall als Erstes um die Rettung von Menschenleben kümmerten, sagt Landrat Oliver Stolz. Außer dem eigenen Krisenstab, der Kreis-Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk habe er mit der DLRG nun einen weiteren „dauerhaft anerkannten“ Partner an der Seite, sagte der Kreisverwaltungschef, der bei einem schweren Notfall auf dem Festland im Kreis Pinneberg den Katastrophenschutz alarmieren und leiten würde.

„Wir haben schon immer bei Hochwasser wie vor einigen Jahren in der Haseldorfer Marsch Sandsäcke gefüllt oder bei der großen Elbflut in Lauenburg Menschen von Dächern gerettet“, sagt DLRG-Kreisvorsitzender Gerd Dittrich, der rund 5000 der 30.000 Mitglieder der DLRG vertritt.

Auch der Versicherungsschutz ist jetzt geregelt

Aber bislang sei seine Organisation kein vollwertiger Partner im Katastrophenfall gewesen. „Unsere Leute mussten bei solchen Gefahrenlagen immer Urlaub nehmen. Jetzt haben sie Sicherheit, was ihre Zeit und den Versicherungsschutz angeht.“ Das habe aber nichts an der Einstellung seiner Rettungskräfte geändert, betont Dieter Dolezal, Leiter des 33-köpfigen Zuges der Wasserrettung bei der DLRG, der wegen möglicher Krankheits- oder Urlaubsfälle doppelt besetzt sei. „Unsere Mitarbeiter sind immer mit hohem persönlichem Einsatz im Ernstfall bei der Sache gewesen, auch ohne offizielle Anerkennung.“ Der Kreis Pinneberg habe aber mit seinem neuen Modulsystem, alle Einheiten des Katastrophenschutzes systematisch aufzurüsten und zu modernisieren, seit Beginn des Projektes 2011 die Wasserretter der DLRG mit dem notwendigen Equipment ausgestattet, sagt der zuständige Fachdienstleiter für Sicherheit und Verbraucherschutz, Uwe Koltzau. So seien im Laufe dieser jetzt acht Jahre 600.000 Euro für neue Boote, Transport- und Rettungsfahrzeuge für die DLRG ausgegeben worden. Jedes Jahr investiere der Kreis eine halbe Million Euro für neue Geräte und Ersatzbeschaffungen für den Katastrophenschutz.

Zu diesem Sicherheitspaket gehörten auch die neue Kreisfeuerwehrzentrale in Tornesch und die neue Rettungsleitstelle in Elmshorn, in die der Kreis rund 40 Millionen Euro investiert hat, so Landrat Stolz.

Im eng besiedelten Kreis Pinneberg sei diese verbesserte Sicherheitslage auch ein Wirtschaftsfaktor. DLRG-Präsident Möller: „Wir können Risikolagen jetzt besser einschätzen und unsere Leute noch besser darauf vorbereiten.“